dieser Stelle die Einrichtung der Dampfmaschinen und ihre Anwendung in den Dampfschiffen abgehandelt-) In diesen Vorträgen werden wir zuerst von dem Worte Gaö und feiner Anwendung handeln; von den Eigenschaften der Gasarten überhaupt, so wie ihrer chemischen Ver­schiedenheit reden; dann daö einfache Wasserstoffgas (die brennbare Luft) betrachten; feiner Verbindung mit Kohlenstoff in dem Steinkohlen- und dem hier ange­wandten Oelgas erwähnen; ferner sein Vorkommen in der Natur, seine Gewinnung durch die Kunst und seine Eigenschaften anführen. Aus welchen Betrachtun­gen sein Verhalten beim Einathmen, bei der Detonation mit Sauerstoffgas oder atmosphärischer Luft, und seine Anwendung bei der Beleuchtung hervorgeht. Der Zweck dieser Vorträge ist, durch Kenntniß der Natur dieses Gases einen jeden in den Stand zu setzen, gründlich über diesen neuen Gewinst unserer Stadt urtheilen zn können.

Das Wort Gas ist deutschen Ursprungs; die Grie­chen und Römer haben es so wenig wie die verschiede­nen Gasarten gekannt, die erst seit Bergmann, Scheele und dem unglücklichen Lavoisier, durch deren Bemühun­gen die Chemie sich zur Wissenschaft erhob, bekannt wur­den. Johannes Baptista van Helmont, Herr von Merode, Royenborch, Orschott, Pellines, aus einem adelichen Ge­schlechts in den Niederlanden entsprossen, war der erste, der daö Wort Gas gebrauchte. Es kommt von dem deutschen Worte Geist, Gischt, was in dem Holländi­schen Gest, Gist, auch Geest heißt, her. Van Helmont wurde 1577 in Brüssel geboren; hatte bereits in sei­nem 17tm Jahre alle philosophischen Studien auf der Universität Loewen absolvirt; trat in die Fußtapfen sei­nes Vorgängers in der Chemie, deö berüchtigten Para­celsus, und starb in Wien 1644. Seine nach seinem Tode von seinem Sohne Franciscus Mercurius heraus­gegebenen Schriften tragen den Character des Zeitalters an sich, sind mit alchimistischen Träumereien ange­füllt, und daher schwer zu verstehen. Mehrere ältere Arzneimittel tragen noch seinen Namen. Die Gelegen­heit, bei welcher er das Wort Gas zum erstenmal an­wandte, war, als er die Gesetze der Gährung näher un­tersuchen wollte. Er füllte gährende Flüssigkeiten in Faschen, die er fest verstopfte, welche dann durch fort­gesetzte Gährung die Flaschen mit Explosion zertrüm­merten; da er die Ursache dieser Zertrümmerung noch nicht kannte, so nannte er das Wesen, was ihm feine Flaschen zerschlug, den wilden Geist, Spiritus silvestris,. der so unbändig sei, daß er sich gar nicht in Flaschen aufhalten ließ; wie er S. 102 seines Werkes sagt. Als er aber Röhren an den Flaschen anbrachte, wodurch dieser wilde Geist freien Abzug hatte, bemerkte er, dass es eine Luft war, die sich aus der gährendeu Substanz entwickelte, und nannte diese Luft, um sie von der at­mosphärischen zu unterscheiden, Gas, dem also immer noch etwas von Geist anklebt. Dieses Wort hat sich seit der Zeit in der Chemie erhalten,, und iss von den

Chemikern aller Nationen angenommen worden. Es wird jetzt gebraucht, um die verschiedenen Lustarten -fpeciell zu bezeichnen. Daher besteht die atmosphärische Lust aus verschiedenen Gasarten. Luft wäre demnach daö Genus, und Gaö die Species. Der wilde Geist, das Gaö des van Helmont, wurde durch genaue Untersuchung später von Bergmann kohlen sau res Gas genannt. Van Helmout hat daher das Verdienst, daß er der erste war, der auf die Verschiedenheit der Luft aufmerksam machte; und diese durch ihn gefundene Wahrheit veran« laßte die Entdeckung der bis jetzt bekannten Gasarren; wodurch die Chemie eine andere Gestalt erhielt und die sogenannte antiphlogistische Chemie entstand, in welcher die Lehre von den Gasarten eine Hauptrolle spielt, die daher auch pneumatische Chemie genannt wird, vom Griechischen (Luft). Thomson führt in seinem Sy­

stem der Chemie 24 bis jetzt bekannte Gasarten an, welche nach ihren Eigenschaften verschiedene Namen erhielt u. Die Luftart (von Priestley im Jahr 1774 entdeckt) , die zum Athmen unentbehrlich ist, und ohne welche das Feuer nicht brennen kann,-nannte man Lebenslust (nach Condorcet); Lavoisier nannte sie in der Folge Sauerstoff- gas, weil sie in ihren Verbindungen Säure erzeugt, Oxigene, von dem griechischen v%v sauer und ysrvuw ich erzeuge; so wie die Luft, die angezündet beim Zutritt des Sanerstoffgases brennt, brennbare Luft, und weil sie beim Verbrennen Wasser erzeugt, Wafferstoffgas, y- drogene vom griechischen iöojq Wasser und yevväa) ich erzeuge. Stickluft werden diejenigen Gasarten genannt, in welchen alles, was athmet, erstickt und das Feuer nicht brennen kann; sie wird auch beim Verbrennen koh­lenstoffhaltiger Körper erzeugt, und alsdann wegen ihrer Eigenschaft kohlenfanres Gas, Acidum carbonicum* Acide carbonique genannt. Da diese 3 Gasarten beim Brennen des Gases eine Hauptrolle spielen, werden wir sie in der Folge näher betrachten. Nach der von Amon­ton aufgestellten und von Black, Lavoisier und seinen An­hängern mit vielem Scharfsinne unterstützten Meinung, nimmt man jetzt an, daß jede Gasart aus einem testen oder tropfbar flüssigen Körper und Wärmestoff besteht, welche nicht allein durch Analogie, sondern auch durch mehrere auffallende Thatsachen sich bestätigt.

Allgemeine Eigenschaften der Gasarten.

Die Gasarten machen eine sehr zahlreiche Elaste von Naturkörpern aus, sind elastische Flüssigkeiten, deren Dichtigkeit viel geringer wie die des Wassers ist, daher sie sich äußerst leicht nach jeder Richtung hin verschieben lassen. Wie die atmosphärische Luft werden sie durch die Wärme ausgedehnt und durch die Kälte zusammen» gezogen. Sie lassen sich vermöge ihrer Elasticität zusam­menpressen und ausdehnen; worauf die Wirkung d<r Windbüchfe und das tragbare eomprirmrle Gas beruht. Wie viel sie sich zufammendrücken und ausdehnen lassen, iss noch nicht bekannt. Die meisten Gasarten sind bis auf zwei farblos,, durchsichtigsie haben verschiedenes