Camilla.

Tin gutes Zeichen, das auf Beff'rung deutet.

(Sie geht zur Rechten ab.)

Robert hat zum Zweitenmale Gelegenheit, der Prinzes­sin Zinthia das Leben zu retten, wird aber abermals um den Lohn seiner That betrogen und zwar von demselben Osorio. Jetzt dringt der König abermals in seine Toch­ter, sich mit Osorio zu vermählen; die zwölfte Scene, die wir mittheilen und womit wir unsere vorläufigen Auszüge beschließen, setzt dieses auseinander.

Zwölfter Auftritt.

Die Vorigen. Astolfo und Osorio treten ein. Astolfo.

Hier bring' ich Dir dm heldenmüth'gen Prinzen,

Dem zweimal schon das Höchste wir verdanken,

Ich mein geliebtes Kind und Du Dich selbst.

Wie sorgsam ängstlich sein bescheidner Sinn Sich Deinem Danke zu entziehen strebt.

So brennend, hoff ich, ist auch Dein Verlangen,

Zn Fülle diesen Dank ihm zu entrichten.

Zinthia.

Deß sey gewiß, mein königlicher Vater.

(Zu Osorio.)

Du hast das Leben mir gerettet , Prinz;

Das Leben aber ist der Inbegriff Don allen Gütern; so hat Deine That Der jetzigen und künst'gen Güter Fülle,

Die unermeßlich seyn kann, mir gerettet Und unermeßlich muß der Dank auch seyn.

Drum laß es Dich nicht wundern, wenn es mir Nicht gleich gelingen will, Unendliches Zn's endliche beschränkte Wort zu kleiden.

Osorio.

Es soll auch nicht gelingen, hohe Herrin.

Du bist des Königs zweite, schön're Krone Und wie verdiente der Vasall wohl Dank,

Der für die Krone seine- Herrn stch opfert?

Und wie verdiente wohl der Sklave Dank,

Der für die Herrin Blut und Leben wagt?

Er wagt ja nur, was nicht sein eigen ist;

Zst nicht der Sklave Dein, wie Deine Hand Und dankst Du je der Hand für ihren Dienst?

' ' Astolfo.

Was soll das lose Spiel mit leeren Worten?

Der rechte Dank ist That und einem König Geziemt am meisten solcher thät'ge Dank.

Du kennst des Prinzen Wunsch; er ist der meine:

Noch hat stch Keiner würdiger gezeigt,

Mein Sohn und Erbe meines Throns zu werden«

Reich' ihm die Hand, das ist der rechte Dank.

Zinthia.

Wie.überfällst Du mich mit dieser Ford'rung?

Nur in der Einsamkeit vermag ein Kind Das Herz vor seinem Vater auszuschüttem

Astolfo.

Bezahl' den Dank, den Du ihm schuldig bist, Den ich ihm zuerkenne! Willst Du nicht.

So gieb der Weig'rung eine trift'gen Grund.

Zinthia.

O laß mir Zeit!

Astolfo (heftig werdend).

Ha Zeit! Was wird's mir helfen.

Wenn ich zum Tode einst sage: laß mir Zeit? Ich will mein Reich, mein Haus gestchert wissen Eh' meine Zeit verrinnt. Entschließe Dich!

Zinthia.

So zwingst Du mich zu reden; Du bist schuld, Wenn ich, statt ihm zu danken, ihn verletze,. Was Du begehrst gewährt die Liebe nur;

Die aber, weißt Du, spottet uns'res Willens.

Zch liebe nicht und nimmer werd' ich lieben.

Astolfo.

Nicht lieben den, der das für Dich gethan,

Der Ehr' und Leben Dir gerettet hat?

Zinthia.

Wenn er'S gethan hat und zum Dank dafür Nun meine Ehre fordert amd mein Leben,

So hat er sich allein, nicht mir gedient.

Die Forderung entbindet mich des Dankes,

Denn seine Wohlthal macht mich bettelarm.

Astolfo (entrüstet).

Ha, schwarzer Undank! Und an meinem Kinde! Dieß Laster, stets vor allen mir ein Gräuel,

Zn meinem eignen Blute muß ich's finden?

Osorio.

O schillt sie nicht, mein königlicher Herr!

Denn ehe Deines Zornes Wort verwundend Zhr Herz erreicht, durchbohrt es meine Seele. .

Astolfo (wie oben fortfahrend).

Der Undank und der Hochmuth bauten einst Zn Gottes lichte Welt die finstr'e Hölle:

Denn diese Laster waren's, die den Satan Bewogen, gegen Gott sich zu empören.

Fort mit dem Undank! fort arrs meinem Hause! Die Undankbar' ist meine Tochter nicht.

Anekdoten.

Im Prometheus für Lickt und Recht, Zeitschrift m zwanglosen Heften, herausgegeben von H. Zschokke, erster Therl, Aarau, 1832, lesen wir folgende Anekdoten:

Der ehemalige preußische Minister von B...., der Herzbergs Zögling und. Schützling war, erzählte eines Ta­ges folgende Anekdote, die er aus Herzbergs Munde wußte: Als Friedrichs !I. Angelegenheiten nach der Colliner Schlacht höchst bedenklich standen, habe ihm Winterfeld den kühnen Vorschlag gethan, an der Spitze eines ausgewählten Hee­res in Frankreich einzurücken und hier Land und Volk zrr

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