Kunst und Ausdauer des Menschen besiegen kann.« *) Die Spann- ketten und Schleusen, deren Sir A. Brooke gedenkt, befinden sich an einem wahren Kanäle, der in den Granitfelsen gehauen ist. Er hat zwei (engl.) Meilen Länge und 150 Fuß Höhe. Nach vielen erfolg­losen Versuchen und Plänen wurde dieß schwierige Werk endlich zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts von einer Privat-Gesellschaft ausgeführt. In dem Jahre nach seiner Vollendung fuhren 1380 Fahr­zeuge von jeder Größe mit Ladnngen von Getreide, Heringen, Eisen, Bauholz u. s. w. durch diesen Kanal. -

Bücherschau.

Generalbaßlehre zum Selbstunterricht von Dr. hon. Ritter ©fr. Weber rc. Mit Notentafeln. Besonders abgedruckt aus dem 4 .. Band der Theorie und mit Zusätzen zum vorliegenden Zwecke vermehrt. Mainz 1833. Verlag der Hofmusikhandlung von B. Schotts Söhnen.

Die wahren Freunde der Musik, d. h. solche, welche es nicht verschmähen, dnrch gründliches Studium von einer verderblichen Ober­flächlichkeit sich loszureißen, werden es dem Verfasser Dank wissen, daß er sie mit diesem Merkchen beschenkt hat. Dasselbe ist einfach und mit gründlicher Einsicht geschrieben und jene sogenannten Gene- ralbaßschnlen, die der Verfasser mit Recht so hart in seiner Vorrede mitnimmt, werden, trotz ihrer Dickleibigkeit solchen lautern Prinzipien, auf welchen diese Gnneralbaßlehre ruht, weichen müssen. Der erste Abschnitt dieses Merkchens befaßt sich mit der Beschreibung der Ge­neralbaßschrift. Demjenigen Schüler der diesen Abschnitt lieft, kön­nen wir nichts Dringenderes empfehlen, als daß er dem Verfasser Zeile vor Zeile genau folge, und den Sinn der angegebenen praktischen Beispiele mit Ernst zu erfassen und sich eigen zu machen suche; denn es läßt sich nicht läugnen, zu einem solchen Studium gehört großer Eifer und tiefer Ernst. Vom zweiten Abschnitt, welcher die Anwen­dung der Generalbaßschrift auf wenigen Blättern behandelt, gilt die­selbe Bemerkung. Die dritte Abtheilnng, über Generalbaßspielen bei Aufführungen, vernichtet die angestammten Mängel und bezeichnet unter Berufung auf tüchtige Theoretiker, nnv Darlegung von An­wendungsbeispielen geachteter Tondichter, den richtigen Pfad. Ganz an seiner Stelle und zeitgemäß ist es, was der Verfasser über Orgel­spielen sagt und möchten doch alle Organisten diese Bemerkungen sich zum streng nachzukommenden Gesetze machen, dann würden wir bald wieder die einfache, die Andächtigen im Innern ergreifende und er­hebende Kirchenmusik hören. Aber wann wird es dazu kommen, daß « das ewige Gestrige,

Was immer war, und immer wiederkehret

Und morgen gilt, weil's heute hat gegolten« seine Anwendung nicht mehr findet. Der Druck dieses Merkchens und die beigegebenen Notentafeln sind äußerst korrekt, die äußere Aus­stattung gefällig, wie überhaupt auf alle durch die Schott'sche Hof­musikhandlung ausgegebene Werke die auerkennungswertheste Sorg­falt verwendet ist. E.

Frankfurter Nationaltheater.

Zum dritten Male nach Dobler's Rückkehr hörten wir Meier- Leer's »Robert der Teufel«, und zwar zum Besten der Mad. Fischer-Achten, welche die Alice zu ihren vollendetsten Sang­partien zählt. Unsere Meinung über Mad. Fischer-Achten haben

*) Aus Arthur Brookes Reisen durch Schweden, Norwegen und Finnmark zum Nordkap. 1 Bd. Üto. 1331.

