der Beschaffenheit der Erdoberfläche hat. Zwei große natürliche Straßen durchziehen unser Vaterland von SiHen nach Norden, die Elbe und der Rhein. Die Elbe führt die Produkte des fruchtbaren Böhmerlandes, wie der nördlichen und östlichen Gehänge des Erzgebirges, des Thüringerwaldes und des Harzes, und der zwischenliegenden Hochebene, dem Flachlar.de und dem Weltmeere zu, und bringt diesen Ländern hinwieder die Gaben, welche die Seefahrt jenseit des Oceans holt. Der Rhein setzt die mittleren Alpen, die ihn begränzen, die Mittelgebirgslandschaften, die Niederlande, und das Weltmeer mit einander in Verbindung. Beide Flüffe sind in dem Handelsverkehr Mitteleuropas jederzeit belebte und belebende Pulsadern gewesen; der Handelszug, der von dem Anfänge der Cultur Deutschlands an in steter Regsamkeit sich auf ihnen bewegte, wird diese Richtung behalten, so lange in der Mitte von Europa Handel und Gewerbe blühen und Flüsse ein Mittel des Mrkehrs sind; die Eristenz der Handelsstädte an Rhein und rlbe beruht somit auf einem geographischen Verhältniß. Zwischen zwei so wichtigen Flüssen muß nothwendig ein Verkehr durch Querstraßen Statt finden, und zwar wird der Naturgemäßeste und zugleich der älteste und dauernd lebhafteste Verkehr der seyn, welcher die mittleren Gegenden ihres Laufes miteinander verbindet. Da nun, wo einerseits das Rheinthal mit der breiten Ebene des untern Mains zusammenstößt und wo andererseits zwischen dem Erzgebirge, dem Thüringerwald und dem Harz bis zur Werra hin das Hügelland Thüringen liegt, öffnen sich die Scheidegebirge beider Flüffe gegen einander und bieten die Anfänge einer natürlichen Zwischenstraße dar, deren Fortsetzung und Verbindung durch die Thäler der Rhön und des Vogelsderae's über Schlüchtern und Gelnhausen hin von selbst sich bilden. Auf der großen Bedeutung der Elbe und des Rheins und der Verbindung beider Flüffe beruht, als ihrem ursprünglichen Grunde, die Wichtigkeit dieser von Frankfurt, über Hanau, Eisenach und Leipzig führenden Straße; auf ihr beruht aber auch die Bedeutung der Städte Frankfurt und Leipzig für den Handelsverkehr; denn eine so wichtige Straße, wie diese, muß nothwendigerweise an ihren Ausgängen Handelsplätze haben. Zu allen Zeiten wird daher daS untere Mainthal und das Land zwischen Eisenach und der Elbe eintzn Hauptsitz des Handels enthalten, und wie früher Mainz und dann Frankfurt in jenem, so war einst Erfurt und ist jetzt Leipzig in diesem eine Haupthandelsstadt Mitteleuropa's Der lebhafte Verkedr dieser Städte, durch andere Umstände erweitert, beruht somit in seiner ersten Entstehung auf den Verhältnissen des Flüsse-Laufs und auf der Beschaffenheit der zwischen Rhein und Elbe liegenden Landschaften, und kann deshalb wohl, wie es schon einmal geschehen ist, zwischen Nachbarorten wechseln, nie aber die bezeichnten Gegenden der beiden Ätraßeausgänge verlassen.
Proclmiratiou des General Bernelle.
