man ihr ständischer Seils, vermöge einer, von keinen be­reits feststehenden Prämissen ausgehenden, Interpretation entspricht. Dieses Schicksal sott den Minister treffen, wah­rend vielleicht sowohl in der Ständeversammlung als in dem Oberappellationsgerichte eine, der Majorität nahe kommende, Minorität, die sogar nur durch den zufälligen Abgang einer Stimme zu dieser Minorität geworden seyn kann, die Ansicht und Handlungsweise des Ministers vollkommen billigt. Durch ein solches Prinzip wird die Selbst­ständigkeit und Wirksamkeit der verfassungsmäßigen nothwendigen Organe der Staatsgewalt, wird somit diese selbst in ihren Grundlagen erschüttert, denn hier­nach kann die Verfaffungsurkunde und die, auf deren eigenes Verständnis gestützte, rechtliche Ueberzeugung des Ministers ihm keinen festen Boden mehr gewähren. Unter solchen Umständen würden die Anordnungen der Regierung beständig in Frage gestellt seyn; dre Minifteralvorftände, welche die Befolgung und Aufrechthaltung der Verf.-Urk. gleich andern Unterthanen beschworen haben, würden ihren Beruf, nach ihrer über den Inhalt der Verfassungsvorschrift gewonnenen pflichtmäßigen Ueberzeugung Den Landesherrn zu berathen und in Ausübung der Regierungsrechte zu unter­stützen, zu erfüllen außer Stande seyn, und cs müßte dem Landesherrn sogar unmöglich werden, noch Vertrauen ver­dienende Männer zu finden, welche sich, wenn jene Grund­sätze gelten sollten, zur Uebernahme eines Minifterpoftens mit dessen Pflichten verstehen möchten! Der 8 .100 der Verf.- Urk. läßt aber eine solche Auslegung nicht zu, indem nach dessen, weiter unten zu erörternden, Bestimmung die Anwen­dung einer Verfassungsvorschrift in dem Sinne, welchen die Staatsregie.mng als den richtigen erkannt und aufgestellt hat, nicht alsbald, wenn deren Ansicht ständischer Seirs bestritten wird, als Verfaffungsvcrlctzung angesehen werden darf, da Fälle der Art verfassungsmäßig nur, nach Maßgabe des §. 15a der Verf.-Urk. durch eine Verständigung zwischen Re­gierung und Ständen, oder, wenn eine solche wieder Ver- hoffen nicht zu Stande kommen sollte, durch kompromissari- schc Entscheidung erledigt werden können. (Forts, folgt.)

Frankreich.

(*Paris, 31. August. Pnvat-Korresp. der O.P.A.Z.) Nach den letzten Briefen aus Madrid, die über das rasche Vorrücken des Marschatt Bourmont Bericht erstatteten, glaubte man unlängst, daß es für die Migueliften möglich wäre, die Hauptstadt wieder zu besetzen, und dadurch Die Ansprüche D. Pedro's für immer streitig zu machen. Es har sich jedoch in kurzer Zeit Vieles geändert. Die Depeschen, wel­che das Greysche Ministerium nach Lissabon sandte, und deren Inhalt wohl vermuthet, allein nicht mir Sicherheit bekannt war, haben unterdeß dem neuen Minifterresidenten in Portugal, Sir William Russell, die Anerkennung Der D. Maria vorgeschrieben und dem Admiral Parker Voll­machten ertheilt, mit seiner Flotille und Mannschaft den Angriff Der Migueliften zurückzuschlagen. Es scheint aus den Privatbriefen von Lissabon hervorzugehen, daß zugleich mit jenen Depeschen einige tausend englische Soldaten nach der Halbinsel eingeschifft wurden, und endlich verstärkte sich die Besatzung der Hauptstadt noch durch einige Regimenter aus Oporto, welche in letzterer Stadt seit dem Abzüge des Be­lagerungsheers nicht mehr nokhwendig waren. Nach allem dem ist es kaum möglich, daß der Marschall mit einem Korps von 10,000 Mann die Hauptstadt besetzen kann. Es wird ihm höchstens gelingen, den kleinen Krieg gegen die Truppen D. Pedro's fortzusetzen. Da die Bewohner des flachen Landes keine Partei nehmen, und sich jedesmal für den Sie­ger erklären, so kann sich der Kampf einige Monate hinzichen. Er würde sich in diesem Falle nicht auf Portugal beschrän­ken; in Spanien wo durch Die bisherigen Ereignisse die

Leidenschaft der Parteien schon hinlänglich angefacht war, kann es gleichfalls zum Ausbruche kommen. Während man von Paris aus dem Ausgange dieser Störungen ruhig engegensieht, herrscht in dem südlichen Frankreich eine merk­liche Theilnahme an dem Parteienkampfe in der benachbarten Halbinsel.

