Immer würdigen Schritten. Bet allen dem blieb die Stadtkasse nicht verschont. Einige Mal wurden große Summen, viele Tausend Gulden auf einmal verwendet, scheinbar um Jnventarstücke über ihrem Werthe von den Unternehmern abzukaufen, in Wirklichkeit aber, um diese und die Anstalt selbst vor dem Untergang zu retten; ste mochten solche Großmuch verdienen, denn nur zum kleinen Theil waren die üblen Umstände ihre Schuld. Außerdem nahmen die fortlaufenden Sraatsunterstützungen, welche zur rechten Zeit in geringem Betrage gewährt, die Aktiengesellschaft erhalten hätten, von Jahr zu Jahr zu und stiegen zuletzt bis auf ff. 16,000 jährlich. Dennoch brach eine verderbliche Krists herein und die ganze Theateranstalt wäre zusammengestürzt, wenn nicht der von wohlwollenden Bürgern gehobene und getragene Math und das einträchtige Zusammenwirken der Mitglieder des Theaters dieses noch so lange aufrecht erhalten hätte,, vis es dem Gemeinsinn der Bürgerschaft gelungen war, die frühere glücklichere Bahn wieder zu betreten, welche man nie hätte verlassen sollen. Es bildete sich eine neue Aktiengesellschaft auf breiterer Grundlage mit freisinnigeren Anschauungen. Das Theater hatte nun wieder einen verlässigen Schutz und Schirm und die öffentliche Theilnahme für dasselbe wuchs. Seine Führung war, im Ganzen betrachtet, würdig gehalten, der höheren Aufgabe sich bewußt, und seine Leistungen, wenn auch nicht stets von gleichem Werthe und bei manchen, wie in allen Dingen nicht fehlenden, Unvollkommenheiten dennoch recht tüchtig und von künstlerischer Bedeutung.
Wenn nun bet bevorstehendem Ablaufe der Bertrags- zeit der Stadt mit der Theater-Aktiengesellschaft beabsichtigt wird, jene auf weitere sechs Jahre zu verlängern, und der Senat einen Staatsbettrag von im Ganzen fl. 13,000 jährlich in Anspruch nimmt, so können wir Beides nur befürworten, indem wir hervorheben, welche Gegenleistung, abgesehen vom unentbehrlichen Bestand eines guten Theaters, unsere Stadt dafür erhält. Diejenigen fl. 10,000, welche unmittelbar in die Theaterkasse fließen, sind zunächst bestimmt zur Unterhaltung und Vermehrung des Inventars an Dekorationen, Garderobe, Büchern, Musikalien u. s. w. Alles Angeschaffte, die Gesellschaft mag noch so viel Geld daran gewendet haben, und sicherlich reichen jene fl. 10,000 nicht hin, geht für immer in das Eigenthum der Stadt über und die Aktiengesellschaft besitzt nach Ablauf ihres Vertrages gar nichts, als was ihr glücklichen Falles von dem zusammenge- schoffenen Betriebskapital von fl. 34,000 noch übrig geblieben ist. Der Stadt verbleibt dagegen eine vollständige, jeden Augenblick verwendbare Theatereinrichtung. Der letzte Unternehmer empfing den wett höheren Staatsbeitrag ohne derartige Gegenleistung; das ganze Inventar ging in sein Eigenthum über und die Stadt mußte es ihm bet seinem Abgänge um fl. 28,000 abkaufen, wollte sie nicht die Theatervorstellungen unterbrochen und erst nach viel Zeit und Geld kostenden neuen Anschaffungen möglich gemacht sehen.
(Schluß folgt.)
Der projektirte Bau des neuen Bürgerhospitals in Frankfurt a. M.
Wenn man die Bevölkerungszunahme in Frankfurt während eines Zeitraums von 100 Jahren erblickt, so darf man sich nicht wundern, daß z. B. der alte Friedhof in jetziger Zeit kaum einige Jahre ausreichen dürfte, um die Verstorbenen aufzunehmen, während derselbe einige Jahrhunderte hindurch diesem Zwecke entsprach. Warum sollte dies nicht mit einem vor beinahe einem Säkulum erbauten Hospital der Fall sein?
