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worden, zahlreiche Kranke zu verpflegen und durch hinzugefügte besondere Stiftungen alten Leuten eine behagliche Zuflucht bis an's Lebensende zu gewähren. So konnte denn das Krankenhaus schon bald dahin gelangen, jeden Aufnahme suchenden Bürger und Beisassen ohne Nachweisung seiner Bedürftigkeit in die möglichst beste Pflege zu nehmen, und hat der Staat dafür seit nahezu hundert Jahren nicht die geringste Beihülse zu leisten gehabt. Während im Jahre der Eröffnung 1778 — 1779 für das Hospital 1070 Gulden ausgewendet wurden, betrugen die Ausgaben in den Kriegsjahren 1795— 1798 schon fl. 11,000 — jährlich; es konnten in dem durch Kriegstyphus heimgesuchten Jahre 1812—1813 fl. 26,260, in dem Hungerjahre 1816 —1817 fl. 27,447 und in den letzten gewöhnlichen Jahren zwischen fl. 28,000 und fl. 30,000 jährlich für die Zwecke der Stiftung ausgegeben werden.
Andauernde beständig steigende Verlegenheiten traten aber seit den zwanziger Jahren hinsichtlich der baulichen Einrichtungen der Stiftungsgebäude aus. Wegen der steten Zunahme der Krankenzahl wurden an den: nach dem ursprünglichen Plane des Stifters eingerichteten Gebäude fortwährend kleinere Veränderungen vorgenommen; dessenungeachtet reichten, obschon die Mittel zur Verpflegung vorhanden waren, die Räumlichkeiten nicht aus zur Ausnahme aller darum Nachsuchenden, und entnahm deßhalb die Administration im Jahre 1828—1829 dem Kapitalvermögen fl. 15,905. 16 kr. zu neuen Anbauten und ausgedehnteren Einrichtungen, wie sie noch jetzt bestehen.
Aber nach geschehener Ausführung erkannte man recht, wie wenig geeignet es war, ein für ein geringeres Bedürfniß und geringere Leiftungskraft passendes kleines Krankenhaus in ein größeres umzuwandeln; in jenem nicht vorhanden gewesene Mängel traten in diesem nun hervor, und man war weit davon entfernt, auch nur einem Theile jener Forderungen zu genügen, welche die mächtig fortgeschrittene Kenntniß und Einsicht jetzt an Krankenhäuser macht. Da nun auch in den 1840°* Jahren die jährlichen Einnahmsüberschüsse nicht unbedeutend wuchsen, erachtete es die Administration für ihre Pflicht, nicht sowohl das zinstragende Vermögen fort und fort zu vergrößern, sondern vielmehr die Anstalt möglichst zu vervollkommnen. Das dringendste Bedürfniß war, die getrennten Theile des Grundbesitzes zu vereinigen, ihn durch Erwerbuug des dazwischen liegenden fremden zugleich auszudebnen und zu einem geschlossenen Ganzer: abzurunden, um dann später neue größere Anbauten ungehindert errichten zu können. Der mit Umsicht angelegte Plan zur Erreichung dieses nächsten Zweckes gelang, durch benutzte Umstände begünstigt, überaus glücklich. Zugleich wurde im Innern unserer Stadt eine schöne freie Anlage mit breiten luftigen Straßen und sehr zweckmäßigen neuen Verbindungswegen geschaffen. Wenn zur Erreichung auch dieses zweiten dem allgemeinen Besten gewidmeten Zieles nicht ganz geringe Opfer aus dem Stiftungsvermögen gebracht werden mußten, so glaubte es die Administration in: Sinne und Geiste des vortrefflichen Stifters thun zu dürfen, der seine reine Liebe und unbegrenzte Hingebung an die Vaterstadt in Allem, was er gesagt, verordnet und gethan hat, so edel kundgab.