welche Trertschke in den Text mischte, wirkt, statt auf­fallend, bei dieser Gelegenheit angenehm und die gute Stimmung befördernd. Die Darstellung erlangte und verdiente den Beifall des zahlreich versammelten Publi­kums in einem so hohen Grade, daß sich ein wahrer Kunstenthusiasmus unter allen Zuhörern verbreitete. Hr. Dobler (Pizarro) überholte sich zwar, wie es schien durch Schuld des Souffleurs, in der ersten Arie, doch wurden Spiel und Gesang im Verlauf um so vor­züglicher, und die Leistung gestaltete sich als eine ausge­zeichnete: ebenso war es mit Dem. Hauß (Levnore), die gerufen wurde, und mit Hrn. Nieser (Florestan). Die lieblichen Parthieen des Rokko und der Marzellins waren durch Hrn. Hauser und Dem. Backofen aus­gezeichnet gegeben, so wie auch die kleineren Nöllen von Niemanden vergriffen wurden. R.

Miscellen.

In Warschau erfolgte am Z. Nov. dir feierliche Grundsteinlegung zum Kopernikusdenkmal. Nachstehende Urkunde wurde in das Fundament mit eingeschlossen: Unter der Regierung Nikolaus I., Kaisers aller Reu­ßen, Königs von Polen, ist dieses Denkmal von Erz dem Nikolaus Koperuikus, welcher zuerst den Lauf der Himmelskörper genau bezeichnet, und dadurch sich sowohl, als seinem polnischen Vaterlande unsterblichen Ruhm er­worben hat, von seinen dankbaren Landsleuten, den Polen, unter der leitenden Mitwirkung der Warschauer Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften und ihres Präsidenten Julian Ursin Niemcewicz errichtet worden. Der Urheber und thätigste Beförderer dieses Werkes war der vorige Präsident jener Gesellschaft Stanislaus Staszic. Das Standbild ist modellirt von Albert Thorwaldsen zu Rom, und gegossen in Warschau von Johann Gregoire. Das Fundament ward gelegt am 3. Nov. 1828." Au­ßerdem kamen noch folgende Gegenstände in den Grund­stein: ein namentliches Verzeichniß sämmtlicher Mitglie­der der Warschauer Gesellschaft der Freunde der Wissen­schaften vom Jahre 1828, ein Exemplar der Sniadecki- schen Abhandlung über Kopernikus in polnischer, franzö­sischer und englischer Sprache, Silbermünzen mit den Brustbildern der Könige von Polen, unter welchen Ko­pernikus lebte und verschiedene andere. Hierauf wurde die Büchse wohl verschlossen ln ein steinernes Behältniß gestellt, und dieses an dem zu seiner dauernden Aufbe­wahrung bestimmten Platze niedergelegt. Als der Prä­sident der Gesellschaft im Begriff war, den ersten Mauer­stein mit der zu diesem Behuf gefertigten silbernen Kelle zuzurichten, sprach er die Worte:Möge dieses Denk­mal allen Stürmen der künftigen Jahrhunderte und selbst den physischen Erschütterungen der Welt trotzen!" Alle anwesenden Mitglieder und viele andere Personen halfen mit sichtbarer Theilnahme das Mauerwerk vollenden,

welches die Stiftungszeichen des dem großen Astronomen gewidmeten Denkmals in sich schließt. *)

Wunder. Die Pariser Gazette hat in ihrer Nummer vom 13. Nov. eine ganze aus sieben Zeilen bestehende Strophe aus der Epistel, welche Se. Maj. der König von Bayern an Goethe gerichtet hat, (S. un­ser Blatt Nr. 316.) in deutscher Sprache ausgenommen, ohne ein einziges Wort darin zu entstellen.

Der Schiller der Romanenliteratur. Bei den Gebrüdern Frankh in Stuttgart hat wie sie im Schwäbischen Merkur anzeigen einschöngei­stiges Werk" die Presse verlassen, welches den Titel führt:Der Jesuit, Sitten- und Charactergemälde aus den ersten Jahren des 18ten Jahrhunderts. Von C. Spindler." (3 Vde. 9 fl.) Die Verlegeraupreisung der Novität wird das Urtheil eines ,,geistreichen" Rezensen­ten in den (geistlosen) Blättern für literarische Unter­haltung angeführt, wornach uns Deutschen Spindler in der Romaneuliteratur werden soll (wer befiehlts? und läßt sichs commandiren?), was Schiller in der dramatischen ist.

Neues Urtheil über eine alte Statue. Anselm Feuerbach, nicht der Criminalist, sondern der Professor an der Studienanftalt zu Speier, hat unlängst ein Fragment ans einem Werke über den Apoll von Belvedere als Programm drucken lassen. Nachdem er darin von dem Lobe gesprochen, welches Winkelmann dem vatikanischen Apoll mit hinreißender Beredsamkeit gespendet, in welches dann Künstler und Gelehrte, Ken­ner und Freunde der Kunst wetteifernd gestimmt, nach­dem vorübergehend der alten Werke gedacht, welche in neuerer Zeit an's Licht gefördert, durch welche der ge­feierte Ruhm jener Lieblingsstatue in etwas gefährdet worden, kommt er zur Kritik selber, der bei der Er. kenntniß des wahrhaft Schönen und Vortrefflichen doch noch bedeutende Räthsel und Zweifel stehen bleiben. Zweifelhaft ist das Material, aus dem sie gefördert, die Zeit, die Schule, der sie angehört; zweifelhaft ist es, ob sie für Original oder für Copie, für ein griechi­sches oder römisches Werk zu achten sei. Mag der Kunstfreund diese Gestalt übermenschlich schön und er­haben finden, die Anlage des Ganzen geistvoll, die Kontouren rein und fließend, der Kenner der Natur vermißt die strenge Richtigkeit der Anatomie, der Zeich­ner Correctheit der Zeichnung, der Archäologe das un­verfälschte Ideal der Griechen; der Bildner wünschte den Marmor anders behandelt, der Kenner weniger Manier, und den gangbarsten Hypothesen über die hi-

*) Kopernikus, der in oben erwähnter Urkunde als Pole erscheint, war es nur in so ferne, als fein Vater aus Kra. kau stammte und er selbst auf der dasigen Universität seine Studien machte. Geboren wurde Kopernikus am ly. Febr. 1473 zu Thorn (wo 282 Jahre später Soem m er­ring das Licht der Welt sah) und er war mithin ein Preuße und als solcher ein Landsmann der unsterblichen Männer Kant, Herder, Hippel und Hamann.