Sette 10
Frankfurter General Anzeiger, rdtenstag. den 26. Februar I907
Nr. 48
hinab und st a r b am selben Abend an dem erlittenen Lckädelbruch.
Er war die e r st e Leiche, die in seinem neuen anatomischen Theater seziert wurde.
So diente er noch im Tode mit seinem Körper der Wissenschaft, die er mit ganzer Seele geliebt hat.
Wie Kleinmut und Mißgunst richtig prophezeit hatten: er erlebte und erntete nicht, was er hossnungsvoll gepflanzt hatte. Zwischen Lipp und Kelchesrand trat ihn der Tod an, und, als Leiche den Betrieb seiner medizinischen Werkstatt eröffnend, blieb ihm auch das Glück versagt, die Erfüllung seiner 20 jährigen Opfer und Wünsche zu schauen.
Hatte er nicht recht, als er auf die von ihm gestiftete Sonnenuhr im Stiftungsgarten schrieb: „Me sol, vos itrnbra regit"? (Mich leitet die Sonne, Euch die Dunkelheit!)
Doch Senckenöerg war kein kleiner Mann, der nur das Nahe und Greifbare schätzte. Als einer von seinen Kollegen ihm mit Kollegenfreundlichkeit sagte: er sei schon alt und werde das wenigste von seinen Stiftungen erleben, antwortete er mit Virgils Versen: „Gut, dann mögen die Enkel sich des von mir gevslanzten Obstes erfreuen! Ich wünsche Segen der Vaterstadt und den Nachkommen!"
Und beute segnen die Nachkommen und die Vaterstadt das Andenken Senckenbergs!
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
18. Sitzung vom 2 3. Februar, 11 Uhr.
Am Ministertische: Delbrück.
Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Jnterpellatiouen über das Redeuer Grubenunglück. Zur Begründung der vom Zentrum eingebrachten Interpellation erhalt das Wort
Abg. Marx (Zentr.): So betrübend das Unglück auf der Grube Reden ist, so gibt cs doch auch hier einige Lichtblicke: die besonnene Haltung der Bevölkerung, wie der Bergleute selbst uud die Tapferkeit und der Mut der Rettungsmannschaft. Einem Manne müssen wir aber auch von dieser Stelle aus danken: dem Herrn Oberberghaupt- mann von Velsen. (Bravo!) Daß die Regierung die größten Anstrengungen gemacht hat, erkennen wir gern an. Nachlässigkeiten sind auf der Grube Reden doch vorgekommen, von fünf Einfahrern sind uur drei pünktlich cingefahren, zwei dagegen zu spät, diese sind freilich der Verantwortung entzogen, sie sind mit verunglückt. Beamte und Steiger sind nicht verunglückt. Die letzten Ursachen des Unglücks werden sich ja nie feststellen lassen. Ich erkenne an, daß sofort nach dem Unglück vom Gericht Vernehmungen in Abwesenheit von Vorgesetzten augeordnet worden sind. Dadurch ist festgestellt, daß am Tage vorher schon Anzeichen von schlagenden Wettern vorhanden waren, merkwürdigerweise ist davon keine Anzeige gemacht worden. Bei Anwendung von elektrischen Lampen hätte das Unglück nie einen so großen Umfang annehmen können. Die Vertrauensleute müßten mit den Bergarbeitern in direktem Verkehr stehen, damit das Mißtrauen der Arbeiter besiegt wird. An der Berieselung scheint es bei der Redeuer Grube auch gefehlt zu haben. Bei dem Unglück hat sich die Großherzigkeit unseres obersten Bergherrn wieder gezeigt, ihm müffen wir Dank dafür sagen, wie auch allen denen im Jnlaude und Auslände, die mit ihrer Hilfe nicht gezögert haben. Vielleicht aber könnten wir dieses Unglück auch zum Ausgangspunkt nehmen, um einen Fonds aus Staatsmitteln zu gründen, auf den wir in außergewöhnlichen Fällen znrückgreifeu können. sB eifall.)
