llnterbaltmgsblatt für Freunde des Schönen und Nützlichen

N'.° 228

Samstag, 15. November

1828

Geschichte der Gasbeleuchtung

(Fortsetzung.)

Aus einem Felsen der Apenuinen bei Pietra mala unweit Bologna, brechen immerwährend Flämmchen aus der Erde hervor. Der Platz, über welchen sie sich erhe­ben, hat etwa 6 Fuß im Durchmesser. Sie sind zart, klar und weißgelb, und haben einen schwachen Geruch. Dieß deutet auf die Gegenwart eines Bergöls hin, durch dessen Verbrennung ein feiner Ruß an die umher­liegenden Steine sich absetzt. Jene Flämmchen steigen eine Elle hoch über die Erde, haben nicht die geringste Spur von Schwefelsäure, vermehren sich nach einem Regen, und werden in trockenen Sommern schwächer.

Am Abhange des Bergeü fließt noch eine andere Berg» ölquelle, deren Flamme aber nur schwach, und bei Tage kaum sichtbar ist. Die Große der Flammen beweist, daß dieselben nicht von dem Bergöle allein herrühren können, da die Bergnaphtha nie in so großen Flammen brennt; sondern, daß es die Verbrennung des ausströmenden Ga­ses ist, was an den angeführten Orten mit Gewalt aus der Erde dringt. Ferner findet man Nachrichten ausge­zeichnet, wo durch Zufall Quellen und Bache angezündet wurden; die aus dem Boden aufsieigende Snmpflnft brannte, und das Wasser blieb kalt während dem Bren­nen. Der Apotheker Georg Veste in Hermannstadt be­richtete den 2. Juli 1673 in einem Schreiben an Henri Dollgnad, daß 4 Stunden von der Stadt an dem Fuße eines mit Reben bepflanzten Berges eine Quelle her­vorbreche, deren Wasser entzündlich sei. Dieses Wasser springt gleich einem Springbrunnen 8 ßoG hoch ans der Erde. Bringt man auf eine geringe Entfernung ein brennendes Licht in die Nähe, so entzündet sich die Quelle und lodert in einer Flamme von 3 Fuß Höhe wie bren­nender Weingeist gen Himmel und entzündet alle ver­brennlichen Körper in ihrem Bereiche; brennt sehr lange, und nur durch Erde, die man in die Quelle wirft, kann man sie löschen. Obgleich die Flamme auf der Oberfläche spielt, so bleibt das Wasser der Quelle kalt; die Flamme aber hat gar keinen eruch. Das auegeschöpfte Wasser dieser Quelle ist nicht mehr entzündlich. Die Einwohner der Gegend versicherten damals, daß diese

Quelle vor 20 Jahren entstanden sei, und erst 1672 entdeckte man durch Zufall ihre Entzündlichkeit. Die Landleute zündeten um diese Zeit das Schilf in der Nähe an,.wobei die Quelle Feuer fing, sich zum ersten­mal entzündete, und Tag und Nacht mehrere Wochen lang fort brannte. In dem Journal des Savants von 1684 ist erzählt: In der Nahe von Krakau auf einem Berge, wo der Boden leimigt und mit grauen Kieselstei­nen vermischt ist, gewöhnlich mit grünem Rasen und wohlriechenden Blumen prangt, befindet sich eine starke Quelle klaren, angenehm duftenden Wassers, was mit starkem Gemurmel hervorbricht, und durch viele aufsio- ßende Luftblasen, das Ansehen eines kocheudeu wallenden Wassers hat, welches Geräusch ziemlich weit gehört wird. Bringt man Feuer in die Nähe der aufsteigenden Luft­blasen, so entzündet sich dno Wasser, und brennt mir leicht schwebender bläulicher Flamme, welche trockenes Holz was man hinhält verzehrt. Man löscht die Flamme, indem man das Wasser mit grünen Reisern peitscht.

Ein entzündlicher Bach.

Der Parlamentsrath Raoul von Bordeaux schrieb in dem Monat Juli 1740, daß bei der Abtei von Tremolac, 5 Meilen von Bergerac, ein entzünd­licher und gegenwärtig brennender Dacy sei. Die Eigen­schaft dieses Baches, sich zu entzünden, schreibt er, wurde vor 4 Jahren durch einen Mann, der bei Nacht daselbst Krebse stehlen wollte, entdeckt. Dieser, um die Löcher besser zu finden, in welchen sich die Krebse verborgen hielten, nahm einen brennenden Strohwisch mit, den ec über das Wasser hielt. So lauge derselbe auf Kiesbo­den an dem Ufer ging, entzündete fich das Wasser nicht, aber als er mehr in der Tiefe auf sumpfigen Boden kam, war er nicht wenig erstaunt, zu sehen, daß das Wasser Feuer fing, sich plötzlich entzündete und ihm seine Kleider ansteckte. Die Flamme spielte ins Blaue. Der Abt von Tremolac wiederholte 2 bis 3 mal den Ver­such, und die blaue Flamme erschien jedesmal. Mehrere Naturforscher wurden hingeschickt, dieses Phänomen zu untersuchen; diese fanden, daß durch die Bewegung des Sumpfbodens fich eine Menge kleiner Luftblasen los- machten, die auf der Oberfläche des Wassers zerplatzten, sich anzünden ließen, woher die Flamme entstehe.. Auch