Die Königin ist mit den jüngern Gliedern der k. Fa­milie nach Cherbourg abgereis't.

Dona Maria ist zu Havre eingetroffen. Das »Jour­nal du Havre« wundert sich, daß ihr daselbst nicht diejeni­gen Ehren erwiesen wurden, die man gewöhnlich gekrönten Häuptern erweiset.

Die »Gaceta de Madrid« vom 2a. d. meldet, daß D. Miguel am 7 . zu Coimbra eingetroffen sey, daß das Hauptquartier am 13. zu Leria gewesen und daß die Vor­posten bereits zu Villa-Franca, im Angesicht des Fein­des gestanden.

Großbritannien.

(London, 29. August.) Stocks 88/4,'/-.

Heute hat der König in Person das Parlament proro- girt; Se. Maj. hielten bei dieser Gelegenheit folgende Rede: »Meine Lords und Meine Herren. Als Ich das gegenwärtige Parlament eröffnete, bemerkte Ich, daß zu keiner Zeit Ge­genstände von größerem Interesse und höherem Umfang Ihre Aufmerksamkeit beschäftigen würden. Die Weise, in welcher Sie sich der Ihnen auferlegten Pflichten erledigt, verlangt Meine wärmste Anerkennung und setzt Mich in Stand, eine Session zu schließen, die nicht minder ihrer langen Dauer, als auch wegen der Geduld und des ausharrenden Fleißes merkwürdig ist, welche Sie bei so manchen schwierigen Un­tersuchungen und in Vollendung Der verschiednen legislativen Maßregeln, die Ihrer Erörterung vorgelegt wurden, bewiesen haben. Fortwährend erhalte Ich von Meinen Alliirren und von allen fremden Souverainen Versicherungen ihrer freund­schaftlichen Gesinnungen. Bedauern muß Ich, daß Ich Ih­nen noch nicht den Abschluß einer definitlven Uebereinkunft zwischen Holland und Belgien anzeigen kann; allein der Ver­trag, den Ich in Verbindung mir dem Könige der Franzosen im verflossenen Monat Mai mit dem Könige der Niederlande abgeschlossen, verhindert eine Erneuerung der Feindseligkeiten in den Niederlanden und liefert so eine neue Sicherheit für den allgemeinen Fortbestand des Friedens. Ereignisse, welche neuerlich in Portugal Statt gefunden, haben Mich veranlaßt, Meine diplomatischen Verbindungen mit jenem Königreiche wieder anzuknüpfen, und Ich habe einen Minister am Hofe Ihrer allergetreuesten Majestät Dona Maria ak- kreditirt. Sie können versichert seyn, Daß Ich mit größ­tem Verlangen dem Augenblick entgegensehe, wo die por­tugiesische Monarchie, die so lange mit diesem Lande durch Bündnrß und durch die engsten Bande des Interesses vereint war, zu einem Friedenszustande zurückkehren und ihre frühere Wohlfahrt wieder erlangen werde. Die Feindselig­keiten, welche den Frieden der Türkei gestört, haben aufge­hört, und Sie mögen versichert seyn, daß Meine Aufmerk­samkeit sorgfältig auf jede Begebenheit gerichtet ist, welche die jetzige oder künftige Unabhängigkeit jenes Reiches berüh­ren dürfte. Ihre während der verflossenen Session sorgfäl­tig verfolgte Untersuchung hat Sie in Stand gesetzt, den Freibrief der Bank von England auf Bedingungen zu er­neuern, welche wohl berechnet zu seyn scheinen, den öffent­lichen Kredit zu erhalten und die Nützlichkeit dieser wichtigen Anstalt zu sichern. Die mühevollen Untersuchungen der Ko- mite's beider Parlamenrshäuser durch verschiedene aufeinander folgende Sessionen hindurch, haben Sie gleichfalls in Stand gesetzt, die Angelegenheiten der oftindischen Kompagnie zu einem befriedigenden Resultat zu bringen: Ich lebe der ver­trauenvollsten Erwartung, daß das hierdurch aufgestellte Re-

