Schlesien, wo diese Fraction ihre festesten Burgen hatte, haben' sich, den neuesten Nachrichten zufolge, die clericalen Wähler an der Wahl fast gar nicht betheiligt, oder sich für das liberale Programm erklärt, wie dies sogar Reichensperger und Geldern gethan haben soll. So wird sogar, wie wir aus einem Privatbriefe ersehen, in dem Wahlbezirk Natibor, welcher seit 1861 consequent einen feudalen und einen mit der feudalen Partei stimmenden clericalen Abgeordneten wählte, diesmal statt des Tribunalsratbs Hahn der Appcl- ations-Gerichts-Präsident Holzapfel und statt des streng feudalen Pfarrers Wetzel der durchaus liberale Pfarrer Philipp ausgestellt worden. In dem Wahlkreise Gleiwitz-Tost, welcher, wenn wir recht unterrichtet sind, seit 1849 beständig durch den Landrath Strachwitz vertreten war, sind die Wahlen diesmal derartig ausgefallen, daß die Fortschrittspartei die größte Aussicht hat ihren Candidaten Dr. Weiner durchzubringen.
— Der Berliner Schuhmacher-Innung ist Seitens der Militär-Intendantur die Lieferung von 120,000 Paar Stiefeln bis zu einem kurzen Termin übertragen worden, da die Zahl der in den Militärwerkstätten vorhandenen Handwerker zur Anfertigung des nothwendigen Bedarfs in so kurzer Zeit bei weitem nicht ausreichend ist.
— Für heute war auf dem Niederschlcsisch-Märkischen Bahnhof die Ankunft des ersten österreichischen Gefangen- transpcrts ungesagt. Nach eingenommener Mahlzeit sollte die Reise per Bahn nach Cüstrin und von da nach Graudenz fortgesetzt werden.
— Die schon erwähnte Bildung eines neuen Jäger- Bataillons wird schon in den nächsten Tagen und zwar in Berlin vor sich gehen. Das Bataillon wird zum 10. Armee- Corps gehören und den Namen Jäger-Bataillon Nr. 9 führen; es wird aus den ältesten Mannschaften des Garde-Schützen und der übrigen 8 Jäger-Bataillone zusammengesetzt. Mit der Formirung ist einer unserer tüchtigsten Jäger-Offiziere, nämlich der Hauptmanu v. Stülpnagel, augenblicklich Führer der, Ersatz-Compagnie des Garde-Schützen-Bataillons, beauftragt. Wie wir hören, wird derselbe die 1. Compagnie des neuen Bataillons führen. Beim gestrigen Appell waren bereits die Reservisten anwesend. Hauptmann v. Stülpnagel hielt an dieselben eine ergreifende, von hohem Patriotismus zeugende Rede, welche mit einem dreifachen donnernden Hoch auf den König schloß. — Der Name des Hauptmanns v. Stülpnagel gibt dafür Bürgschaft, daß die Zusammensetzung und Auswahl der Mannschaften eine solche sein wird, wie sie in diesem Augenblick erforderlich ist, damit das neue Bataillon eine erfolgreiche Stellung in der Armee einnehmen kann.
Landeshut, 25. Juni. Heute Vormittag rückten von hier aus die preußischen Truppen über Liebau in Böhmen ein, resp. überschritten ohne Widerstand zu finden in der zehnten Stunde bei Königshayn die Grenze und schlugen zunächst bei Bernsdorf ein Bivouac auf. Auf einer nahen Anhöhe zeigten sich zwar Patrouillen von Dragonern, welche aber beim Heransprengcn von preußischen Cavalleristen bald wieder verschwanden.
Leipzig, 28. Juni. Allem Anscheine nach ist der Wunsch der preußischen Regierung in Bezug auf Sachsen dahin gerichtet, in die Verwaltungseinrichtungen und in die persönliche Stellung der sächsischen Beamten nicht ohne dringende Nothwendigkeit einzugreifen. Es scheint, daß sie hierin durch das allseitige bereitwillige Entgegenkommen der Beamten in erwünschter Weise unterstützt wird.
Die preußische Commission hat mit den zurückgebliebenen sächsischen Ministern, Regierungs-Commission genannt, einen Vertrag geschlossen, wonach diese täglich 10,000 Thaler an Preußen zahlt, dagegen die Revenuen des Landes zurückerhält.
Bingerbrück, 29. Juni. Der Verkehr ist auf der hessischen Ludwrgsbahn gestört.