wir zur Genüge ausgesprochen, das Facit ist: sie ist eine vortreffliche Sängerm. Was sotten wir uns nochmals in Spezialitäten einlassen. So viel ist gewiß, daß der bizarre Tenfelsspnk mit allen seinen Un­gereimtheiten und Nnditäten, welcher allerdings durch Meierbeer's großartige Komposition dichterischen Gehalt bekommen hat, durch Mad. Fischer gänzlich geläutert wird. Sie macht aus der Sache Ernst, ihre leidenschaftliche Glut läßt uns die Bühnen-Farcen ver­gessen , wir dnrchträumen den Kampf der himmlichen Heerschaaren mit dem Bösen. Diese Fischer-Achten ist ein seltsames Wesen, sie hat etwas Elfenartiges an sich wenigstens wenn sie singt etwas Luftiges, Aetherisches; ihre Klänge sind von Hienieden, aber es beseelt sie ein eigener Geist, der sich nicht wohl definiren läßt; er kommt von Oben. Jndeß der Teufel kann es der Mad. Fischer- Achten nicht vergeben, daß sie ihm> eine Menschenseele entzieht, und heute Abend rächte er sich dadurch, daß er ihr vier schlechte Verse zuwarf. Hr. Schmezzer, der gerettete Robert, gab sich zu dem noch die Mühe, selbige Verse aus den drei Lorbeerkränzen mühsam hervorznsuchen, und da er sie gefunden hotte, verführte ihn die Un­dankbarkeit , sie dem Publikum vorzulesen. Sie lauteten:

Geist und Gefühl, mir hoher Kunst verbunden,

Bereiten uns des Lebens schönste Stunden.

In Dir vereinigt sind sie, glänzend in der Zeit,

Dein schönster Schmuck bleibt die Bescheidenheit.

Wir möchten doch einmal eine hohe Kunst ohne Geist und Gefühl sehen. Der Teufel verspottet absichtlich diese hohe Kunst; denn er läßt sie so mir Nichts dir Nichts, wie die Pilze, aus dem Boden wachsen, verbindet sie nun erst mit Geist und Gefühl, und erklärt dadurch, daß es auch eine hohe Kunst gebe, die nicht mit Geist und Gefühl verbunden sey ' Nicht treffender hätte der Teufel die dramatische Kunst persifliren können. Leider giebt es Schauspieler, die sich Künstler nennen, ohne Geist und Gefühl zu besitzen, und ihre Leistungen sind dann Kunst , ohne Geist und Gefühl. Da der Teu­fel nun auch überzeugt zu seyn scheint, daß die Bescheidenheit auf der Bühne etwas schwer zu Reimendes ist, so sah er sich ver­gebens nach einem Reim für diese Bescheidenheit um. Es mochte ihm schwer werben, einen zu finden, und er sprach: »glänzend in der 3 m.« Was der Teufel damit sagen will, ist nicht einznsehen. Je­denfalls muß dieser Gedanke großartig seyn, weil er so gar dunkel ist. Hat Mad. Fischer-Achten es um den Himmel verdwnt, daß er sie so von dem Teufel maltraitiren läßt?

Hans Sachse war ein Schn-

Macher und Poet dazu.

Das Haus war überfüllt, und die pekuniären Lorbeeren wogen die poetischen zur Genüge auf. Das Publikum jubelte sehr über die Lorbeerkränze, die Kunst und die Bescheidenheit. Der Teufel hatte das Spiel gewonnen.

Am 28. August, zu Göthe's Gedächtnißfeier, nachdem zuvor ein von Dr. Beurmann verfaßter Prolog von Mad. Meck mit logischer Einsicht und wahrem, innigem Gefühl vorgetragen war: »Clavigo,« von Göthe. Das Haus war sehr leer, und das Publikum schielt kaum ein Vergißmeinnicht für den großen Dichter zu haben. Jndeß die Wenigen, welche der Festfeier beiwohnten, mochte sie nun der Zufall, oder Begeisterung für den geschiedenen Meister in's Theater geführt haben, mußten ergriffen werden von dem mäch­tigen Geiste des Dichters; denn die Vorstellung war vortrefflich, und die Gefühle, welche sich von Seiten der Zuschauer bekundeten, waren kein Resultat eines gemachten Enthusiasmus, sie entsprossen dem Her­zen. Was unser Schauspiel zn bieten vermag, bewährte sich in »Clavigo.« Gott gebe, daß Göthe's Gedächtnißfeier eine Anf- erstehungsfeier der dramatischen Kunst auf unserer Bühne werden möge. Sie hat in den Gemüthern der Anwesenden die Liebe für das Aechte, Wahre entzündet. Möge diese Liebe sich nicht betäuben lassen durch Opern-Gequake- und Geschnatter, durch Dekorationspomp und nichtiges Theater-Geflitter, die jede reinere geistige Blüthe vernichten. Was sollen wir hier detailliren, wo Jedem, der nur einigermaßen Kunst zu würdigen weiß, die Ergebnisse der Bühnen-Umtriebe klar werden müssen. Bis jetzt hat der Aktionairs-Verband sich den Ruf einer kunstliebenden und kunflfördernden Vereinigung in Deutschland erworben. Es giebt keine bedeutende deutsche Bühne, die ohne Geld- Zuschüsse eristiren kann. Will man hier das finanzielle Resultat als das vorzüglich zu berücksichtigende Herausstellen, dann gute Nacht! dramatische Kunst auf der National-Bühne zn Frankfurt. M.