Handelsminister Delbrück: Ich danke den Herren Interpellanten, daß sic mir Gelegenheit gegeben haben, das Unglück zu besprechen, und für die versöhnliche Art, in der sie vorgingen. Bei Unglücksfällen kommen Revierbeamte und Staatsanwalt in Betracht. Zumeist führen die ersten Untersuchungen die Revierbeamten, weil sic schneller an Ort und Stelle sind. Zu meiner Freude fand ich bei meiner Ankunft in Reden auch schon den Staatsanwalt vor. Deshalb ist auch die Sache schon soweit geklärt, daß ich.die Fragen der Herren Interpellanten im großen ganzen beantworten kann. Das Unglück hat sich xreignet nach einem Feiertage am Morgen, nachdem die Vorfahrer gemeldet, daß alles in Ordnung sei. Bald aber wurde bekannt, daß sich ein Unglück durch schlagende Wetter ereignet habe. Eine Anzahl Beamter fuhr ein, cs wurden sofort Maßregeln zur Rettung etwa noch Lebender getroffen. Den Vorführern, zunächst den Wettcrfahrern, liegt ob, zu untersuchen, ob das Befahren der Grube gefahrlos ist. Fest steht allerdings, daß ein Wettermann erst um 4 Uhr 50 Minuten eingefahren ist, auch der andere mit einer halben Stunde Verspätung. Als Ursache des Unglücks ist die Explosion schlagender Wetter anzuseheu. Vorher, das ist durch Zeugen festgestellt, waren Schlag- ken. Die betreffenden Beamten kann
wenn die Wetterfahrer vor Beginn der Arbeit ihre Schuldigkeit tun. Die Wetterstrecke ist ja schwer in Ordnung zu halten, es ist aber durch Beamte festgestellt, daß der erforderliche Querschnitt vorhanden war. Dauernd waren acht Mann mit der Beaufsichtigung der Wetterstrecke beauftragt. Es ist ferner festgestcllt, daß die Temperatur zwischen 21 und 28 Grad geschwankt hat, erst nach dem Unglück ist sie auf 29 Grad gestiegen. Ich glaube also fcststellen zu können, daß die notwendigen Sicherheitsmaß- regcln vorhanden waren. Natürlich ist eine Revision geboten, ob nicht noch weitere Verbesserungen möglich sind. Es sind auch schon neue Anordnungen getroffen, besonders wegen sorgfältigster Auswahl der Wettermänner. Sie sind n. a. auch angewiesen, sich sechs Stunden vor Beginn ihres Dienstes des Alkoholgenusies zu enthalten. Es wird noch zu prüfen sein, ob der Dienst der Wettermänner etwa noch anders zn gestalten ist. Vielleicht ist ihnen noch ein Beamter beizugeben. Ebenso wird die Frage zu prüfen sein, ob der Steiger zuerst oder zuletzt entfahren soll. Auf die Details über die Grubenlampen will ich nicht eingehen. Dann ist bemängelt worden, daß keine Erkennungsmarken cingcführt sind. Das liegt an dem Aberglauben der Bergleute selbst, die sie nicht wollen. Ein großer Teil der Leichen war in einem Zustande, daß das Erkennen der Person außerordentlich schwer war. Ich komme noch auf die Frage der Arbeiterkontrolleurc. Die Herren dürfen sich darüber nicht täuschen, daß, wenn überhaupt Fehler gemacht worden sind, sie nicht von Beamten, sondern von Arbeitern gemacht wurden. Wir können die schönsten Einrichtungen treffen, die Unvollkommenheit des Menschen wird uns doch einen Strich durch die Rechnung machen. (Sehr wahr!) Der Ansicht kann ich nicht bei- pflichten, daß den Wünschen der Vertrauensmänner seitens der Beamten nicht entsprochen würde. Der Bergmann, besonders im Saarrevier, ist intelligent,, und er hat keine Scheu, den Vorgesetzten seine Wünsche darzulegen. Wie die Protokolle erweisen, haben sich die Verhandlungen zwischen Vertrauensleuten