*+* EnrS, 28. S'I tni. lieber ben (S ijt m <* r f j? t> ** |
v-cerrhrichenTruppen tn den hresrgenBadeort therle ick Ihnen um entstellenden Nachrichten zuvorzukommen oder entgegen zu treten, Folgendes mit: Der gegen 9 Uhr von Oberlahnstein hier eintreffende Personenzug brachte durch den Schaffner die Mittheilung, daß über den Fachbücher Berg preußisches Militär komme, dessen erste Mannschaften bereits in Fachbach (st. Stunde vor Ems) eingetroffen seien. Die Kassen der Eisenbahn, des Telegraphen-Amtes, der Post und des Kurhauses wurden sofort weggeschafft und demnach gewartet, ob die preußischen Mannschaften wirklich kommen oder nur einen Uebungsmarsch nach hier machen würden. Was man abwarten wollte, wurde aber bald zur Gewißheit, da unterhalb der Silberschanze in der Nähe des Lindenbach 6 Husaren, von einem Offizier geführt, durch die Lahn ritten und sich über die Eisenbahn sofort nach dem Bahnhof begaben um die Kassen mit Beschlag zu belegen. Gleich nachher rückte Infanterie ein, welche den Bahnhof besetzte, die Kassen der Post rc. untersuchte und das wenige confiscirte, was noch in denselben war. Die Besetzung der Brücken erfolgte ebenfalls sofort, doch war es wohl nur übertriebener Diensteifer wenn für den ersten Moment die Passage gehemmt wurde Doppel-Posten wurden ausgestellt und stehen noch auf einem der Berge an der Mooshütte, auf der festen Brücke der Gitterbrücke, der Schiffbrücke, an dem Bahnübergang zur Villa Balzer; eine größere Abtheilung steht an der Eisenbahn, die Hauptmacht aber hat Besitz von der Elementarschule genommen und sich daselbst eingerichtet. Eingerückt sind ca. 400 Mann vom 32. Jnf.-Regiment, sowie 8 Mann Husaren. Die Mannschaften wurden sämmtlich gespeist und erhrelten' von manchem Hauseigenthümer und von manchem Kurgaste Geld, Cigarren und Erfrischungen.
Dem Bürgermeister wurde die Mittheilung gemacht, daß die Staatskassen confiscirt, Gemeinde- und Privat-Eigenthum ! aber geschont würde. Gegen 12 Uhr wurde auf Befehl des j die Truppen commandirenden Majors die Spielbank ge- j schlossen; der Husaren-Osfizier machte diese Aufforderung j zuerst in deutscher und sodann in französischer Sprache, er ' pachte aber ferner Gebrauch von sofortiger Schließung, da einer der Bankangestellten „les trois derniers“ ankündigle. 2Batm oder ob die Truppen wieder abziehen, ist unbestimmt, mit ihrem Rückzuge wird auch die Bank wieder eröffnet.
~ Der Bahnverkehr ist von selbst eingestellt, die fälligen Züge von Gießen sowohl als von Oberlahnstein sind aus- t geblieben; die Telegraphenverbindung ist eingestellt, aber nicht zerstört, überhaupt ist die Bahn frei. Oberlahnstein s ist ebenfalls von Preußen besetzt; man fürchtete höchstwahr- j scheinlich den Einmarsch von Bundestruppen über die Landstraße von Wiesbaden ™ Schwalbach und Sinnhofen, Nassau, Ems nach Lahnstein.
Wien, 27. Juni. Die heutige „Wiener Zeitung" ver- ! öffentlicht folgendes königliche Rescript, durch welches der j unaarische Landtag auf unbestimmte Zeit vertagt wird: [
Franz Joseph der Erste rc. den kirchlichen und weltlichen Würdenträgern, Ständen und Vertretern Unseres getreuen Königreiches Ungarn und der? damit verbundenen Theile, welche auf dem von Uns für den 10 December 1865 in Unsere königliche Freistadt Pest ein- ! berufenen Landtage versammelt sind, Gruß und Unsere Gnade, j
Stefce Getreue! Als Wir in den letzten Tagen des jüngst ' verflossenen Jahres die um Unseren Thron geschaarten treuen j Skünde und Vertreter Unseres geliebten Königreiches Ungarn I utr Mitwirkung an dem Werke der Gesetzgebung beriefen, * mären Wir von der Hoffnung durchdrungen, daß die Seg- j nunaen des Friedens, deren sie sich zu jener Zeit ungetrübt erfreuten, allen Völkern Unseres Reiches dauernd gewahrt?
bleiben werden. !
Diese Hoffnung ging zu Unserem tiefen Leidwesen nicht >
tn Erfüllung.
