des cabrioIets, zu Deutsch: Einspänner, eine Mode, die Hr. Child einführte. Nicht allein fahren sie darin, sondern sie tragen sie, d. h. Alles geht Cll cabriolet. Die Männer tragen sie auf ihren Westen und als Zwickel an ihren Strümpfen. Die Frauen, die sonst den ganzen Winter ohne etwas auf dem Kopfe gehen, sind jetzt in große Hauben eiugemummt mit runden Seitenstücken, welche die Form nnd fast die Größe der Räder haben.«

Es ist bereits von den berühmten Miß Gnnnings die Rede ge­wesen. Beide waren jetzt verheirathet, die Eine an Lord Coventry, die Andere an den Herzog von Hamilton. Walpole erzählt von dem ersteren Ehepaar, welches eine Reise nach Paris gemacht hatte:

»Der armen Lady Coventry erging es sehr übel; denn außerdem, daß sie sehr einfältig ist, nichts von Welt und Erziehung weiß, kein Französisch spricht und weder Schminke noch Puder tragen darf, hat sie beständig einen wahren Plagegeist, ihren Mann, auf dem Halse, der, auf seine weise Manier noch einfältiger, ohne Erziehung ist und sehr wenig Französisch spricht, gerade genug, um seine schlechte Er­ziehung zu beweisen. Der Herzog von Luremburg sagte ihm, er hätte den Wagen für seine Frau bestellt. ,,,,Vou9 avez tres bien fait/‘“ antwortet Mylord. Er ist eifersüchtig, schnöde und arg­wöhnisch. Bei einem Mittagsessen bei Sir John Bland, in Gegen­wart von 16 Personen, jagte er seine Frau rund um die Tafel, weil er zu bemerken glaubte, sie hätte etwas Roth aufgelegt. Endlich er­wischte er sie, rieb es ihr mit Gewalt mit einem Tuche ab und sagte ihr: Da sie ihn betrogen und ihr Versprechen nicht gehalten hätte, so wollte er sie sogleich nach England zurückführen. , Al- man in ihn drang, noch zu bleiben, um dem großen Fest in St. Clond beizu­wohnen , entschuldigte er sich damit, er könne ein Musikfest in Wor- cester nicht versäumen. Seine Frau entschuldigte sich, daß sie das Feuerwerk bei Frau von Pompadour nicht mit ansehen könnte, weil dieß gerade ihre Tanzstunde wäre. Nur Eine Anekdote will ich Ihnen noch von dem Pärchen erzählen, dann werden Sie wohl wissen, was Sie von demselben zu halten haben. Die Marschallin von Lvwendahl fand viel Gefallen an einem englischen Fächer, welchen Lady Coven­try hatte, die so artig war, jhr denselben zu schenken. Am anderen Morgen mußte sie auf Mylords Befehl an die Marschallin schreiben und ihn zurückfordern, » » weil sie ihn vor ihrer Heirath bekommen hatte und, wenn sie ihn weggäbe, dieß zu einem unvermeidlichen Bruch führen würde.«« Dabei schickte sie ihr einen alten an dessen Stelle. Sie klagt gegen Jedermann, «»es wäre doch recht fatal, daß Mylord so übel mit ihr umginge, da sie doch wüßte, wie viel er auf sie hielte, und daß er sein Leben für sie lassen würde; er hätte sie ja auch ohne einen Schilling Vermögen geheirathet.«« — Die Geschichte ihrer Schwester ist auch spaßhaft genug. Der Herzog von Hamilton ist der wahre Inbegriff schottischen Stolzes. Er und die Herzogin gehen in ihrem eigenen Hause zur Tafel der ganzen Ge­sellschaft voran, sitzen am oberen Ende des Tisches, essen aus einer besonderen Schüssel und trinken mit Niemanden, der nicht wenigstens ein Graf ist. Ist es nicht zu verwundern, daß es noch Menschen unter, oder über diesem Rang giebt , die bei ihnen zu Tische gehen.«

»Mylord Rockingham und mein Neffe, Lord Orford, haben 5oö Pfd. St. auf ein Wettrennen zwischen fünf Truthühnern und fünf Gänsen gesetzt, die von Norwich nach London laufen sollen. Glauben Sie nicht an Seelenwanderung, und sind Sie nicht überzeugt, daß dieses Wettrennen von Marquis Sardanapalns nnd Graf Heliogaba- lus veranstaltet ist?«

