aus nn: urr; wenn er mich geliebt, wie hätte er sich von mir losreißen, wie mich so verlassen können. Ich fühlte damals, daß seine Empfindungen für mich nur die Em­pfindungen eines Freundes, eines treuen Verwandten feyen. Die Hoffnung, welche mich verblendet hatte, verschwand; ich sah, daß er mir seine Liebe versagte, daß er die mei« nige zurückwieß; mein Herz wollte bei diesem Gedanken vor Schmerz zerspringen und alle Reize meines Lebens wa­ren verschwunden.

Einige Lage vergingen, während welchen nichts meine tiefe Melancholie zu verscheuchen vermochte. Meine Mut­ter, deren trübe Blicke mir ihre Gedanken verriethen, bot mir keinen Trost dar. Alles ärgerte mich; ich war unge­duldig; ich entzog mich den Besuchen der Madame Korff, und befand mich noch am' behaglichsten, wenn ich allein war. Dann konnte ich weinen, mich in Thränen des Schmerzes und der Liebe baden; mit Freuden sah ich die Blässe meiner Wangen und mein» erloschenen Augen; ich litt schon zu lange, als daß meine Leiden nicht ihrem Ziele nähr ftyn sollten, und ich freute mich darüber. Meine Mutter fing an, besorgt zu werden; sie blieb bei mir; ihre Thränen flössen, aber sie rührten mich nicht mehr. Karls Name allein hätte mich beleben können, aber sie sprach ihn nicht aus. Er schrieb nicht, aber meine Mutter schrieb an ihn. Ohne Zweifel theilte sie ihm ihre Befürchtungen mit, denn kaum konnte er ihren Brief empfangen haben, als er schon in der Residenz, schon bei mir war.

Mein verändertes Aussehen überraschte ihn; ich sah ihn erbleichen, als er mir nahte. Seine Hand zitterte, als er die meinige drückte; er sah mich an; seine ganze Seele sprach aus seinen Augen. Ich fühlte, wie mir das Blut zum Herzen stieg; eine Wolke umnebelte meine Blicke und mein Mund blieh stumm. Ach! in diesem Augenblicke war ich glücklich. Karls Sorge um mich, sein treues, liebevolles Benehmen schenkte mich dem Leben wieder. Ich erholte mich nach und nach, ich war überzeugt, daß ich ge­liebt ward; dieser Gedanke, so tröstend und zerreißend zu­gleich, war für mein Herz ein lindernder Balsam.' Ich ging wieder an meine gewöhnliche Beschäftigung.

(Fortsetzung folgt.)

Proben aus dem noch ungedruckten romantischen Schauspiel:Robert der Teufel."

(Schluß.)

Nachdem Robert der Teufel von dem Eremiten Hila­rio also belehret worden, setzt er seine Wallfahrt fort und gelangt bald in-einen Wald, worin sich eben Astolf, der König von Italien, mit feiner Familie und dem ganzen Hofe auf der Jagd befindet. Zi n t h i a / des Königs Toch­ter, hat sich von dem Gefolge entfernt und erzählt jetzt ih­rer Begleiterin Camilla den sonderbaren Traum der letzten Nacht, welcher in das Ganze des Stücke eingreift und ihre spätere Liebe zu Robert motivirt. Zinthia wird von Räubern überfallen, Robert rettet sie und entflieht darauf, um fich jedem Dank zu entziehen. Das Verdienst dieser Rettung maßt fich jetzt Osorio lügnerisch an und

gewinnt dadurch den König für fich, der ihn mit Zinthia vermählen will. Robert erscheint wieder und wird als Die­ner und Hofnarr von Astolf mitgenommen.

Zu Anfang des dritten Aktes befinden wir uns in den königlichen Gärten Astolfo's. Eine humoristische Scene zwischen Scapa, Osorio's Stallmeister, und Robert leitet diesen Akt ein. In der vierten Scene, welche wir hier den Lesern mittheilen, sehen wir Zinthia und Camilla al­lein. Hier folgt diese schöne Scene:

* Vierter Auftritt.

. Robert, Zinthia und Camilla kommen von der rechten Seite. Die Abendröthe geht allmählig in Dämmerung über. Zinthia.

Welch schöner Abend! Sieh', eS hat der Tag Die Lippen seiner Braut, der holden Nacht,

Der zücht'gen Nacht, schon purpurroth geküßt Und wird nun ba-d an ihrer Brust entschlummern.

-Der Zephyr flüstert leise nur im Hain,

Als . ob er Philomelen seine Liebe,

Sein heimlich Glück an Flora's Brust vertraute,

Daß sie davon ein süßes Lied ihm sänge.

Und sanft gewiegt, im weichen, duft'gen Bette DeS blau und purpurrothen Aethers, ruht Die sonnenmüde, -stillgeword'ne Erde,

Wie eine Biene schläft im Blüthenkelch.

O, selig, wessen Herz so friedlich still Zm weichen Schoos deS innern Friedens ruht,

Zn dessen Seele solch ein Abend waltet.

Camilla.

Wir selber, Herrin, schaffen"in der Brust Der Elemente Kampf und ihren Frieden.

Der unglücksel'ge Wahn, der in dem Narren Dir einen liebenswerthen Prinzen zeigt.

Erregt und nährt allein das Ungewitter,

Das ruhelos Dein Znn'reS jetzt zerreißt.

Du darfst ja wollen nur, so hast Du Frieden.

Zinthia.

Ich wollen? Die in schrecklicher Verwandlung Sich selbst verloren und von einer fremden Streng zwingenden Gewalt getrieben wird?

Camilla.

/ Warum verschmähst Du meinen Rath, dem frommen Hilario Deine Leiden zu vertrauen?

Unheimlich dünkt mich, was Dich jetzt beherrscht,

Unheimlich stammt es aus dem Reich der Träume - Und mächtig über böse Geister ist

Des heil'gen Mannes Rath und Segensspruch.

Zinthia.

Nein! nein! Es zieht mich nicht zum Heiligen.

Hilario würde Wahn und Schmerz mir nehmen.

Der Wahn ist jetzt mein Glück, der Schmerz mein.Leben Und elend wär? ich ohne diesen Wahn Und sterben müßt' ich, fehlte mir der Schmerz. ; V (3m Vorgehen wird sie Roberten gewahr. Schnell zu Camilla.) Geh', hole mir die Laute! Süßer klingen Die Töne nie , als wenn sie auf den Wellen So milder Abendluft sich schaukeln können.

So geh' doch, geh! Mich dürstet nach Musik.