Den landtäglich versammelten Ständen und Vertretern j ist der Gang jener Ereignisse hinreichend bekannt, deren j fchließliche Entwickelung uns genöthigt hat, die unverletzte Aufrechterhaltung der durch völkerrechtliche Verträge gewährleisteten Integrität und Machtstellung des von Unseren Ahnen ?
der Selbstvertheidignng zu wahren, und dem unrechtmäßigen Angriffe mit gewafsneter Hand entgegenzutreten.
Die Bitterkeit der Kämpfe, welche in dem schweren Augenblicke der Entscheidung Unser väterliches Herz bewegten, wurde noch durch das Bewußtsein gesteigert, daß diese ßarte Prüfung Uns eben damals auferlegt würde, als Wir, der 'nichtigsten Aufgabe Unserer Regentenpflicht entsprechend, die verfassungsmäßige Regelung der inneren Zustände Unserer Monarchie, und im Zusammenhänge hiermit die dauernd gesicherte Selbstständigkeit der inneren Rechtsgestastung "Nd Verwaltung Unseres geliebten Königreiches Ungarn als de,r Ausgangspunkt einer Epoche bczeichneten, deren Schlußstein das ncubeUbie Vertrauen zwischen dem Herrscher und seinen Völkern und der hierdurch ermöglichte Ausgleich der wechselseitigen Interessen gebildet haben würde.
Es gereicht Uns zur innigen Freude, daß Wir Zeuge des begeisterten Widerhalles sein konnten, welchen die Lenvuk- lichuug dieses Unseres Entschlusses bei der treuen Brvölke- rung Unseres Köurgreiches Ungarn hervorgerufen, Zeuge des ernsten Willens, mrt welchem die landtäglich versammelten Stände und Vertreter, Unseren landessi'ustlichen Absichten entgegenkommend, zur Lösung des sie betreffenden Theiles ter gemeinsamen Aufgabe geschritten sind.
Mit gleicher Befriedigung haben Wir jene Thätigstit verfolgt, welche der Landtag ungeachtet der Wolken, die sich am Holizont des Reiches thürmten, auszuüben beflissen rvtt, ohne sich in der eingeschlagenen Richtung durch dre kriegesi- jchen Rüstungen beirren zu lassen, welche die Opferwillig^ des Landes neuerlich in Anspruch nehmen.
Allein Wir können Uns der schmerzlichen Ueberzeugut; nicht verschließen, daß die gedeihliche Lösung der Ausgabe welche uns Allen am Herzen liegt, zunächst von der vöUigin Ruhe der Gemüther, dieser erhabensten Segnung des Friedens, bedingt sei, während andererseits Unsere landesvät«- l-che Fürsorge vor allem der Vertheidigung des in stick Existenz bedrohten Reiches gewidmet fein muß. 1
Diese von Unserem Willen unabhängigen Zustände, welck Wir, so wert dies mit dem Gebote der Ehre verträglih war, möglichst zu vermeiden trachteten, nöthigen Uns nm, die einen ersprießlichen Erfolg verheißenden Verhandlung^ der landtägttch versammelten Stände und Vertreter st vertagen.
Wir geben Uns hiebei der Hoffnung hin, daß Er, d«r die Geschicke von Fürsten und Völkern lenkt, der gerecht«: Cache den Sieg, Unseren von ihm gesegneten Waffen beii endlichen Triumph verleihen, daß es uns derart möglich sek werde, die Verhandlungen des ungarischen Landtages bad ivieder aufzunehmen und mit Hinblick auf die angesichts dss gegenwärtigen Bedrängnisse auch bis nun lebhaft bethätigte- Bcweise treuer Anhänglichkeit unter Unserer persönlichen Lei- rung einem gedeihlichen Abschlüsse zuzuführen.
Indem Wir daher die landtäglich versammelten Stände und Vertreter und durch sie die treue Bevölkerung Unsere,' Königreiches Ungarn Unserer königlichen Huld und Gnad versichern, finden Wir zugleich den von Uns berufenen gegey wärtigen Landtag anmit feierlich für vertagt zu erklären. \
Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt Wien, an! 24. Juni 1866. !
Franz Joseph m. P .
Georg v. Majlath m. p.
Johann v. Barthos m. P .
* tytft, 28. Juni. Die Commission für die gemeinschaftlichen Angelegenheiten hat ihren Bericht veröffentlicht.
Die Commission betrachtet die auswärtigen Angelegenheiten und die Verwaltung des Krieges als gemeinschaftliche Angelegenheiten. Sie wünscht, daß die Finanzen in Betreff dieser beiden Zweige der Regierung von gemeinschaftlichen Ministern und von zwei Delegationen der respectiven Parlamente geleitet werden.
