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Die Käsemilbe ist eine der frappantesten Erscheinungen beim Mikroskop und man muß sie selbst sehen, um es zu glauben. Mit ihrem Stückchen Käse gleichen sie einer Stadt, woraus alle Einwohner verjagt sind und nun groß und klein über Hals und Kopf davon laufen, um sich ein neues Asyl zu suchen. Dieses Thier ist eierlegend und es ereignet sich oft, daß man das Ei aufbrechen und das Zunge der Mutter folgen sieht. Fledermäuse, Käfer, Wespen, Fliegen, ja wie oben gesagt wnrde, sogar Läuse haben dergleichen Schmarotzer, jeder in seiner Art.
Zm Essig aus Wein, Aepfeln oder anderen Früchten verfertigt, erblickt man eine große Menge Würmer oder Schlangen, auch Essigahle genannt, ebenfalls eierlegend. Es fehlen ihnen die Schuppen der Schlangen, obwohl der Kopf, die Bewegungen und das Hautabstreifen wieder Aehn- lichkeiten zeigen. Mau sieht sie von 1 bis 6 Fuß Länge in bewundernswürdig schneller Schlangenbewegung dnrcheinan- derkreuzen. Zuweilen werfen sie ihre Haut ab, sind durchscheinend und mit vielen braunen Flecken schön gezeichnet. Vertrocknet endlich der Tropfen Essig an der Sonnenwärme, so sieht man das Winseln, Krümmen, Gähnen und Sterben dieses Thiers als eine neue befriedigende Erscheinung.
Ein Tropfen Pump- oder Brunnenwasser enthält eine Unzahl kleiner Thiere von den verschiedensten Formen: rund, halbrund, länglich, lang u. s. w. Viele derselben haben eine Menge Füße, welch ihrer Kleinheit wegen unmöglich zu zählen sind. Mehrer Zuschauer, welche dieses seltsame Schauspiel sahen, grübelten erst und sprachen von Luftbläschen, Gase, Zersetzung rc., welche unter gewissen Umständen dasselbe hervorzubringen fähig wären, wurden jedoch augenblicklich zum Schweigen gebracht, sobald ich ihren Tod durch Säuren bewirkte. Statt des muntern Durcheinandcr- laufens sahen sie jetzt das Fallen derselben gleich Schneeflocken, die sich auf der Erde ruhig sammeln. ;