erobern. Der Krieg aber müsse in Frankreich nicht gegen Frankreich, sondern nur gegen die elendeste aller Regierun­gen gcfükrt und «ne bessere verheißen werden. Einige kräftige Proklamationen an's Volk würden ed-n so vrel siegreiche Schlachten werth seyn. Ich möchte wissen, waS der große und- von den damaligen Franzosen vergötterte König von Preußen seinem Liebling Winterfeld darauf er- wiedert haben mag? Wenn man sich an Ludwig XV. Hof und die damalige Weiberwirthschaft erinnert, war Wintcr- felds Einfall nicht halb so verwegen, oder hoffnungslos, als er im ersten Augenblick scheint. Nichts leichter, als mit Haß, Verachtung oder Gleichgültigkeit eines Volkes, daS sich selber fühlt und gegen seine Regierung lau gewor- .den ist, einen Bund gegen den Thron zu schließen. Herzberg selbst war kein großer Mann, aber ein großer Preuße, und vielmehr eigentlich ein großer Pommer."

Der Weltumsegler Förster sagte zu Friedrich dem Großen: Sire, ich habe bereits fünf Könige gesehen, drei wilde, zwei zahme; aber wie Ew. Majestät keinen. Friedrich bemerkte gegen den Staatsrath Heim'tz: Förster ist ein grundgelehrter Mann, aber ein erzgrober Kerl."

König Christian VN. von Dänemark, der seit dem Jahre 1766 sein Reich regierte, auch, wie viele andere große Herren, sogar Doktor der Rechte zu Cambridge war, ver­fiel zuletzt in Wahnsinn, wie man weiß; blieb aber den­noch König, bis er im Zahr 1808 starb, und regierte also, wie viele andere große Herren, dem Namen näch. In seiner Geistestrüde Hatto er zuweilen lichte Augenblicke oder in seinem Wahnsinn lag oft etwas Geniales, wie die Sha- kespeare'schen Narren cs zu haben pflegen. Er unter­schrieb noch immer alle Ausfertigungen, meistens aber so undeutlich, daß man ihm die nämliche Schrift mehrmals vorlegen mußte. ^ Bald machte er ellenlange Buchstaben, bald malte er eine Fratze bin, oder Unterzeichnete einen Kabinetsbrfehl:Christian VN. er Comp." Nicht selten, wenn er eine Stunde und langer mit Unterschreiben feines Namens zugebracht hatte, pflegte er die Feder hmwegzu- werfen und auszuxufen: Für heute genug regiert? Be­kannt ist sein Wort von der langen Nase, das er einem Gesandten zmief: Hätte man Ihren Herrn so lange bei der Nase herumgezvgcn, wie mich bei meiner, sie würde eben so lang seyn! Die Personen, welche an der könig­lichen Tafel speisten, nahmen gewöhnlich gar keine Rück­sicht auf ihn, und unterhielten sich so zwanglos, als wenn er nicht da wäre. Einmal, als eben Damen, die ihm zur Seite saßen, sich vor ihm mit den Köpfen zusammenneig­ten, um einander etwas zu sagen, schob er sie mit beiden Armen aus einander, legte sich dann mit diesen breit auf den Tisch, sah ernst umher und rief mit starker Stimme in die etwas lebhafte Gesellschaft hinein: Aber wie nun, wenn ich plötzlich jetzt zürn völligen Gebrauch meines Ver­standes gelangt wäre was dann? Alles verstummte bei diesen Worten, in Besorgnist, daß das angekündigte Unglück geschehen fey. Der König ließ sie ein Paar Mi­nuten in der ängstlichen Ungewißheit; dann nickte er ihnen zu , indem er sie anlachte und sagte: Nun, nun, Kinder, für diesmal mag es so seyn!"

Manm'chfaltt'gkeiten zur Geschichte des Tages.

Aus Besanyon berichtet man Folgendes:Wenn auch jetzt unser armes Frankreich in vieler Beziehung einen trau­rigen Anblick darbietet, der wenig Gutes für die nächste Zukunft hoffen läßt, so zeigt sich doch hie und da eine Stelle, wo wieder Erfreuliches und Hoffnungerregendes sichtbar wird. Besonders muß in dieser Hinsicht der Ka­nal Monsieur genannt werden, der unter der vorigen Re­gierung begonnen wurde, und nun seiner Vollendung ganz nahe rst. Er soll den Rhein mit der Rhone und durch diese das Mittelmeer mit der Nordsee durch Schifffahrt in Verbindung bringen. Seme Befahrung war hier bei Be- san^on lange gehindert; nun aber ist auch diese frei. Von der Saone, welche die Verbindung mit der Rhone beginnt, bis zum Rheine, ist der Kanal 331,000 Mötres, also un­gefähr 66 Lieues. lang. Durch ihn kommt Marseille in unmittelbare Verbindung mit Straßburg, Mainz, Frank­furt a. M., Köln und den Städten Hollands, nach wel­chen der Waarentransport viel schneller und wohlfeiler als bisher bewirkt werden kann. Merkwürdig ist's zu sehen, was dieser Kanal bei uns schon Leben und thätige Unter­nehmung hervorgebracht hat, zumal auf der Linie von Cha- lons nach Straßburg und an dem Kanalarme, der nach Basel und Mühlhausen führt."

Seit der letzten engl. Expedition nach dem Nordpol preßt man für den Gebrauch der Marine den Saft des Fleisches auf eine Weift aus, daß 50 Pf. Ochftnfleisch sich auf eit!e Substanz von einem Quadrat-Zoll reduziren. Ein Matrose kann den vierten Theil eines Ochsen in seine Ta­baksdose und das Rückenstück eines Kalbes und ein halb Dutzend Schinken, ohne sich zu geniren, in seine Hosen­tasche nehmen. Diese Quint-Essenz des Fleisches nennt man Pemmekm.

In Sclayn ließ eine Mutter auf einige Augenblicke ihr Kind allein in der Wiege zurück; wie sie zurückkam, ver­nahm sie ein leises Geschrei und sah eine Katze von der Wiege springen.. Sie fand ihr Kind irn Todeskampft, das trotz'den Bemühungen der Aerzte bald darauf starb. Die Katze hatte sich dem Kinde auf den Hals und Mund ge­legt" und es erstickt.

In der Nähe von Westeräs, in Schweden, ist eine Bäuerin von vier lebenden Kindern, drei Mädchen und einem Knaben, die sich nebst der Mutter alle wohl befin­den, entbunden worden. Sie hotte schon zweimal Zwil­linge geboren, von welchen das letzte Paar noch am Le- ben ist. .

Redakteur: Z. L. Helfer.

Theater-Anzeige.

Samstag, den -r. August. Die Abendstunde, Drama in einem Act, von August von Kotzebue. Hierauf ftlgt: Richards Wanderleben. Lustspiel in vier Abcheilungen, aus dem Eng­lischen, von Kettel.

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