Ungarn würde sich mit einem Theile der Staatsschuld belasten und vermittelst abzusckliebendp'- inetnicyaslucyen Operationen des Credtts und
besorgen.
Frankreich.
* Marseille, 27. Juni. Briefe aus Constantinopel vom 20. dieses melden, daß Omer Pascha eine Verstärkung von 15,000 Mann Infanterie und 2 Regimentern Cavallerie für die Donäuarmee verlangt hat. Diese Verstärkungen sollten am folgenden Tage geschickt werden
Die Pforte hat einen ihrer Agenten beauftragt, für sie in Europa eine Anleihe von 800,000 L. Sterl. zu unterhandeln.
Man sprach von einer neuen Jnfurrection Joseph Ka rams, aber man versicherte, Daud Pascha unterhandele wegen eines Uebereinkommens unter der Bedingung, daß der Pa triarch der Maroniten sich für Karams Versprechen verbürge.
davongetragenen Sieges. In Valparaiso hatten sich die Geschäfte bedeutend gebessert; die Menge der wieder einlaufenden Schiffe war nicht geringer als in den glücklichsten Tagen näherer Zeiten. Die Regierung wünschte eine Anleihe von 6 Mlll. Dols aufzunehmen, es waren jedoch noch keine Arrangements zu dem Zwecke getroffen worden.
Aus Peru wenig Neues. Die unbedeutenden Beschädigungen, welche Callao während des Bombardement: erlitten, waren wieder ausgebesscrt und die Geschäfte gingen wieder icken gewöhnlichen Gang. Die Negierung hatte ein großes Bankett gegeben, wobei 1400 Gäste zugegen und die meisten Nationen Europas und Amerikas vertreten waren.
^ Aus Centralamerrka, desgleichen aus Jamaica nichts Neues von Bedeutung. Auf Jamaica war die Ernte nahezu beendigt und entsprach ganz den Erwartungen.
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des
Handel
* London, 28. Juni. Gestern hielten 16,000 Arbeiter auf Trafalgar Square ein Meeting zu Gunsten der Reform Bill. Sie begaben sich dann vor die Wohnung Gladstone's und dann vor den Reformclub, wo sie ein enthusiastisches Geschrei ausstießen.
Nach diesen Manifestationen zogen sie vor Carlton House, den conservativen Club, wo sie gegen Lord Derbr eine feindliche Demonstration machten.
X* 2 lnö Frankfurt am Main.
f Der stlige Heine unsterblichen Angedenkens pflegte zu sagen: wenn ich die schwarz-roih-goloene Fahne sehe, dann >It irgend eine Dummheit los. Seit 1848 ist dies Seherwort vielfach eingetroffen, denn fast überall war die deutsche Flagge dqbei, wo es galt fürs deutsche Vaterland zu schwören, zu sitgen oder nach der Scheibe zu schießen. Zuweilen erlaubt inan sich auch von ossicieller Seite mtt der Volks-Jlange zu cocetliren oder zu demonstrireu und man kann gewiß'fern, daß, wenn dies der Bundestag oder ein deutscher Fürst gethan, die Zeiten und das Volk ein bischen schwierig geworden waren. Der deutiche Bund hißte die deutschen Farben zum erstenmale im Jahre 184 S auf, bann glaub' ich rncht wieder, als bis das Schützenfest im vollsten Gange war, dann sahen rjtv die geliebten Farben auch während des Fürstentags noch einmal vom Palais in dii/Eschenhcimergasse herableuchten — und auch jetzt wieder ist das Banner aufgehißt, um der Welt zu sagen, der deutsche Bund besteht noch, auch wenn Preußen sich ausgeschieden hat und die kleinen Dynasten, die geographisch in feine Hände gegeben sind, ihm Nachfolgen. Allein noch eine andere Bedeutung hat heute die Flagge, man will, wie es scheint, damit andeuten, daß der Bund in der schweren Zeit nicht mehr die Centralpolizeibehöcde für Deutschland, sondern der Hort und B«Mer des einigen unheilbaren deutschen Vaterlandes sein will. Wie gesagt, der Bund braucht einmal wieder die Nation und statt eines klaren und deutlichen politischen Manifestes über seine angebliche Bekehrung, hat er bis jetzt nur für gut befunden, die deutschen Farben reden zu lassen. Der Bund ist vorsichtig und denkt nach Diplomaten-Art: man hat die deutsche Fahne (wie die Sprache) nur dazu, um seine Gedanken zu verbergen, Mßhalb ist man gar nicht sehr erbaut über diese Demonstration, zumalen sie