und Verwaltung stets im Rahmen des gegenseitigen Entgegenkommens vollzogen. Dieses Institut kann aber nur dann und dort gedeihen, wo die Arbeiter mit Ruhe und Vertrauen zu ihren Vorgesetzten an die Arbeit gehen. Mit Zwang kann man hier nicht vorgehen, denn die Entwicklung ist in den verschiedenen Teilen Deutschlands sehr verschieden. Selbstverwaltung erfordert ein ungewöhnliches Maß von Selbstzucht. Je mehr sich diese steigert, werden auch die Arbeitgeber den Wünschen der Arbeiter entgegenkommen. Einen Zwang auf Einführung von Arbeiterkontrolleurcn, wie er gewünscht wird, kann ich nicht ausübcn. Herrn Marx wäre ich dankbar, wenn er mir weitere Zeugen nennt, die Aufklärung über das Unglück noch geben können. Beamte und Arbeiter haben sich, das will ich hier noch hcr- vorheben, bei dem Rettungswcrk unerschrocken benommen. Für die ihres Ernährers beraubten Voll- und Ganzwaifen werden Renten bezahlt, ebenso für die Witwen. Es wird natürlich auch dafür gesorgt werden müssen, daß die ihres Ernährers beraubten Familien wirtschaftlich nicht zurück- kommeu. Dafür muß der Staat cintreten, am zweckmäßigsten wohl durch jährlich zn zahlende Beiträge, die auf den Etat übernommen werden müssen. Ich bin der Ansicht, daß das Redencr Unglück Veranlassung geben mutz, auch alle ähnlichen Fälle ebenso zu regeln, wie es in dem Redener Fall geschehen soll. (Beifall.) Die private Hilfstätigkeit zu organisieren, ist nicht Sache des Staates. Vielleicht ließe sich ein Fonds für die Saarbergleute schaffen. Jedenfalls will ich allen Spendern vom Jnlande und Anslande den besten Dan! auch von dieser Stelle aussprechen. (Beifall.)
Auf Antrag des Abg. Dittrich (Zentr.) wird die Besprechung der Interpellationen beschlossen.
Abg. Stockmann (kons.) scheint den Ausführungen des Ministers zuzustimmen. Da er unausgesetzt zum Ministertische gewendet spricht, bleibt er auf der Tribüne uuver- stündlich.
Abg. Brust (Zentr.): Ich gebe zu, daß man nicht alles schablvnisieren kann. Zn bedauern aber ist es, daß die bergbaupolizeilichen Bestimmungen soweit auseinandcrgchen. Ich meine, die Arbeiter sind zu vertrauensselig gemacht worden. Das Redener Unglück ist wohl dadurch herbeigeführt worden, daß die Wetterfahrer zu spät eingefahren sind. In Arbeiterkreisen nimmt man an, daß zu große Sparsamkeit geübt wird. So sind die Bergleute bei der Berufsgenossenschaft in der Gefahrenklaffe II a, während sie der Gefährlichkeit ihrer Arbeit wegen in einer höheren Klaffe fein müßten. Aber es ivird eben gespart. Am allgemeinen ist Vorschrift, daß jede Grubenabteilung einen besonderen Wetterstrom haben soll. Die Unglücksabtciluug scheint mir keinen besonderen Wetterstrom gehabt zn haben. Man muß sich doch auch fragen, wie konnte sich in der Abteilung soviel Kohlenstaub ansammeln, daß cs zu einer Explosion . kommen konnte. Man hat auch vorher nicht berieselt: deshalb konnte das Unglück so große Dimensionen annehmen. Dem Herrn Minister hat man mitgeteilt, daß die Kontrolleure zuverlässige Leute gewesen seien. Man muß fragen, nuß^im wurden die Arbeiter in die Grube cingesührt, waruinWar nicht ordnungsmäßig berieselt, wie konnte sich Miel .kkoljEj^ub ansammeln. Der Minister hat von Melen
stlleu. Hoffentlich wird das Unglück das Gute haben, die Gewissen zu schärfen, damit die Sicherheitsvvrschriftcn genauer beobachtet werden. (Beifall im Zentrum.)
