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Behauptung, dass Darmstadt die Fremden unterbringen könne, haben sie die entgegengesetzte Meinung gegenübergestellt, und schliesslich haben sie ihre Betheiligung bei einer etwaigen Naturforscherversammlung in Darmstadt einfach abgelehnt.

Da wir nun ohne die Betheiligung der medicinischen Kreise einer Stadt unmöglich daran denken können, dorthin zu gehen, so haben wir natürlicherweise darauf verzichten müssen, irgend welche weiteren Schritte zu thun. Hoffentlich werden wir in eine solche Lage nicht wieder kommen. Es war mir zunächst zweifelhaft, ob dieser Vorgang erwähnt werden sollte oder nicht. Ich glaube aber, es ist gut, dass wir ihn nicht verschweigen (Zustimmung), dass wir uns der Schwäche, die dort zur Erscheinung getreten ist, bewusst werden, in der Empfindung, dass sie überall vorhanden sein kann, und dass wir selbst mit an ihr Schuld tragen.

Es ist ein Stück Selbsterkenntniss, welches wir uns nicht ersparen sollen.

Ich habe nun ferner einer dringenden Bitte Folge zu leisten, es konnte das auch nicht unterdrückt werden eine kurze Zuschrift des Rectors der Grossherzoglich Technischen Hochschule zu Darmstadt zu verlesen.

Darmstadt, den 12. September 1895.

An den verehrlichen Vorstand der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte.

Der ergebenst Unterzeichnete Rector spricht Ihnen hiermit das leb­hafte Bedauern des Professoren-Collegiums der Technischen Hochschule darüber aus, dass die Ablehnung der hiesigen Aerzte es verhindert bat, die Deutschen Naturforscher und Aerzte für das nächste Jahr nach Darm­stadt einzuladen. Die Behörden der Stadt und die Vertreter der Natur­wissenschaften, die sich hier befinden, waren einstimmig bereit, die Ver­sammlung der Deutschen Naturforscher und Aerzte in Darmstadt zu em­pfangen ; eine ganz besondere Freude und eine Ehre wäre es für unsere Hochschule gewesen, der Versammlung die Räume unserer Neubauten zur Verfügung zu stellen. Der Verein Darmstädter Aerzte hat leider seine Beihülfe gänzlich versagt, trotz aller unserer Bemühungen, denselben zu einem günstigen Beschlüsse zu veranlassen.

Wenn die Versammlung im nächsten Herbste in Frankfurt am Main stattfinden wird, dürfen wir vielleicht hoffen, die Deutschen Naturforscher und Aerzte dennoch hier in unserer Hochschule begrüssen zu können; wir werden die Frankfurter Geschäftsleitung alsdann bitten, in ihr Pro­gramm den Besuch der neuen Gebäude der Technischen Hochschule zu Darmstadt aufnehmen zu wollen.

Der Rector

der Grossherzoglichen Technischen Hochschule zu Darmstadt,

Dr. Richard Lepsius.

Verehrteste Herren! Das Resultat, wie ich es Ihnen habe mittheilen müssen, haben wir erst unmittelbar vor dem Beginn der hiesigen Ver­sammlung erhalten. Herr von Ziemssen, der die Güte hatte, die letzten Verhandlungen zu leiten, bekam erst am Sonntag hier in Lübeck eine Nachricht von dem Herrn Oberbürgermeister, dass er unter den obwaltenden Umständen leider bitten müsse, auf Darmstadt zu verzichten. Nun hat