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Das Jahr 1895 hat in der Organisation der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte zwar keine wesentlichen Aenderungen gebracht, wohl aber die Nothwendigkeit einiger Ergänzungen und genaueren Inter­pretationen zur Geschäftsordnung ergeben. Bei der Neuheit der letzteren sie trat gelegentlich der Nürnberger Versammlung 1893 zum ersten Male in Kraft kann es nicht auffallen, dass ihre Prüfung in nun zwei­jähriger Anwendung einige Lücken und Unklarheiten gezeigt, welche den Vorstand in seinen Sitzungen vom 16. April und 15. September be­schäftigten und ihre verfassungsmässige vorläufige Erledigung seitens des wissenschaftlichen Ausschusses unter dem 15. und 18. September gefunden haben. Die Ergebnisse dieser Berathungen werden in diesem Berichte unter dem TitelMittheilungen aus den Beschlüssen des Vor­standes und des wissenschaftlichen Ausschusses zur Kenntniss der Mit­glieder gebracht.

Ueber die Finanzgebahrung giebt derKassenbericht, über die Zahl der Mitglieder das Verzeichniss derselben Auskunft.

Noch immer hat diese Mitgliederzahl bei weitem nicht die der Ge- sammtheit deutscher Naturforscher und Aerzte entsprechende und für die voll befriedigende Lösung der Aufgaben der Gesellschaft wünschenswerthe Höhe erreicht. In der ersten allgemeinen Sitzung der Lübecker Versamm­lung 9 hat sich der Unterzeichnete über diese Verhältnisse und ihre Ur­sachen eingehend ausgesprochen. Er erneuert auch hier wieder die Bitte an alle unsere Mitglieder: dafür sorgen zu wollen, dass die ganz unge­rechtfertigte und kurzsichtige Gegnerschaft oder die gleichgültige Nicht­beachtung in uns nahestehenden Kreisen mehr und mehr überwunden werden, damit die Gesellschaft durch Zahl und Bedeutung ihrer Ange­hörigen zu jener Stellung und Macht im geistigen Leben unserer Nation gelange, welche sie im Interesse der von ihr vertretenen Sache erreichen sollte.

Da dieses Ziel auch die Verfügung über grössere Geldmittel zur Voraus­setzung hat, so befinden wir uns gegenwärtig, und wohl auch noch für eine Reihe von Jahren hinaus, im Stadium der Ansammlung eines Ver­mögens, welche den Umständen nach befriedigende Fortschritte macht. Hocherfreuliche Beihülfe dazu stellt uns der erstmalige Anfall einer be­deutenden Erbschaft in nahe Aussicht.

Der im Januar 1895 in San Francisco in Californien verstorbene deutsche Arzt Dr. Tkenkle hat uns testamentarisch eine Summe von 25000 Dollars überwiesen.

1) Verhandlungen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte 1895. I. Theil S. 1828.

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