Bei Gelegenheit der Einnahme von Mahon und des Mordversuchs gegen den König von Frankreich, im Januar 1757, schrieb Walpole:

»Haben Sie auch gehört, daß die franz. Damen, nach ihrer Er­oberung , kleine Thürme statt Pompons trugen, die sie Mahonnaises nannten? Ich denke, seit dem Mordangriff wird wohl die neueste Mode ä l’assassin ftyn. Wir sind gänzlich im Dunkeln über diese

Geschichte. Dieß ist eine von den Unannehmlichkeiten, in seiner eige­nen Zeit zu leben, man erfährt nichts Wahres davon, als bis man todt ist.«

Walpole's literarischer Geschmack ist bemerkenswerth, wie wir be­reits oben seinen Kunstgeschmack kennen lernten, wo er von Garrik spricht.

»Alles rennt jetzt nach einem neuen Stück von Thomson, »Tankred und Sigismunda« genannt. Es ist höchst abgeschmackt, ich habe es gelesen. Ich kann die neuere Poesie nicht leiden. Die Verfeinerer des Schauspiels und des unkorrekten engl. Verses sind erbärmlich langweilig. Ich möchte lieber die schlechtesten Zeilen von Lee ge­schrieben haben, als den »Leonidas« und die »Jahreszeiten,« so wie ich lieber wegen einer Balgerei in der Wache sitzen als mit meiner Großmutter um acht Uhr ruhig Abendbrod esseu will.«

Die Juden von Cochin.

In den »Reisen des Rabbi David von Beth Hillel,« eines reisenden Juden, die in Madras herausgekommen sind, findet man folgende Notiz über die weißen und schwarzen Juden von Cochin (Kotschin).

»Als ich mich in Cochin aushielt, befanden sich gegen zweihundert Familien weißer Juden daselbst. Sie haben eine sehr schöne mit chinesischem Porzellan gepflasterte Synagoge. Die Holländer haben der Synagoge eine herrliche Glocke verehrt, für die ein besonderer Thurm erbaut ist. Es gehört viel Gartenland zu derselben. An Fest­tagen werden viele goldene und silberne Zierrathen zur Schau gestellt, von denen man einige auf die geschriebene Thora legt, wenn sie aus der heiligen Arche auf das Pult gebracht wird, wo man das Gesetz vvrlies't und erklärt. Als die Holländer noch in Cochin zu gebieten hatten, waren die weißen Juden große und reiche Kaufleute; aber nach dieser Zeit sind sie herabgekommen und jetzt sogar in einem elen­den Zustand, indem sie hauptsächlich von dem Verkauf des Geräthes leben, das sie in glücklicheren Tagen angeschafft, und, was ich mit Schmerz sagen muß, von der Prostitution ihrer Weiber. Sie sind zu stolz, um für ihren Unterhalt zu arbeiten, und verbringen ihre Zeit fast nur mit gegenseitigen Besuchen. Selbst das Lesen der hei­ligen Schrift ist bei ihnen nicht im Gebrauche. Doch haben einige Familien noch ihren Grundbesitz, der 2 — 10,000 Rupien werth ist. Ihre Heirathen sind, gleich denen der Hindus, mit großem Aufwand verbunden, so daß viele junge Leute davon abgeschreckt werden. Ei­nes der Privilegien, die ihr alter Freiheitebrief ihnen bewilligt, ist das Tragen einer goldenen Kette von Seiten des Bräutigams und das Abfenern von Flinten während der vierzehn Tage des Hochzeits- festes. Dieser Freiheitsbrief ist in der Maly al im-S p rach e ab­gefaßt und in Kupfer gestochen. Er verstattet ihnen auch, Proselyten zu machen, und ist von fünf gleichzeitigen Fürsten unterzeichnet. Ein anderes Privilegium besteht darin, daß sie für ihre väterlichen Lände­reien nur die Hälfte der gewöhnlichen Auflage zu entrichten haben. Ich kenne nicht das Datum dieses kupfernen Briefes; allein ich habe Grund, zu glauben, daß die weißen Juden kurz vor den Portugiesen daselbst ankamen; denn ich habe in Europa Personen gekannt, die eben solche Familien-Namen führten, z. B. Rotenburg, Zerphati (Spanier), Aschkenasi (Deutscher) u. s. w. Ihre Manuskripte sind nicht älter als zwei oder drei Jahrhunderte.

