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Durch die vollstäirdige Ausführung des gedachten Planes wurde bereits Vieles erreicht. Die längs des Hauptgebäudes, welches die meisten Krankenzimmer enthält, hingelaufene ganz schmale ehemalige Radgasse störte vielfältig die Kranken und die nothwendige Hausordnung; eine zusanunenhängende Reihe kleiner starkbewohnter Häuser gegenüber raubten Luft und Licht, und gar manche Bewohner derselben unterhielten einen kaum zu hindernden schädlichen Verkehr mit Kranken und Wärtern, da sie sich in die nahen Fenster sehen und mit einander selbst leise sprechen konnten; die Häuschen sind verschwunden, das enge Gäßchen ist nach außen abgesperrt, verbindet, zum Spitalhofe gezogen, den durch dasselbe getrennt gewesenen Grundbesitz zu einem Ganzen und ist für das Publikum reichlichst ersetzt durch die neuangelegte breite Senckenbergstraße und den gleichfalls neuen oberen breiten Theil der Brönnerstraße, wie denn auch die Bleichstraße breiter und frei geworden ist. Der vormalige Bleichgarten ist zu einem schönen Krankengarten angelegt, ein nicht hoch genug zu schätzendes Besitzthum für ein Krankenhaus, welches mitten in der Stadt liegt und grade ganz besonders in langwierigen Krankheiten und von alten Leuten ausgesucht wird. Der frühere Aufenthalt der Kranken im schattenlosen, dem ganzen Publikum offen stehenden botanischen Garten war für beide Theile störend, unangenehm und nur zum Nothbehelf wenig benutzt.
Daß die Ausführung des Planes dem Stiftungsvermögen 60,000 Gulden kostete, konnte im Hinblick auf das Erreichte nicht gereuen: es war ja dieser Stiftung auf die kommenden Zeiten der unschätzbare Grund und Boden gesichert und damit die Basis für ihre Entfaltung gewonnen.
Bei diesem schönen Besitze wird aber leider die Unzulänglichkeit und Mangelhaftigkeit der noch bestehenden baulichen Einrichtungen von Tag zu Tag immer peinigender empfunden. Zwar hat in unserem Hospital die Zahl der aufgestellten Betten bisher in der Regel noch hingereicht, alle darum nach- suchende Kranke aufzunehmen; dennoch ist es unleugbar, daß auch, abgesehen von möglicherweise eintretenden Epidemien, selbst in gewöhnlichen Verhältnissen die jetzigen Räume bei weitem nicht genügen.
In einem Krankenhause darf nicht jeder Belegraum ohne Weiteres benutzt werden, Männer und Weiber, Kinder und Erwachsene, äußerlich und innerlich Kranke, Augenkranke, schwere, delirirende und leichte Kranke, ansteckende und nicht ansteckende, Abscheu erregende u. s. w. sind zu trennen, für alle verschiedenen Gattungen die erforderlichen Räumlichkeiten stets bereit zu halten, und die gerade teeren Räume der einen Gattung dürfen nicht hingegeben werden für Andrängende aus einer anderen; überdieß darf es an Reservesälen nicht fehlen, denn höchst nöthig ist es, abwechselnd einen um den anderen längere Zeit ganz leer stehen zu lassen. Von allen diesen Erfordernissen eines guten Krankenhauses ist in unserm Bürgerhospital nicht die Rede und täglich entstehen daher Verlegenheiten.
Die Hälfte der Krankensäle fast sind niedrige Mansarden mit Fenstern nach zwei und drei Seiten, je zwei Säle ineinandergehend; Vorplätze und Gänge sind verbaut; aus dem Vorderbau kann man