Oberberghauptmann v. Velsen: Irgendwelche Vorwürfe gegen die Bergverwaltung können nicht erhoben werden. Auf der Grube Reden ist festgestellt, daß die doppelte Quantität von Wettern vorhanden war, als sie vorhanden sin sollte. Nach den bisherigen Feststellungen hat man lse Zeche Reden für eine der am wenigsten gefährlichsten Gruben gehalten. Die Sicherheitsmatzregeln waren in oollem Matze vorhanden. Deshalb ist auch die Hilfe aus anderen Revieren abgelehnt worden. Die Steiger sollen zu spät cingefahren sein. Das gebe ich zu. Aber versäumt ist nichts worden.
Abg. Hilbck (nat.-lib.): Wir müssen alle den lebhaften Wunsch haben, daß solche Unglücksfälle in Zukunft vermieden werden. Vielleicht empfiehlt es sich, die Wettermänner schon am Abend einfahren zu lassen. Geheime Wahl der Wettermänner halte ich für ganz unnötig. Unsere Versicherungsgesetze haben sehr wohltätig gewirkt. Wir müssen sie auch weiterhin ansgestalteu. (Beifall bei den Nationalliberalen.)
Ein Regieruugskommiffar erklärt, daß einige Neuerungen schon in der nächsten Zeit vorgenommen und alle Vorschläge geprüft würden.
Abg. Jßmer (freikons.): Ich erkläre zunächst im Namen der freikonservativen Fraktion unser Bedauern über das schwere Unglück auf der Grube Reden und unsere Anerkennung über das opfermütige Verhalten der Arbeiter und Beamten bei den Rcttungsarbeiten. Jedenfalls wirken bei einem jeden solchen Unglücksfalle ganz besondere Umstünde mit. Trotzdem ist es unsere Aufgabe, darüber nachzudenken, wie man auch das Eintreten solcher besonderen Zufälle unwirksam machen könne. (Beifall.)
Abg. Korfanty (Pole): Die Verhältnisse im Saarrevier kenne ich nicht, aber die in Oberschlesicn. Von dort weiß ich, daß die Arbeiter bei amtlichen Untersuchungen meist eingeschüchtert sind. Sie wagen auch keine Beschwerden bet den Beamten anzubringen, sie haben kein Vertrauen zu den Bergbeamten. Man hat behauptet, das Unglück auf der Redengrube sei darauf zurückzuführen, daß die Arbeiter nicht nüchtern in die Grube cingefahren. Dieser Verdacht wird wohl dadurch widerlegt, daß nach der Statistik am Montag die wenigsten Unglücksfälle Vorkommen Der Herr Minister verweigert das Heranziehen der Arbeiter zu Kontrolleuren. Das tut er nur aus politischen Gründen.
Minister Delbrück: Die Arbeiter im Saarrevier sind allerdings anders als die in Oberschlesien. Ich kenne diese aber auch, und ich weiß, daß diese ihre Wünsche mit einem Freimut vortrugen, den man schon mit einem anderen Namen bezeichnen könnte. Von Befangenheit habe ich riichts gemerkt. Entlassungen von Arbeitern, die zn den Vertrauensleuten gehören, prüfe ich selber. Wenn ein Vertrauensmann die Wünsche der Arbeiter in angemessener Form vorträgt, so wird er deshalb sicher nicht entlasten.
Abg. