Verständen. Indem er das Letztere that, sündigte er gegen die natürliche Herzensgute seines Charakters und gegen die Gefühle, welche er ursprünglich diesem sanften und gast­freundlichen Menschenstamme widmete; allein'er ward von der gewinnsüchtigen Ungeduld der Krone und von dem Spott seiner Feinde über das unersprießliche Resultat seiner Unternehmungen dazu genöthigt. Wir lassen seinem Characler nur Gerechtigkeit widerfahren, wenn wir be­merken, daß die Sclaverei der Indianer, welche auf solche Weise im Krieg gefangen genommen wurden, an­fänglich von der Krone vollkommene Billigung erhielt und daß, als die Frage des Rechts auf dringendes Ver­langen der Königin erörtert wurde, mehrere der ausge- teichnetsten Juristen und Theologen diesen Gebrauch in Schutz nahmen, so daß die Frage am Ende nur durch die Menschlichkeit Jsabellens zu Gunsten der Indianer entschieden wurde. Wie der ehrwürdige Bischof Las Casas anmerkt, ist es nicht zu verwundern, daß, wo die gelehrtesten Männer uneins waren, ein ungelehrter Seemann sich wohl irren konnte.

Diese Bemerkungen sind uns zur Entschuldigung für daS Betragen des Columbus von der Unparteilich­keit abgenöthigt. Wir müssen ihn durchaus in Verbin­dung mit dem Zeitalter, worin er lebte, schildern, damit die Jrrthümer dieser Zeit nicht als seine eignen Fehler erscheinen. Es liegt jedoch nicht in der Absicht des Verfassers, den Eolumbus in einem Puncte rechtfertigen zu wollen, wo irren nicht zu entschuldigen ist. Möge es immer einen Flecken auf seinen erhabenen Namen werfen, damit Andere sich eine Lehre daraus nehmen!

(Schluß folgt.)

Geschichte der Gasbeleuchtung.

(Schluß)

Vortheile der Gasbeleuchtung.

Nachdem wir die Eigenschaften des Oelgases ken­nen gelernt haben, geht aus eben diesen folgende Be­trachtung hervor. In Ansehung der Helligkeit übertrifft diese Beleuchtung bei weitem die durch Oellampen, Talg, und Wachslichter. Das Licht ist stets sich gleich, man bemerkt das den Augen so schädliche Flackern gar nicht; man hat keine Leuchter, Lampen und Lichtputzen nöthig; man ist des beschwerlichen Reinigens überhoben; man braucht keine Dochte, hat das Putzen nicht nöthig; es gibt nichts zu verschütten; man wird nicht betröpfelt; die größte Reinlichkeit herrscht bei dieser Beleuchtung. In Hinsicht der Schönheit nimmt es alle erdenkliche Formen an; es brennt vertikal, über und unter sich; horizontal, in schiefer Richtung, cylinderförmig und breit. Man kann verschiedene Blumen damit vorstel­len, wie Tulpen, Sonnenblumen, Lilien, welches einen herrlichen Effect macht. Bei dem Gaslicht sind weit weni­ger Unglücksfälle möglich als bei gewöhnlichen Lichtern; denn es kann nicht wie diese umgeworfen werden, es sprühet keine Funken, es fallen keine brennende Putzen ab; kurz, wenn man keine brennbare Körper in die Flamme bringt, und die Röhren gut construirt sind, so

ist es fast unmöglich, daß irgend etwas Feuer fange und eine Feuersbrunst entstehen könne; was dagegen so oft mit andern Lichtern geschehen ist. Im äußersten Fall bedarf es nur das Umdrehey eines einzigen Krah- nens, um Tausende von Lichtern auszulöschen wie ein einziges Licht. Eben so geschwind läßt es sich anzün­den. Wie viel Zeit bedarf man dagegen ein Talglicht anzuzünden!

Was die Kosten der Beleuchtung mit Oelgas an­geht, so ermangeln wir noch genauer vergleichender An­schläge, die erst später geliefert werden können. Es ist aber höchst wahrscheinlich, daß sie die Beleuchtung mit Lichtern nicht übersteigen werden. Accum hat in seinem Werke Kostenberechnungen für England gegeben, wo mau mit Steinkohlengas beleuchtet, und diese stellen sich vvr- theilhaft. Tabor hat die Uebersicht der Kosten und der Ersparnisse der Gasbeleuchtung des Hrn. Claus in Ober­rad gegeben, woraus ersichtlich ist, daß derselbe gegen Beleuchtung mit Oel und Lichter jährlich gewinnt. Vorgebliche Nacht heile der Gasbeleuchtung.

Unter diesen wird zuerst angeführt: der vermin­derte Bedarf von Oel und Talg, und die daher rüh­rende Störung im Handel, im Ackerbau und Vieh­zucht. So wahr auch diese Bemerkung ist, und dies» neue Beleuchtungsart hiedurch in den allgemeinen Staats, Haushalt eingreifen muß, so ist dieses die Schattenseite einer jeden Verbesserung, die eben dadurch neue Indu­strie erzwingt. Man hat ferner Anfangs in England, und gegenwärtig hin und wieder in Deutschland gesagr, daß das Gaslicht höchst ungesund sei, und wiederholt dieses noch, nachdem bereits eine 20 und mehrjährige Erfahrung diese Angelegenheit hinreichend aufgeklärt hat. Es ist wahr, bei dem Verbrennen des Gases wird eine Menge Sauerstoffgas verzehrt, kohlensaures Gas und Wasser gebildet, und dieses taugt nichts zum Einathmen, ist daher der Gesundheit schädlich. Aber diese Gasart wird weit mehr beim Verbrennen fester mehr kohlenstoffhaltiger Körper gebildet, als bei der Beleuchtung durch Oel, Talg oder Wachs, und wenn das Verbrennen dieser Körper nicht vollständig ist, entweicht immer noch Dunst und Rauch, der das Athmen beschwert. Beim Gaslicht giebt es keinen Rauch*, wenn nur der Luftzug nicht gehindert ist.. Die Lichter verunreinigen die Luft daher weit mehr als Gas. Wenn in Zimmern und Sälen sich viele Menschen befinden, so wird durch das Athmen die Luft weit mehr verdorben als durch das Gaslicht, und diese Luftverderbniß istschuld, daß in Concerten und auf Bällen so oft Ohnmächtige in die freie Luft gebracht werden müs­sen. Eine gewöhnliche Gasflamme verzehrt in einer Stunde ungefähr */, Cubikfuß Gas, und dieser verbraucht, um zu verbrennen, in eben der Zeit 5 Cubikfuß atmosphä­rischer Lust; 100 Flammen verbrauchen demnach 500 Cubikfuß atmosphärischer Luft in einer Stunde. Ein erwachsener Mensch athmet im gesunden ruhigen Zustand ohngefähr 15 bis 18mal ein in einer Minute, und zieht jedesmal ohngefähr 40 Eubikzoll Luft ein, folglich in einer Minute 720 Cubikzoll, also in einer Stunde