Auf Befchl des Königs der Franzosen bin ich mit einer starken und tapfern Armee zurückgclassen worden. Meine Truppen sind zahlreicher, als nöthig ist, unsere Freunde zu schützen, unsere Feinde zu vernichten. Ich mache dieß den Bewohnern dieser Stadt und den Stämmen, die von ihr abhängen, ohne Unterschied der Religion bekannt; ich werde Ordnung und Ruhe erhalten; sie mögen sich ohne Furcht ihrem Verkehr und ihren Beschäftigungen hingeben und sich mir anschließen, wenn es nöthig werden sollte, um einen Ausrottungskrieg zu führen mit dem, den Frankreich als seinen einzigen Feind an sieht, mit Achmet, früher Bei dieser Provinz und mit so großem Recht verabscheut, um seiner
Räubereien und Grausamkeiten willen. Ich erkläre: die Zeit der Gnade und Nachsicht ist vorüber; ich werde kernen Vertrag mit Achmet schließen, keine Vorschläge von ihm anhören , keinen Abgeordneten von ihm vor mich lassen. So lauten meine Instructionen; ich werde sie strenge beobachten. Mögen die, welche über ihn zu klagen haben — ihre Zahl ist groß! — ohne Besorgniß sich aussprechen und Zusammenhalten, ihn zu bekämpfen. Die sich seiner bemächtigen, sollen, als unverkürztes Eigenthum, die unermeßlichen Reichthümer, die- er züsammengeraubt hat, besitzen, und überdem verspreche ich noch von Seiten Frankreichs Denen,^ welche mir ihn todt oder lebendig ausliefern, eine ansehnliche Belohnung. Diese Erklärung, der aufrichtige Ausdruck meiner Gesinnung, soll durch das Haupt der Stadt, den Kalifen Mohammed Oueldeshcie, allgemein bekannt gemacht werden. Constantine, 1. Nov. 1837. (Gez.) Bernelle.
Wien, 1. Dec. Prinz August von Preußen ist emsig öeschästigt, die Sehenswürdigkeiten Wiens in Augenschein zu nehmen. Während dessen beer'fert. sich Alles, dem Prinzen Ehre und^ Auszeichnung zu erweisen. Das Mittagsmahl nahm Se. k. Hoh. am Dienstag bei Sr. Maj. dem Kaiser, Mittwoch bei Ihrer Maj. der Kaiserin Mutter, Donnerstag bei dem Oberhosmeister des Kaisers ^.Fürsten Colloredo; heute und morgen ist Se. k. H. aberflrals zu Hof, und künftigen Sonntag zu einem glänzenden Diner bei Sr. Durchl. dem Staatskanzler Fürsten von Metternich eingcladen. In den'ersten Tagen künftig? Woche will der preußische Gesandte Gras Maltzahn zu Ehren des Prinzen ein großes Diner veranstalten. Das Concert, welches vorgestern zu Ehren des verehrten Gastes abgehaltcn wurde, war ausgezeichnet, sowohl hinsichtlich der Künstler, welche dabei mitwirkten, als des glanzvollen Auditoriums und der Wahl der Musikstücke. Die Kaiserin Mutter machte dabei die Honneurs, und sämmtliche Erzherzoge, so wie alle hier anwesenden fürstlichen Personen, wohnten demselben bei. Nur der Kaiser und die Kaiserin fehlten, da Se. Maj. an diesem Tage von einem vorübergehenden Unwohlseyn befallen worden war. Gestern wohnte Se. k. H. .einer von den Erzherzogen veranstalteten Hofjagd bei. Den Schluß des Abends dringt der Prinz fast regelmäßig bei dem Fürsten v. Metternich zu.
Berlin, 6. Dez. Der geheime Legationsrath, außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister am Pabst- llchen Hose, Dr. Dunsen, ist von hier nach Rom ab- gereist.
München, 5. Dez. Der Regierungspräsident Graf v. Seinsheim hat sich gestern morgen mit dem Baurath Ohl- müller nach Freising begeben, um, wie man sagt, dort ein Local für eine Stelle auszumitteln, die dahin versetzt werden soll, lieber den künftigen Sitz des Appellationsgerichts von Oberbayern ist bis heute durchaus nichts Bestimmtes bekannt.
Augsburg, 6. Dez. Heute fand hier eineConferenz der beiden Comitcs der Augsburg-Münchner EisendahngLsell- schaft statt, worin sämmtliche Differenzen ausgeglichen wurden. (Allg. Z.)
Kassel, 6. Dez. Die hiesige Allg. Zeitung enthält Nachstehendes: „Um der Verbreitung verfälschter Thatsachm entgegenzuwirken, bemerken wir, daß sichern Erkundigungen zufolge, die Deputaten des Magistrats und der Bürgerschaft von Göttingen Sr. Maj. gar keine Adresse vergeben haben, mithin auch kerne, welche die bekannte Vorstellung von sieben Professoren mißbilligt. Als Mitglieder des Senats der Universität wissen wir gewiß, daß seine Deputrr- ten weder eine Adresse, noch irgend einen Auftrag vom Se-