§ Wiesbaden, 25. Juli. Gestern Abend beschloß eine Versammlung von national-liberalen Vertrauensmännern aus! Stadt und Amt Wiesbaden, die Wiederwahl Braun's im II. nastauischen Wahlbezirk bei den bevorstehenden Parlaments­wahlen. Von Seiten der früheren Nassauisch-Conservativen und hiesiger Regierungsbeamten geht man mit dem Plane um, den früheren päpstlichen Consul, Herrn Lade in Geisenheim als Candidaten aufzustellen. Für den I. Wahlkreis wird Hergen­hahn, wie man hört, nicht wieder annehmen und sind an feine Stelle die Herren Klotz von Oberurfel oder Dr. Herz von Höchst von nationalliberaler Seite in's Auge gefaßt. Im III. Wahlkreis wird Herr von Diest, unser Regierungs­präsident als conservativer Candidat die Wiederwahl des Ab­geordneten Born aus Langenscheid zu vereiteln suchen. Aus dem IV. Wahlkreis hört man noch Nichts davon, wer dem früheren Delegirten Knapp aus Dauborn das Mandat des Kreises streitig machen wird. Auf dem Westerwald (im V. nastauischen Wahlkreis) wird sich Herr v. Schwartzkoppen wieder aufstellen lasten und soll von anderer Seite die Candi- datur des Prinzen Nicolaus von Nassau dort eifrig be­trieben werden. Die Instruction zum Jagdgesetz, die von unserer Bezirks-Regierung erlassen worden war und in derPost" Nr. 357 eine eingehende und fachgemäße Erörterung fand, hat nicht nur zur Folge gehabt, daß an einzelnen Orten eine leicht erklärliche Mißstimmung sich der Bevölkerung bemächtigte, son­dern die Grundbesitzer haben auch in verschiedenen Fällen (deren Zahl sich gegenwärtig auf 8 beläuft, aber noch wachsen wird) wegen der Handhabung dieser Instruction den Beschwerdeweg an das königliche Oberpräsidium in Kassel u. s. w. ergriffen. Nachdem vorgestern von dem hiesigen vormals herzoglichen Schloßgebäude im Namen der preußi­schen Staatsregierung Besitz ergriffen worden war, hat der Hof- Kammerrath Ke nt im Namen des Herzogs Adolf beim hiesigen Justizamt Klage gegen den preußischen Staat (wegen Befitzstö-