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gierungssyftem darthun wird, daß es weislich zur Verbesse­rung und zum Wohl der Eingebornett Indiens ergriffen wor­den, und durch die Eröffnung des chinesischen Handels ist der Thätigkeit und dem Unternehmungsgeist des britischen Han­dels ein neues Feld eröffnet worden. Der Zustand der Skla­verei in Meinen Kolonialbesitzungen hat nothwendigerweise einen Theil Ihrer Zeit und Aufmerksamkeit, der Größe und Schwierigkeit des Gegenstandes angemessen, in Anspruch ge­nommen. Während Ihre Berarhungen von dem hohen Stand­punkt der Gerechtigkeit und Menschlichkeit aus geleitet wurden, sind die Interessen der Kolonialbesitzer nicht übersehen worden. Ich hoffe, daß die künftigen Schritte der Kolonialgesetzgebungen und das Benehmen aller Klaffen in Meinen Kolonien von der Art seyn werden, daß die wohlwollenden Absichten der Ge­setzgebung in volle Wirkung gesetzt und die gerechten Erwar­tungen Meines Volkes befriedige werden. Ich bemerke mit Vergnügen, daß die Erweiterung der Gesetze Ihre Auf­merksamkeit fortwährend beschäftigt hat, und daß verschiedene wichtige Maßregeln angenommen worden sind, deren einige dem Eigenthumstitel mehr Sicherheit verliehen, andere aber die Verhandlungen der Gerichtshöfe rascher und weniger kost­spielig machten. Die Einführung des Gerichtshofes des Ge- heimen-Rathes ist eine weitere Verbesserung. Sie mögen überzeugt seyn, daß Ich keinen Theil Ihrer Arbeiten mit größerem Interesse betrachte, als den, welcher, durch wohl erwogene Gesetzzusätze, allen Meinen Unterthanen die Justiz zugänglich macht. In dieser Beziehung habe Ich eine Kom­mission niedergcsetzt, um die Kriminalgesetze in ein Werk zu­sammenzutragen und um zu untersuchen, in wie fern und durch welche Mittel der Kriminalprozeß den andern Zweigen unserer Rechtsverfassung angepaßt werden könne. Auf ähn­liche Weise habe Ich Kommissionen niedergcsetzt, um den Zustand der Munizipalkorporationen durch das ganze Königreich zu untersuchen. Das Resultat ihrer Forschungen werden Sie in Stand setzen, solche Mittel aufzufinden, welche am Besten geeignet seyn mögen, die innere Einrichtung der Städte sowohl in Bezug auf ihre Finanzen, als auch auf ihre Ver­waltung und Pölizeianftalten auf feste Grundlagen zurückfüh­ren. Mittlerweile sind zwei wichtige Parlamentsakten durch- gegangcn, wodurch auf gesunde Grundsätze gestützt, den königl. und Parlamentsflecken Schottlands eine Verfassung gegeben wurde, und Ihre Aufmerksamkeit wird später darauf gerichtet seyn, ob es füglich geschehen könne, den nicht in- korporirten Städten in England, welche nun das Recht er­langt haben, Mitglieder ins Parlament zu senden, ähnliche Vortheile einzuräumen. Mit dem größten Leidwesen fühlte Ich Mich genöthigt, Sie um weitere Vollmachten zur Be­aufsichtigung und Bestrafung der Friedensstörer in Irland anzugehen. Meinem Aufruf an Sie wurde entsprochen, was Ich vertrauensvoll bei Ihrer Loyalität und Festigkeit voraus- setztc. Ich habe es, mit unbedeutender Ausnahme, nicht- thig gefunden, die Mir anvertraute Vollmacht in Anwen­dung zu bringen; und mir Vergnügen kann Ich Ihnen nun sagen, daß der Geist des Ungehorsams und der Gewaltthat, welcher so weit verbreitet war, bedeutend abgenommen hat. Ich erwarte mit Sehnsucht die Zeit, wo die schmerzliche Nothwendtgkeit, dergleichen Maßregeln von großer aber un­vermeidlicher Strenge fortzusetzen, aufhören wird; und Ich habe den verschiedenen heilsamen Maßregeln, welche im Laufe der Session Mir zur Annahme vorgclcgr wurden, mit Freu­den Meine Zustimmung gegeben. Die Akte, welche in Folge Meiner Empfehlung, in Bezug auf das Zeitliche der Hoch­kirche in Irland und der augenblicklichen und gänzlichen Abschaffung der Kirchspielsieuern durchgegangen ist, ferner die Akte wegen besserer Einrichtung der Schwurgerichte, so­wohl was ihre Civil- als Kriminalfunktionen berriffr, liefern den besten Beweis, daß in das Parlament des vereinigten Königreichs volles Vertrauen gefegt werden kann, wenn die