statt des erhofften Manifestes und noch dazu ziemlich verspätet gekommen ist. Das dürfte so ziemlich der Standpunkt fein, auf welchem die Partei der freieren Richtung steht. Man ist weder Bismarckisch-preußisch, noch dynastisch-österreichisch, am wenigsten aber bundestäglich in der verhaßten Bedeutung dieses Wortes, sondern vor allen Dingen Deutsch und mit jedem Tage swird dieser deutsche Bolksgeist an Boden gewinnen und sein Gewicht in die Wagschale werfen, wenn die eine oder andere Partei, sei es Kegen innen oder außen, an ihn appelliren müßte. Dies ist die allgemeine Stimmung und wenn man sich ungenirter auch gegen die Politik von Blut und Eisen, als gegen den Bundestag ausspricht, so ist damit noch lange nicht gesagt, ^aß die öffentliche Meinung mit dem großdeutschen Rettungs- ?eere ohne Qual und Wahl auf dessen Ziele lossteuern wird. Man fängt sogar hie und da an, nicht mehr so scharf und vorsichtig das preußische Volk von der preußischen Regierung Zn unterscheiden und Gott weiß! was noch kommen mag wenn die gebieterische Nothwendigkeit des Krieges noch größere Rücksichtslosigkeit gegen das Privateigenthum fordert. Wir kommen dann zu Zuständen, an welche man in Friedenszeiten
uur als an Unmöglichkeiten zu denken wagte. Aber lassen uit uuuuijt 4JC1 ivtctiKc — uic soditer wafcgen igxe
Hände in Unschuld und wenn die Heere auf beiden Seiten matt und müde sich vom Kriegsschauplatz zurückziehen, dann wird die Zeit kommen, wo der deutsche Volksgeist in die Schranken tritt, nicht allein um zu vergeben und zu sühnen, sondern die Nation auszurichten auf dem festen Grund einer ieutschen freien Verfassung.
Das seit dem 14. d. M. Frankfurt aus einer friedlichen Central-Herberge für den europäischen Fremdenzug zu einem kriegerischen Lager geworden ist, das wird uns jeder glauben, der selbst ohne Phantasie die Zeitungen zu lesen gewohnt ist. Seit 14 Tagen haben wir jeden und alle Tage die Aufführung von Wallenstein's Lager in unseren Straßen über uns ergehen zu lassen und mit großem Interesse folgt die Masse ohne Ausnahme der Standesgliederung diesem kostspieligem aber unvermeidlichen Schauspiel. An den Uniformen und den Waffen, an der Ausrüstung an den »stidiotischen Kopfbedeckungen sehen wir recht deutlich, wie zersplittert unser Vaterland selbst in der wichtigsten Einrichtung, dem Heerwesen, noch immer ist. Trotz 1848 war es nicht einmal möglich sich über eine Bewaffnung zu verständigen; nur die gezogenen Gußstahl-Kanonen sind als allgemein deutsch aus dem italienischen Krieg hervorgegangen. Der deutsche Krieg wird leider noch andere Einheiten Herstellen, wenn auch vorerst nur ein gleichmäßiges Kaliber der Schußwaffen. Offen gestanden haben die Völkerschaften des Südens auf unser
Die officielle „London Gazette" veröffentlicht eine Pro- durch die österreichischen und preußischen Heerschaaren ver- clamation der Königin, welche erklärt, die englische Regie-wöhuten Augen keinen besonderen Emdruck gemacht; nament- -.ung werde in dem Kriege zwischen Oesterreich und Preußen lich hat man das etwas veraltete Aussehen der Würlemberger
Neutralität beobachten.
Earl Derby hat gestern mit den Führern ocnen Parteien eine Unterredung gehabt.
Er wird heute der Königin die neue Ministerliste legen.
Der Marquis Landsdowne und Lord Shaftesbury ni derselben einbegriffen.
Belgien.
ausfallend gefunden. Die Officiere der Würlemberger machren der verschie- freilich eine Ausnahme, die sindsequipirt und nach einem Geschmack, welcher ihrem König Karl vollständig zur Ehre gereicht, vor- Die Wültemderger bilden die Avantgarde und soll.nnach den neuesten Nachrichten stark auf Kassel losmarschiren. Natürlich sust entzieht sich dleStärke des Armeecorps, welches vondemPrin- zm Alexander commandirt wird, der Nachforschung und noch weniger weiß man über die ganze Stärke der Bundestruppen unterdemOberbefehldes bayer.Pr.nzenKarl etwas genaueres.
* Brüssel, 28. Juni. Der König und die Königin sin! Man dirigirt nicht alle Truppen über Frankfurt, weil man
bmte nach England abgcreist, um daselbst der Bermählun, nach drei Seiten die Operationen gegen die Preußen inKur- cer Prinzessin Helene beizuwohnen. Hessen und Hannover beginnen will. Rathen aber, wie die
* Brüffel, 27. Juni. In Verviers ist die Spinnerei.Truppen aufgestellt werden, ist für den gewissenhaften wie
von Serephe & Comp, abgebrannt. Der durch diese Feuers- gewissenlosen Laien in der Kriegskunst ein Kunststück, und drunst verursachte Schaden beträgt 200,000 Fr. zum Spioniren darf sich unserer Ansicht nach kein Mann von
' Reputation hergeben, selbst wenn er sich berufen fühlt, für
cOtuNkN. hie ^ne oder andere Partei einzutreten. Der Krieg rst ein
* Verona, 27. Juni. Die Italiener haben die Blokade Gottesurtheil! Indessen scheint es, daß das Gros der con- oon Peschiera aufgehoben; sie haben die ganze Minciolimc centrirten Truppen den Feind in Kassel stellen und engagiren verlassen. Die Adtheilungen, welche den unteren Po über wird und Ende dieser Woche werden wir von dorther da rü b er schrttten hatten, haben sich wieder über denselben zurückgezc- Nachrichten haben. Bei allem Interesse, das man preußischen
gen. Die verwundeten Italiener sind in den Lazarethen vor Verona und werdeit mit großer Sorgfalt behandelt.
Spanien.
* Bayonne, 28. Juni. Nachrichten aus Madrid vorn 26. Juni melden, daß gestern 21 Sergeanten standrechtlich erschossen worden sind.
_ Man versichert, mehrere andere würden heute dasselbi Schicksal erleiden.
Die aus Madrid ausgezogenen Insurgenten haben sich ergeben.
Die Druckereien der democratischen und progressistische» Journale sind versiegelt worden.
Portugal.
* Lissabon, 26. Juni. Das englische Paquetboot „Dourö hat Nachrichten aus Rio Janeiro vom 8. dieses Monats überbracht.
Blättern an dem Waffenglück der preußischen Armee als natürlich zugestehr, findet man die voreiligen Siegesnach- richten, wie z. B. die Schlacht bei Friedberg, sehr forcirt. Das ist einer jener Fälle, wo die öffentliche Meinung in Versuchung geräth, den Geist der Regierung auch in den Anschauungen der Parteien vertreten zu finden.
Daß die Siegesbotschaften in Italien der Begeisterung für die österreichischen Waffen neuen Schwung gegeben, bedarf kaum der ausdrücklichen Versicherung. Wie wird sich aber unsere öffentliche Meinung bei der ersten Nachricht von einer deutschen Schlacht aussprechen. Man schaudert davor. Hier und dort, nicht Welf und Waiblingen, sondern hier und dort deutsches Volk, Brüder einer großen Mutter! Verhülle, Germania, dein Haupt in den dichtesten Schleier der Scham und der Trauer! — Die einzige Hoffnung, an welche die Vernünftigen sich noch anklammern, ist der Trost, der
Kampf werde nicht lange dauern und man werde
sich über die ersten Leichen hinweg die Hand
In Paraguay haben di- B-rbündet-n einen neuen Sie,' die etflen 2«<6m hinMg die Hand -um
"koch»-"'.. Di- Paraguayaner haben °°°0 Mann an G°M-I
nichts ohne Deutschland sind. Gleichberechtigt nach Innen, stark, mächtig und einträchtig nach Außen, mit dem Volke vereint und ausgesöhnt!... In dieser Hoffnung lassen Sie
en und Verwundeten, 6 Kanonen und 4 Fahnen verloren In Rio Janeiro wüthete eine Handelscrisis.
Amerika. .... „. . . k . ...
leimten-iniwuui .... ■ * St. Thomas. 15. Juni. In Chile herrschte groß- mich diese Skizze aus nnftrerBundesstadk schließen, die 1 -tzt
ererhtkn Ländergebietes mit dem äußersten berechtigten Mittel' Freude wegen des von den Peruanern über die spanische Flotte letder auch eine sehr bunte Stadt geworden tst.
Die Schlacht von Custoz;«.
