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§ 8. Alle Beschlüsse, mit Ausnahme derjenigen über die Erhöhung der Beiträge, sowie Uber die Abänderung und Ergänzung des Statuts, die Auflösung der Gesellschaft oder die Vereinigung mit einer anderen Gesellschaft, worüber in § 3 und in §§ 20—21 die näheren Bestimmungen getrolfen sind, erfolgen durch absolutes Mehr der abgegebenen gültigen Stimmen. Dasselbe gilt von den Wahlen.
Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden.
§ 9. In den Geschäftsversammlungen der Gesellschaft leitet der Vorsitzende die Verhandlungen, bestimmt die Reihenfolge der zu erledigenden Gegenstände und Abstimmungen und die Art der letzteren. Dabei ist ein Protokoll zu führen, welches nur die Resultate der Verhandlungen zu enthalten braucht, dasselbe ist nach dem Verlesen vom Vorsitzenden und von denjenigen Mitgliedern des Vorstandes, welche anwesend sind, und zwar bei Neuwahl des Vorstandes von dem alten und neuen, zu vollziehen und hat in dieser Gestalt für alle Mitglieder beweisende und verbindliche Kraft.“
Das wären die Normen, nach denen wir uns zu richten haben.
Der erste Gegenstand der Tagesordnung würde ein Geschäftsbericht und Kassenbricht über das Vorjahr sein. Dieser Bericht ist Ihnen bereits im Bericht des Vorstandes gedruckt mitgetheilt worden. Ich frage unseren Herrn Schatzmeister, ob er hierüber noch besondere Eröffnungen zu machen gedenkt. (Pause — Der Schatzmeister verneint dies.)
Wie wir gegenwärtig in Bezug auf unser Vermögen stehen, habe ich mir erlaubt, bereits vorgestern in meinem Berichte mitzutheilen, so dass diese Thatsachen Ihnen wohl bekannt sind.
Das zweite Geschäft ist die Bestimmung des nächstjährigen Versammlungsortes.
Ich muss ein wenig zurückgreifen auf die Wiener Versammlung, wo ich, als ich den Vorschlag machen konnte, Lübeck für dieses Jahr zu bestimmen, gleichzeitig mitzutheilen im Stande war, dass die Vorverhandlungen auch für die nächsten Jahre schon die Aussicht auf bestimmte Einladungen ergeben hätten. Das war ja auch in die Zeitungen gekommen und hat zu theilweise recht unliebsamen Erörterungen geführt. Ich habe damals mitgetheilt, dass wir für 1896 Darmstadt ins Auge fassen könnten. Ich hatte mich, wie es natürlicher Weise nicht anders möglich ist, an einen dortigen Freund mit der Anfrage gewandt, ob Darmstadt Aussicht biete, uns aufzunebmen. Mir wurde die Antwort, dass es für 1895 nicht möglich sei, da die Neubauten des Polytechnicums, mehrerer Institute und des Krankenhauses noch nicht vollendet seien und erst im Herbst, im October 1895, bezogen werden könnten. Man könne deshalb vor 1896 die Versammlung nicht aufnehmen. Aber dann, so schrieb man weiter, sei die Stimmung in den maassgebenden Kreisen durchaus günstig, man werde sich sehr geehrt fühlen und dergleichen mehr. Nun, darauf haben wir mehr oder weniger bestimmt gerechnet. Als wir aber in diesem Jahre dort wieder nachfragten, hat sich ergeben, dass wir, d. h. ich, vielleicht einen falschen Weg eingeschlagen, dass wir gewisse Empfindlichkeiten nicht gekannt und deshalb auch nicht berücksichtigt hatten. Während die Stadt Darmstadt durch ihren Bürgermeister, ihren Rath und ihre Stadtverordneten-Versammlung erklärt hat, dass sie sehr gerne bereit sei, die Naturforscher-Versammlung bei sich aufzunehmen, und vor allen Dingen die naturwissenschaftlichen Kreise dasselbe ausgesprochen haben, haben sich leider die medicinischen Kreise unbedingt ablehnend verhalten. Der