Rede davon ist, solche wohlthätigc Einrichtungen einzuführen, wodurch die Wohlfahrt aller Klaffen Meiner Unterthanen befördert und zugleich jene legislative Union wirksam befestiget wird, welche mir Ihrem Beistand unverletzt j» erhalten, Mein fester Witte ist. Meine Herren vom'Hause der Ge­meinen. Ich danke Ihnen für die Mir für den Staatsdienst bewilligten Geldmittel. Die Ansätze, welche Ich Ihnen vor­legen ließ, wardn bedeutend niedriger, als in früheren Ses­sionen, und Sie haben mit Weisheit die Reduktionen erwo­gen, wodurch die öffentlichen Lasten verwildert wurden. Ich bin überzeugt, daß Sie auf dem Wege einer vernünftigen Sparsamkeit, mit steter Hinsicht auf die Staatsbedürfniffe, ausharren und so den Anspruch auf allgeineines Vertrauen, das Sie sich erworben haben, rechtfertigen werden, als treue Hüter der Ehre der Krone und der wahren Interessen des Volkes. Meine Lords und Meine Herren! Bei der Rückkehr in Ihre Heimath werden Sie den freudigen Gedanken mitnehmen, daß Ihre anhaltenden Arbeiten für das Wohl des Vaterlan­des aufgewendet wurden. Während Ihrer Abwesenheit wird Ihre Aufmerksamkeit auf denselben wichtigen Gegenstand ge­richtet seyn; und auf diese nützliche und ehrenvolle Erledigung Ihrer Staats - und Privatpflichten, unter dem Schutze der göttlichen Vorsehung, baue Ich zuversichtlich, besonders in Bezug auf Ermunterung und Unterstützung Meines Volkes in jener Liebe zur Freiheit, in jenem Geiste der Rührigkeit, im Gehorsam gegen das Gesetz und in jener moralischen Würdigkeit, welche die Sicherheit und das Glück der Volker ausmachen.«

Das Dampfboot »Hermes« brachte Nachrichten aus Lissabon vom 21. und aus Oporto vom 23. d. Es war überhaupt nichts Neues vorgefallen. Marschatt B 0 ur- m 0 n r stand noch zu Coimbra mit 25 30,000 Mann.

Der »Sun« meldet, daß der britische Gesandte und D. Pedro die englische Regierung um Hülfstruppen ersucht habe, und der »Standard« läßt vermuthen, daß die Regie­rung nächstens eine Expedition nach Portugal senden werde.

Theater-Anzeige.

Morgen, Mittwoch, den 4 . September wird aufgeführt: Robert der Teufel, große heroische Oper in 5 Haupt- und einer Zwischen-Abtheilung. Text von Scribe und Ger- main Delavigne. Musik vom königl. preuß. Kapellmeister I Meyerbeer. Zweites Wef# Abonnement suspemlu.

Auf allgemeines Begehren wird Sonntag den 8 . Sep­tember an der Stelle der Oper: Stumme von Portici, die große Oper: Olympia, in 5 Acten und einer Zwischen- abcheilung, Musik von Spontini, als 3 tes Meß-ä.bc>nn. susp. zum erstenmal wiederholt und die Oper: Stumme von Por- tici Mittwoch den 11. September, als ätcs Meß-^bonn. susp. gegeben werden.

[ 1577 ] Mein Comptoir und Waarenlager befindet sich von heute an in meinem eigenen Hause, kleiner Kornmarkt Lit. K. Nr. 168. Mit dieser Anzeige verbinde ich zugleich jene, daß ich nunmehr auch ein Detail-Geschäft errichtet und dasselbe heute eröffnet habe; ich bitte um recht zahlreichen Zuspruch und werde beniühr seyn, durch gute Waaren und möglichst billige Preise mir das Wohlwollen meiner geschätzten Abnehmer zu erwerben und zu erhalten.

Frankfurt a. M., den 2. September 1833 .

Joh. Wilh. Pfarrius, Material - und Farbwaarenhändlung.