Die schwarzen Juden in Cochin und den umliegenden Dörfern bestehen aus ungefähr 1500 Familien. Sie haben sechs Synagogen. Sie sind brave Leute, nnd die meisten treiben mechanische Beschäfti­gungen. Viele sind wohlhabend, und kaum ein Armer befindet sich unter ihnen. Pesuni, ein Schiffbauer, gilt für sehr reich und ist in jedem Betracht ein ehrenwerther Mann. Die schwarzen Inden

sind in Hinsicht ihres moralischen Charakters viel achtbarer als die weißen Inden. Im Allgemeinen verstehen sie die hebräischen Schrif­ten gut, übersetzen sie fertig in das Malyalimsche und handeln, so weit es die Umstände zulassen, nach dem Gesetz. Sie haben keinen einzigen Priester oder Leviten. Die weißen Juden sagen von ihnen, sie seyen Abkömmlinge vieler Sklaven, die von einem reichen weißen Inden vor einigen Jahrhunderten gekauft, in Freiheit gesetzt und zum Judenthum bekehrt worden seyen. Derselbe soll alle ihre alten Sy­nagogen gebaut haben. Die schwarzen Juden selbst aber leiten ihr Geschlecht von den Israeliten der ersten Gefangenschaft ab, welche nach Indien gebracht wurden, und mit denen Israeliten, die den zweiten Tempel bauten, nicht znrückkehrten. Diese Erzählung scheint mir glaubwürdig; denn obwohl sie schwarze Juden heißen und etwas schwärzer sind, als die weißen, so haben sie doch nicht die Farbe der Hindus oder solcher Personen, die von indischen Sklaven abstammen.

(Asiat. Journ. Supplement.)

A l t e r t h ü m e r.

* Trier, im August.

Im verflossenen Monat Juli hat man in hiesiger Gegend ein, be­sonders für den Alterthumforscher, interessante Entdeckung gemacht. In dem Kreise Daun, zwischen Pelm und Gerolstein, auf dem höch­sten Gipfel des Kyllufers, stieß man beim Aufgraben der Erde auf Gemäuer, welches man für Ruinen eines römischen Gebäudes er­kannte. Beim weitern Nachgraben fand man einen Stein mit einer römischen Inschrift, die nicht ganz erhalten ist; ferner Kupfermünzen von Marc Aurel, Antoninns Pius und von Konstantinus Magnus; auch wurden kleine Larven menschlicher Gesichter in rother Thonerde und Bruchstücke von Thierabbildungen in Stein gefunden.

Nach den Mittheilnngen, welche der königl. Landrath zu Daun, Herr Avenarius, der hiesigen königl. Regierung über diese Entdeckung gemacht, lautet diese Inschrift, nach versuchter Restauration: im Stein

CAINAE DEAE

AI OEM OMNI S VA IMPENSA DONA VIT

M VICTORIVS POLL. NU NE. OS PERPETVAM TV . . LAM . IVSD . . . AEDIS DEDIT .IIS ..N....8 DEDICATVM III NONO DE....

GLABRIONE ET TORQVATO COS.

V. 8. I. M.

also:

Lucinae deae Aedem omni sua impensa donavit

M. Victorius Pollenii nepos. j

Perpetuam tutelara ejusdem aedis Dedit diis omnibus

Dedicatum tertio nono (die) Decembris ( 27 )

' Glabrione et Torquato Consulibus

Votum solvit Jovi Maximo.

Ob dieses Gebäude, von welchem die Inschrift spricht, ein Tem­pel und wie einige wollen, dem Dienst der Isis geweiht gewesen, oder ob dasselbe in den Schutz der Diana (Lucina dea) in der Art gegeben worden, wie später von den Christen Privatgebäude unter den Schutz der Heiligen gestellt wurden, darüber sind die Meinungen verschieden. Spätere Nachgrabungen, aus welchen man den Umfang und die Form des Gebäudes wird kennen lernen, werden die Sache wohl aufhellen.

Astronomie.

