von einem Schuh Kohlen sei 10 Fuß lang gewesen. Er habe auS Steinkohlen Theer gemacht, und gezeigt, daß enttheerte Kohlen zum Gebrauch besser sind als vorher. Au» dieser Erzählung geht hervor, daß er Steinkohlen in verschlossenen Gefäßen verkohlte und dabei Theer und eine 10 Fuß lange Flamme erhielt, was nur Gas gewe­sen sein kann, da die Kohlen keine solche Flamme geben. Die Versuche von Becher wurden in England öffentlich genug bekannt gemacht, daß sie zu Jedermanns Kennl- niß gelangten; aber er war ein Ausländer, und das war damals genug seiner nicht zu achten, wohl aber seiner Erfindung, die man in der Folge mit Verschweigung seines Namens wieder an das Licht brachte. So be­reitete d.r Engländer Haies ohngefähr 35 Jahre später Steinkohlengäs. Aecum in seinem Werke über das brenn­bare Gaö verschweigt den Namen Becher, und beginnt rnil dem Jahre 1739; wo in dem Listen Bande der Philosophical Transactions eine Abhandlung des Dr. James Clapton über Steinkohlengäs erschien. Clayton hatte Steinkohlen von Newcastle destillirt und eine was- serigte, eine öhligte Flüssigkeit, und brennbare Luft er­halten; die er in Blasen auffing, und nach Belieben entzünden konnte. So blieb, so viel bekannt ist, in- Eng­land die Sache wieder.ruhig, bis im Jahr 1767 der Bischoff von Landaff Steinkohlen destillirte und eben die Products wie feine Vorgänger erhielt, ohne dieser aber zu erwähnen; er bemerkte aber dabei, was wirklich schon sür einen Fortschritt zu halten ist, baß das Gas seine Brennbarkeit beibehalte, wenn man es durch Wasser gehen, und in 2 hohen gekrümmten Röhren aufsteigen lasse. Die Entdeckung des Wasserstoffgases durch Eavrn- dish 1781 verbreitete endlich Licht kn dke Gasbereltung; man lernte es genauer kennen, es reinigen,, und die Er­findung der elektrischen Lampe war schon eine Gasbe­leuchtung im Kleinen. Da aber das bläuliche Licht des brennenden reinen Wasserstoffgaseö wenig Helligkeit ver­breitet, hat diese Maschine nur die Idee der Gasberei­tung im Großen gegeben. Man hat hier den Gasbehäl­ter, die Methode das Gas durch Wasser auszutreiben, es zu sperren, den Behälter zu füllen, die Brennmüu- dungen, alles Dinge, die man bei den Gasbeleuchtungs­apparaten wiederfindet. Im Jahr 1792 machte Mur- doch in Eornwallis eine Reihe Versuche über die Menge und Beschaffenheit des in den brennbare« Stoffen ent­haltenen Gases. Er fand, daß das Gas, was er durch Destillation des Holzes, der Steinkohle«, M Torfes und anderer brennbarer Körper erhielt, mit einer hellen le­bendigen Flamme brenne. Er kam auf den Gedanken, daß dieses Gas durch Reinigung und Fortleitung in Röh­ren wohl als ein Surrogat der Lichter und Lampen an­wendbar sei. Er destillirte Steinkohlen in eisernen Re­torten, brachte eine Röhrenleitung von 70 Fuß an, machte Drennmündungen von verschiedener Weite, und war hie­durch der erste, der Gasbeleuchtung anwandte. Man machte sogar schon tragbare Lampen von Blasen, Leder, gefirnißter Seide, selbst von Blech. Murdoch wurde durch andere Geschäfte verhindert, die Sache fortzusetzen, bis zum Jahr 1797,. wo «r seinen ersten Versuch vor

einer Menge Zuschauer wiederholte, und sich dadurch in Stand setzte, gleich im folgenden Jahr bei den berühm­ten Dampfmaschinen - Baumeistern , Watt und Bolton, einen Versuch im Großen auszuführen; es wurden meh­rere Nächte hindurch ganze Gebäude erleuchtet; verschie­dene Methoden wurden versucht, das Gas rauch- und geruchlos zu machen. Murdoch war der erste, der dem Publikum ein ganzes Gebäude mit Gas beleuchtet zeigte.

Um eben diese Zeit war auch der berühmte Pro­fessor der Hüttenkunde in Freiberg Lampadius bemüht, das brennbare Gas aus Holz, und späterhin auch aus Stein­kohlen, zum Rösten der Erze mit sehr gutem Erfolg zu benutzet, uud so war er der Erste, der in Deutschland ans die Hitze erzeugende Eigenschaft dieses Gases auf­merksam machte. Einer seiner Hauptzwecke war, die­jenigen Stoffe, welche bei der gewöhnlichen Derkohlungs- art in Meilern größtentheils verloren gehen, zu benutzen; was sehr gut gelang, und auch in der Folge wie in Mähren in der Fürstlich-Solmischen Herrschaft Raiz im Großen uachgemacht wurde. Im Jahr 1799 versuchte der .französische Brücken- und Straßcnbauingcnieur Lebou das brennbare Gas aus Holz zur Beleuchtung anzuweu- den; und schon 1801 war er im Stande fein Haus und feinen Garten in Paris auf eine so geschmackvolle 'Art zu erleuchten, daß es allgemeine Bewunderung erregte. Er nannte seine Einrichtung eine Thermolampe, weil er dadurch nicht nur Beleuchtung, sondern auch Heizung der Zimmer beabsichtigte. In Deutschland zeigte schon im Jahr 1802 Winzler von Zuaim in Mähren eine Gas­beleuchtung aus Holz in Wien vor, gab auch' eine eigene Schrift über diesen Gegenstand heraus. Der Mecha, nikus Hirronrmus in Frankfurt am. Main zeigte einige Jahre später eine solche Einrichtung vor, wo er die Be­dürfnisse an Feuer des Küchenherds, des Ofens und der Erleuchtung zu verbinden suchte. Werner aus Leipzig beleuchtete etwas spater eine ganze Manufactur in Zül- lichau mit Holzgas.

Die Beleuchtung mit Holzgas kam aber bald in Mißkredit, erstlich, weil die Gewinnung desselben mit Schwierigkeiten und großen Kosten verknüpft war, zwei­tens, weil es nicht mit der erfoderlichen Helligkeit brannte und einen lästigen Geruch verbreitete.. Man fand, daß es nur bei großen Holzverkohlungsanstalten mit Vorthcil zu gewinnen, und zum Heizen der Verkohlungsöfen am nützlichsten zu gebrauchen sei. Lebon hatte aber durch, seine schöne Einrichtung in Paris die Aufmerksamkeit auf die gut eingerichtete Gasbeleuchtung geweckt, und besonders in England machte dieser neue Zweig der In­dustrie seit seiner Zeit Riesenschritte. 1803 und 1804. hielt der Engländer Winsor Vorlesungen in London über Gasbeleuchtung, und zeigte kleine Versuche vor, die er ober mit großem Geheimniß umhüllte. Murdoch, der Erfinder der Gasbeleuchtung mit Steinkohlengas, errich­tete eine solche im Jahr 1808 in der- Banmwollenspin- nerei von Philipp und Lee in Manchester, wo er 271 Argarid'sche und 653 dreiflammige Lampen aulegte, die 2500 Talglichter, 6 auf's Pfund, ersetzten,. Er legte die Uebersicht dieses Werkes der königl. Gesellschaft derWissen-