Verlag: Fürst!. Thurn und Taxische Zeitungs-Expedition. Redakteur: Hofr. Dr. I. B. Rousseau. Drucker: I. F.-Bayrhoffer .

rankfurter

Mittwoch,

Konversationsblatt.

N» 73. 4 . September 1833.

H 0 r a ce Walpole.

(Schluß.)

»Ich habe Ihnen eine schöne Geschichte von Lord Bath zn erzäh­len , von dem Sie gewiß lange nichts gehört haben. Er war einem Handelsmann 800 Pfd. Sterl. schuldig und dachte an kein Bezahlen. Der Mann beschloß endlich, ihn so lange zu verfolgen, bis er sein Geld erhielte. Eines Morgens folgte er ihm zn Lord Winchelsea und ließ ihm sagen, er hätte etwas mit ihm zu sprechen. Lord Bath kam herunter und sagte: »» Kerl, was wollt ihr von mir ?«« «»Mein Geld,»« schrie der Mann, so laut er nur konnte, vor allen Bedienten. Er bestellte ihn auf den anderen Morgen zn sich, ließ ihn aber nicht vor, als er kam. Am nächsten Sonntag folgte ihm der Gläubiger in die Kirche und setzte sich in den nächsten Kirchen­stuhl neben dem seinigen. Er lehnte sich über und sagte: »»Mein Geld, geben Sie mir mein Geld!«« Mylord wandte sich gegen das andere Ende des Stuhls , der Mann ebenfalls ; »»geben Sie mir mein Geld!«» die Predigt handelte von Geiz, und der Text lautete: »»Verflucht seyen die, welche Reichthümer aufhäufen.«« Der Mann ächzte laut und wies auf Lord Bath. Kurz, er trieb es so lange und zog die Blicke der ganzen Gemeinde so sehr auf den Lord, daß dieser fortging und ihm bald darauf bezahlte. Ich verbürge Ihnen diese Thatsache.«

»Unser größtes Wunderwerk ist jetzt Lady Mary Wvrtly's Sohn, dessen Abentheuer so viel Lärm gemacht haben. Seine Gaben sind nicht besonders, aber sein Aufwand ist unglaublich. Sein Vater giebt ihm fast nichts, dennoch spielt er, versieht sich mit Kleidern und Ju­welen, so daß er sogar für jeden Anzug ein Paar besondere Schuhe schnallen haben muß, und hat mehr Dosen, als ein chinesischer Götze mit hundert Nasen brauchte. Der merkwürdigste Theil seines An­zuges aber, den er von Paris mitbrachte, ist eine eiserne Perücke, Sie sollten darauf schwören, sie sey von Haar ich glaube, daß ihn deßwegen die königl. gelehrte Gesellschaft zu ihrem Mitgliede anf- genommen hat. Dieß wird Sie wundern; was ich Ihnen aber jetzt erzählen will, wird Ihnen nicht auffallen, denn Sie kennen ihre Narrheit längst. Die Herzogin von Qneensbairy sagte zn Lady Diana Egerton, der niedlichen Tochter der Herzogin von Bridgewa- ter, sie wollte einen Ball ihr zu Ehren veranstalten. Sie gab den Ball, und Lady Diana wurde nicht eingeladen. Das Mädchen fand sich gekränkt, und ihr Stiefvater, Herr Lyttleton, schrieb der tollen Erlaucht seine Meinnng darüber. Darauf sandte sie folgende Karte als Antwort: »«Die Zurechtweisung ist richtig eingetroffen. Sie ist sehr hübsch und sehr geistreich. Doch mit hübsch und geistreich kommt man nicht immer durch. Die Herzogin von Qneensbarry schmeichelt sich, daß ihr Haus nicht dem des Sokrates gleiche. Seines war klein und faßte doch alle seine Freunde, das ihrige ist groß und hat dennoch kaum für die Hälfte Raum. Anfgeschoben ist nicht aufgehoben. Unveränderlich.««