* Nach der „Jndcp. belge" ist die Schlacht von Custozza am 24. Juni unter folgenden Bedingungen gefochten worden:
Der Gardasee wird an seiner südlichen Spitze durch eine Hügelreihe geschlossen, die einen Halbkreis bilden, deren Umfang durch dre Ortschaften Lonato, Castcgliano, Solferino, Cavriana, Volta, Valeggio, Custozza, Somma Campagna und Pastrengo bezeichnet wird und von dem Peschiera den Mittelpunkt bildet. Der Mincio, der an seinen beiden Ufern die Flecken und Dörfer Salionze, Monzambano und Valeggio läßt, schneidet diese Hügelreihe in einem Drittel ihres Umfangs entzwei; das zwerte Drittel, das sich in einer Ebene durch Weinberge zieht, bildet die Seen, welche Mantua auf der Nordseite umgeben; das letzte Drittel nach Südosien wirft sich in der Nähe von Vallr - Giande - Vermese, einer großen sumpfigen mit Reisfeldern bedeckten Ebene, welche den Po von d-m untern Etsch trennt, in den Po.
Eine grobe Straße geht von Lonato in gerader Linie nach Verona, indem sie durck Peschiera führt und sich um den Gardasee herum zieht. Eine andre Chaussee zieht sich durch die Ebene und indem tn Goito aus der Mitte des Wegs von Volta und des Mantuaiees einen spitzen Winkel bildet, führt sie über Castigüone, Guidizzolo, Gorto, Rover- / Hella, Mozzecane und Villafranca bis nach Mantua. /
Während das Gros der italienischen Armee in Goito unter den Befehlen des Königs den Diincio passute, überschritt das von dem General Durando befehligte Armeecorps dielen Fluß bei Salionze und Valeggio nördlicher und sein äußerster Unker Flügel umging Peschiera.
Wir wissen nicht, zu welchem Zweck die Befehlshaber der italienischen Armee sich so ins Fesiungsviereck hineinbcgaben. Die österreichtschen Angaben behaupten, der König Victor Emanuel habe gehofft, das ganze Gebiet zwischen Verona und Mantua mit forcirten Märschen zu durchschreiten, um in Albaredo die Etsch zu erreichen, diesen Fluß zu überschreiten, und dem von Ferrara kommenden Cialdini entgegen zu ziehen. Selbst mit 100,000 Mann wäre das eine Operation von der größten Verwegenheit gewesen. Um zu gelingen, hätten die Bewegungen der feindlichen Armee den Oesterreichern in Verona ganz unbekannt bleiben oder der General l Durando hätte stark genug sein müssen, um die Oesterreicher ^ gurückzuhalten, zwei gleich unwahrscheinliche Vermuthungen, / welche nicht erlauben, den Italienern diesen Feldzugsplan zuzutrauen.
Wie dem auch sein mag, das Corps des Generals Durando stieß, nachdem es in Monzambano und Valeggio über den Mincio gesetzt war, in der Umgebung von Custozza auf das österreichische Heer, welches die Anhöhen von San Giu- stino, Sona und Somma Campagna besetzt hält und welches durch eine einfache Frontveränderung das Corps auf einen sehr kleinen Raum einschließen konnte.
Auch war das Corps, trotz der Wunder von Tapferkeit, nicht im Stande, den überlegenen Streitkräften, die sich ihm '.ntgegenstcllen, zu widerstehen, während das zweite und das dritte Corps ihm nur mit Schwierigkeit zu Hülfe kommen konnten, wofern sie nicht eine Bewegung machen wollten, die sie unter die Mauern von Verona geführt haben würde. Abends um 5 Uhr waren die Anhöhen von Custozza in der Gewalt des Erzherzogs Albrecht und die Italiener theils nach Valeggio, theils nach Vrllafranca und Mozzecane in die Ebene zurückgeworfen.
Nach dem Wiener Journal hofften die Sieger nach der Schlacht am 24. den Feind in dem von Canälen durchschnittenen Gebiete, das zwischen dem Mincio und dem Po die Seitenflüsie dieser beiden Ströme durchschneiden, zu vernichten, aber diese Hoffnung ist getäuscht worden. Die italienische Armee konnte in guter Ordnung über den Mincio setzen, mußte aber die Blvkade von Peschiera aufgeben und sich nach Piacenza und Cremona zurückziehen. Der Aus- i aan« des Kawvtes yoqt «w >,;» affine in IO Ulli VJi/lC um/ vy.r. 1* IJ ‘««WTTH. 1 L11 in 1. Ul > 7 —.^
daraus hervorgegangen.
tsalen?
