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Dr. Emil Teenkle, in Waldkirch im badischen Schwarzwalde geboren, wurde mit seiner Familie durch die Wirren des Jahres 1849 nach Nordamerika verschlagen. Er und sein Bruder ernährten sich dort zunächst durch Musikunterricht, welcher bald so viel abwarf, dass abwechselnd immer der Eine von ihnen auf Kosten des Andern für einige Jahre nach Deutschland zurückkehren konnte, um die jäh unterbrochene Ausbildung zu vervollständigen. So ging Emil Teenkle zur Beendigung seiner medicinischen Studien nach Würzburg. Dort gehörte er zusammen mit unserm ersten Vorsitzenden des Jahres 1891, Wilhelm His, einem Kreise ernster junger Männer an, welche mit hingebendem Eifer dem Studium der Wissenschaften lebten und in ihrem jugendlichen ruhmgekrönten Lehrer Rudolf Viechow ihren geistigen Mittelpunkt verehrten. His schildert Teenkle als einen ungewöhnlich ernsten und zuverlässigen Freund, den ein schon vielbewegtes Leben mehr als die Uebrigen gereift hatte, und der sich unter Allen durch eine beneidenswerthe Ruhe und Solidität der Arbeit auszeichnete. Dr. Teenkle ist daun lange Jahre in San Francisco als praktischer Arzt thätig und in den Kreisen der dortigen Deutschen um seiner stillen Tüchtigkeit willen hochangesehen und Manchem der Besten unter ihnen nahe befreundet gewesen. Einer der letzteren schrieb uns: „Teenkle war einer jener seltenen Menschen, an die sich niemals auch nur der Argwohn leisesten Makels heran wagt“. Die letzten Jahre hat er infolge körperlicher Leiden in freiwillig gesuchter Zurückgezogenheit gelebt und seine Praxis allmählich aufgegeben. Mit His ist er noch in gelegentlichem, mit Viechow in ständigem brieflichem Verkehre geblieben. Als er den letzteren um seinen Rath anging, wie er — der nie verheirathete und ohne lebende Verwandte allein stehende Mann — die eine, nicht zu Legaten an Pflegerin, Freunde und seine schwarzwälder Heimathsgemeinde verwendete Hälfte seines in saurer Arbeit und weiser Bedürfnisslosigkeit erworbenen Vermögens der deutschen Wissenschaft zuwenden könne, hat ihm dieser unsere Gesellschaft als die passendste Erbin bezeichnet.
Als die Nachricht von dieser unserer Erbschaftseinsetzung den Vorstand erreichte, haben wir durch unseren Rechtsbeistand mit freundlich gewährter Beihülfe der consularischen Vertretung des Reiches in San Francisco sofort die zur Sicherung unserer Rechte nöthigen Schritte gethan und dürfen nun erwarten, dass wir mit dem Ablauf der in Californien gesetzlich bestimmten Frist für Erbschaftsregulirungen im Laufe des Jahres 1896 in den Besitz des grössten Theiles des uns zugedachten Capitales kommen werden. Dasselbe wird, den Wünschen des Erblassers entsprechend, als Trenkle-Stiftung gesondert verwaltet werden. Nach einer ausdrücklichen Bestimmung des Testamentes sollen die Herren Heemann v. Helmholtz und Rudolf Viechow die Verwendungsweise der Erträgnisse näher bestimmen. Der Erstere ist uns im Sommer 1894 bereits entrissen worden, Herr Viechow dagegen hat sich bereit erklärt, dem ihm gewordenen Aufträge nachzukommen, sobald die Angelegenheit geschäftlich geordnet ist.
Dem treuen deutschen Manne aber, der in vierzigjährigem Leben in der Fremde nichts von seiner heissen Liebe zum Vaterlande und zur deutschen Wissenschaft verloren hat, werden wir treues Gedenken bewahren.