»Sie, der Sie England früher kannten, würden es kaum be­greiflich finden, welche Gleichgültigkeit man in Hinsicht der Minister und ihrer Katzbalgereien zeigt. Die beiden Miß Gnnnings und ein ausschweifendes Diner bei White werden weit mehr besprochen, als

die beiden Brüder und Lord Granville. Es sind zwei irländische Mädchen ohne Vermögen, die für die schönsten jetzt lebenden Frauen­zimmer gelten. Ich denke, ihr Hauptvorzug besteht darin, daß sie ein Paar sind, recht hübsch und herrlich gewachsen, denn einzeln habe ich weit schönere Frauen gesehen. Jndeß können sie sich nicht im Park oder im Vauxhall sehen lassen, ohne von einem großen Volks­haufen verfolgt zu werden, der sie gewöhnlich bald nach Hause treibt. Das Diner war eine Narrheit von sieben jungen Leuten, die es so theuer nur als möglich bestellten. Das eine Gericht war eine Torte von Königskirschen ans dem Treibhause, ein anderer Artikel bestand darin, daß sie von jeder Bouteille Champagner nur Ein Glas koste­ten. Der Speisezettel soll gedruckt werden, und manche fromme Leute besorgen ein zweites Erdbeben. Ihr Freund St. Leger war an der Spitze dieser üppigen Helden. Er ist der Held jeder Mode. Nie sah ich sprudelndere Lebhaftigkeit und Narrheit bei einiger Spur von Talenten.. Neulich stand er vor Gericht, weil er einen falschen Spieler in's Wasser getaucht hatte, und war im Begriff zn schwö­ren. «»Ich sehe, Sir,«« sagte ihm der Richter, »»daß Sie es mit einem Eide sehr leicht nehmen.«« »»Ja, Mylord,«« erwie- derte St. Leger, »»mein Vater war ein Richter.« «

»Man spricht hier jetzt viel von zwei Verbrecherinnen. Miß Jefferies und Miß Blandy. Die eine wurde verurtheilt, weil sie ih­ren Onkel ermordet har, die andere hat ihren Vater nmgebracht. Beide Thaten sind mit schauderhaften Umständen begleitet. Die erstere wurde von ihrem Onkel verführt; die letztere hatte einen so zärtlichen Vater, daß seine größte Sorge, als er, dem Tode nahe, erfuhr, sie sey seine Mörderin, die Rettung ihres Lebens war. Cs ist schrecklich, wenn man denkt, was dieses Land für eine Mördergrube geworden ist. Siebzehn wurden diesen Morgen hingerichtet, welche den Schließer Freitag Nacht nmbrachken und beinahe Newgate erbrachen. Man muß um Mittagszeit bewaffnet ausgehen, als ginge es zur Schlacht.«

»Frau von Pompadour's Mann durfte sich keine Operntänzerm halten, weil man dadurch zu oft erinnert werden möchte, daß er seine Frau nicht besäße. Ist das nicht ein herrliches Dekorum, und in diesem Lande?«

Ueber die befürchtete franz. Invasion schreibt er:

»Die Gottseligen, die Prophezeihnngen hassen, welche Vergnü­gungen und Liebe verheißen, haben eine Parallele ausgefunden zwi­schen London und Ninive und anderen guten Städten des Alterthums, die in die Oper und auf Maskeraden gingen, wenn die Franzosen vor den Thoren waren. Dennoch, wäre auch Arlingtonstreet der vor­nehmsten Modestraße in Tyrus oder Sydon noch zehnmal ähnlicher, ich lasse mich doch nicht mehr schrecken. Ich habe alle meine Furcht zur Zeit der Rebellion erschöpft. Ich hatte damals Angst genug und will mich nicht wieder in's Bockshorn jagen lassen. Ich würde in der That kein solcher Pedant seyn, mich auf den St. James - Markt in einen Armstnhl hinzusetzen, um die Franzosen zu empfangen, weil die römischen Senatoren die Gallier so auf dem Forum empfingen« Sie sollen in Sonthwark seyn, ehe ich ein einziges Miniaturbild ein­packe.«

»Von Frankreich vernehmen wir bloß, daß jetzt dort eine neue Tollheit herrscht, eben so stark als die der Pantins. Es ist la fureur