0 Elberfeld, 29. Juni. Während in Frankfurt a. M. und an anderen Orten Süddeutschlands preußische Un- terthanen rücksichtslos ausgewiesen werden, und selbst die Gemahlin des preußischen Generals von Beyer einem gleichen Schicksal in Frankfurt a. M. ausgesetzt war, treffen hier beinahe täglich von Ortsbehörden aus süddeutschen Staaten amtliche'Requisitionen ein, in denen ersucht wird, etwa sich hier aufhaltenden Militärpflichtigen Ordre zu be- händigen, wonach dieselben sich in ihrer Heimath zum Militärdienst zu gestellen haben.
Düsseldorf, 29. Juni. In Folge ergangener Ordre werden die Ersatzbataillone der Jnfanterieregimenter auf 6 Compagnien erhöht. Vier dieser Compagnien werden zu einem dritten Bataillon sormirt und dem betreffenden Re- aimenr ins Feld folgen, während zwei Compagnien als Stamm zurückbleiben. Die Ersatzbataillone sind also nun auch um das Doppelte erhöht worden, denn nach dem bis 1860 gültigen Mobilmachungsplan wurde immer nur ein Ersatzbataillon von 6 Compagnien für eine Jnfanteriebri- qade, bestehend aus zwei mobilen Regimentern, sormirt, während jetzt ein solches schon für jedes Infanterieregiment vorhanden ist.
— Dreißig junge Männer von hier, die als unabkömmlich vom Militärdienste zurückgestellt waren, haben in Abwesenheit des Militärs hier den Wachtdienst, namentlich im Arresthause, übernommen.
** Kempen, 28. Juni. Die hiesigen Damen haben auch zur Beschaffung der für die Verpflegung der verwundeten Krieger nöthigen Gegenstände einen Verein gebildet, dessen Statuten im Wesentlichen mit denen des Elberfelder Vereins überemstimmen. Vor der Hand soll aber von hier nichts verschickt werden, da es nur zu wahrscheinlich ist, daß in der nächsten Zeit in unserer Stadt das eine oder andere Gebäude zu einem Militär-Lazareth eingerichtet wird.
Wesel, 28. Juni. Die „Eff. Z." schreibt: In Begleitung eines Husnren Unterofficiers, eines Wachtmeisters und eines Officiers wurde beute ein höherer hannoveischer Beamter, angeblich ein Landdrost, als Gefangener eingebracht und an hiesiger Commandantur abgeliefert. Was derselbe sich hat zu Schulden kommen lassen gegen die Preußen, hat man nicht recht in Erfahrung bringen kölinen. Ec wird wohl vorläufig in den für Staatsgefangene bestimmten Gemächern auf der Citadelle untergebracht werden.
Köln, 28. Juni. Die Stadtverordneten-Versamm- lung hat in der heutigen Sitzung die von ihr verlangte zweite Landlieferung auf Grund des §. 2 des Gesetzes vom 15. Mai 1851 abgelehnt, der Oberbürgermeister Bachem diesen Beschluß aber nach Anleitung des §. 53 der Städte- Ordnung beanstandet und für dre a. a. O. vorgcschriebene rrochmalige Erörterung des Gegenstandes eine außerordentliche Sitzung auf Samstag den 30. d. M. anberaumt. Die Debatten waren sehr lebhaft, und wurde der wichtige Beschluß mit 12 gegen 11 Stimmen gefaßt. Vorher hatte die Versammlung sich mit emem Vorschlag der königl. Forlifica- tion einverstanden erklärt, dahin gehend, daß die Leistungen, die die Stadt für die durch Cabinets-Ordre vom 23. d. M. angeordnete theilweise Armirung der hiesigen Festung zu machen hat, auf dem Wege der Entreprise durch die Fcstungs- behörde besorgt und demnächst die bezüglichen Liquidationen von der Stadt bezahlt werden. Jene Leistungen bestehen überschlägig in 220 Tagewerken gelernter Handwerker, 2000 Tagewerken gewöhnlicher Arbeiter und 300Fuhren. Die Arbeiten müssen in drei Wochen ausgeführt sein.
Aachen, 28. Juni. Eine Notiz über die Einberufung der Landwehr 2. Aufgebots können wir vahin ergänzen, daß zunächst die fünf jüngsten Jahrgänge einberufen sind, im Ganzen etwa 1000 Mann. Da jedoch nur zwischen 5 und 700 Mann augenblicklich zur Einstellung gelangen, so hat der älteste dieser fünf Jahrgänge gegründete Aussich, wieder ent-, lassen zu werden. Die Einberufungs-Ordres sind auf Samstag früh ausgestellt. — Das seit 14 Tagen hier und in der Umgegend stationirte Bataillon des 37. Landwehr-Regiments ist wiederum ausgerückt und hat nur eine kleine Besatzung zur Wahrnehmung des Wachtdienstes hier zurückgelassen. (A.Z.)
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