Welche Erfahrungen haben sich während dieses langen
Zeitraums für die Pflege der Kranken und die Einrichtung derjenigen Räume, worin dieselben verpflegt werden, ergeben. Große luftige Krankenzimmer, die zweckmäßigste Einrichtung für Heizung, gehörige Ventilation, ein Aufentbalrsorl im Freien und bei dem Eintritt von schlechtem Wetter, diesen ersetzende Corridore, das sind eben doch für die Krankenpflege, neben den Medikamenten selbst, wohl za berücksich- tigende Punkte.
Und diesen meisten Punkten entspricht oas von 1772 bis 1779 erbaute Bürgerhospital nicht mehr uno zwar eben so, wie es dem Raum nach nicht mehr geeignet ist, als Anstalt für die Bürger einer Stadt zu gelten, wie Frankfurt ist. Was ist ein Krankenhaus für Frankfurt, welches kaum Platz für 100 Kranke bietet; Wir wollen nur annehmen, es entstünde eine Typhus-Epidemie, wie wir ste ihm Jahre 18l3 hatten, so würde der Fall eintreten können, daß die Räumlichkeiten des Bürgerhospitals bald erschöpft wären und mancher Bürger dadurch gezwungen sein, ärztliche Hülse in einer anderen hiesigen Anstalt zu suchen.—
Gehen wir weiter, so sehen wir uns im BürgerhoSpi- tal vergebens nach einzelnen Krankenzim mer n um, wie ste z. B. im Hospital z. heil. Geist zur Verfüg ing stehen, was in einem Krankenhause um so notbwen'diger ist, als gewiß unter so vielen im Jahre Verpflegten Klankhei- ten Vorkommen, welche mit Rücksicht auf die andern Kranken eine Trennung nothwendig machen. —
Soviel auch von Seiten der Bürgerschaft durch großartige Vermächtnisse für dieses Hospital zunächst in den ersten Decennten seines Bestehens geschehen ist, scheint der Fond desselben doch nur die Höhe erreicht zu haben, um aus dessen Früchten den heutigen gesteigerten Aur'orderungru genügen zu können. — Die Zufl isse durch Vermächtnisse eines Bcthmann, Meermann, Schiller und einer Klotz haben allerdings das Stiftungskapital in der Art vermehrt, daß die Verpflegung von 600 bis 700 Kranken in einem Jahre, ohne das Kapital selbst anzugreisen, bewerkstelligt werden kann, wie die 40. Stiftungsnachricht vom Jahre 1359 zeigt, wo nach Bestreitung aller Verpflegungsküsten nur fl. 843 33 kr. übrig blieben. Daß aber hiernach an einen erheblichen Anwachs des Vermögens nicht zu denken ist, ist begreiflich.
Wir können nur den Wunsch noch aussprechen, daß es der Verwaltung der von Senckenberg für seine Vate-- ftadt geschaffenen Zufluchtsstätte kranker Bürger baldigst gelingen möge, im Sinne ihres Stifters ein Vorhaben zu verwirklichen, welches wiederholt Zeugniß g.bt, daß die Sorge um das Beste des Menschen nicht erlahmt ist.
Lokalberichte.
Herr M May hat bei den jüngsten Budgetberathungen einen Antrag gestellt, der leider ohne Unterstützung blieb, well er von zwei Seiten her auf eine seltsame Weise angegriffen wurde, wir meinen den Antrag, den Senat darum zz^ ersuchen, daß er dafür Sorge tragen möge, daß die Straßen der Stadt nicht mehr zur Schweineschlacht und die Trottoirs, oder vielmehr die Seiten der Häuser, welche denselben zugekehrt sind, nicht mehr zum Aufhängen geschlachteten Viehs gemißbraucht werden. Wenn Herr Dr. Juchv meinte, eine solche Anordnung könne der s. g. „Bürgerschlacht" Abbruch thun, oder wenn Herr Dr. Frtedleben Nachweisen zu müssen glaubte, der Antrag habe eine Geschichte und diese führe auf eine, von dem Richter abgewiesene Klage über den betreffenden Gegenstand zurück; so können wir in beiden Bemerkungen doch wahrlich keine Gründe gegen de» Manschen Antrag erblicken. Ein verlorener Prozeß kann uns auf die Mangelhaftigkeit von Gesetzen und Verordnungen wohl aufmerksam machen und uns zu Verbefferungsarr-