Ein großes Kunstwerk ist so eben, seinen wesentlichen Bestand- theilen nach, im Münchener optischen Institute des Hrn. von U tz- sch neider fertig geworden. Dieses ist ein Frannhvfer'sches Riesen- fernrohr, mit einem Objectivglase von fünfzehn Pariser Fuß Brenn­weite und zehn und einem halben Zoll Oeffnung. Es übertrifft an Größe nnd Wirkung die Riesenfernröhren, welche Hieselbst noch bei Lebzeiten des großen Fraunhofer gefertigt wurden. Die Wirkung desselben ist in aller Schärfe praktisch und wissenschaftlich von dem Professor der Astronomie der Münchener Universität geprüft nnd für ein vollkommen gelungenes Meisterwerk erklärt worden. Die Ver­deutlichung nnd Präzision der Darstellung eines damit besehenen Him- melsgegenstandes verhält sich zu jener des nach Dorpat vom seel. Fraunhofer angefertigten Riesenfernrohres von dreizehn Fuß Brenn­weite und neun Zoll Oeffnung wie einundzwanzig zu achtzehn, und die Lichtstärke wie hundertsechsunddreißig zu hundert. Die Vergröße­rungen, welche dieses Fernrohr gewährt, gehen weit über die Tau­sendmaligen hinaus, und der gewöhnliche Ausdruck des Herziehens eines Gegenstandes erhält hier eine wichtige Bedeutung; denn wenn z. B. der Saturn in seiner kleinsten Entfernung von der Erde noch hundertfünfundsechzig Millionen geogr. Meilen entfernt ist, so nähert er sich schon durch die achthundertsechzehnmalige Vergrößerung dieses Fernrohrs scheinbar bis auf hnnderrzweiundneunzigtausend Meilen und der Mond erscheint bei seiner geringsten Entfernung von der Erde mit jener Vergrößerung so, als hätte er sich bis auf achtundsechzig geogr. Meilen genähert, welcher Abstand weniger beträgt als der ge­rade Weg von Athen nach Konstantinopel. Die mathematische Deko­ration und Aufstellung dieses Fernrohrs kann erst ansgeführt werden, wenn die Polhöhe bekannt seyn wird, unter welcher es seinen Stand bekommen sollte.

Der Wasserfall von Trolhedda, bei dem Dorfe Lilla Edet, in Schweden.

»Litta Edet ist ein kleines Dorf, das durch die Fälle des Götha sehr malerisch wird, die in verjüngtem Maßstabe eine Vorstellung von dem majestätischen Wassersturz bei Trolhedda geben. Wenige Meilen von dem letzteren Orte enthüllte sich der kleine, aber schöne See Trö- ning, den rings ein Amphitheater von Wäldern umzieht, vor unseren Blicken. Unsere kleinen Klepper trabten mit erneuerter Kraft weiter, und so erreichten wir am Abend Trolhedda. Als wir den Hügel hin- abritten, verkündigte uns schon ans einiger Entfernung eine dichte über dem Sturze schwebende Nebelivolke, in der die Strahlen der Abendsonne sich brachen, den Riesenkampf der tobenden Wasser. Voll Ungeduld eilten wir vorwärts, kamen bald an und überschauten die Scene mit staunender Bewunderung. Die ganze Wasserwncht des Götha stürmt hier mit Donnerschlägen steile Felswände hinab zn den Klippen im Abgrund. An beiden Seiten erheben sich andere schroffe Felsenmauern, ans denen hin und wieder eine Fichte emporstrebt. Ehe der Fluß die Katarakten erreicht, gleitet er sanft und krystallhell dahin; im Herunterstürzen bildet er vier Hanptfälle, deren gemein­schaftliche senkrechte Höhe ungefähr hundert und zehn Fuß beträgt. Vielleicht nimmt sich das Ganze in der Entfernung von einer halben Meile nach unten am vortheilhafcesten aus, weil wir da die Wasser­wucht, die, in Schaum und stäubenden Gischt eingehüllt, uns ent­gegentost, im Vogelsblick schauen könnten. Damit die Schifffahrt auf dem Flusse nicht gehemmt werde, hat man mit unglaublicher Mühe Spannketten nnd Schleusen, gleich denen an schiffbaren Ka­nälen , im Felsen angebracht, durch welche die Fahrzeuge bis zum Wasserspiegel unter den Katarakten hiuabgelaffen werden und so einen neuen Beleg dazu geben, welche mächtige Hindernisse der Natur die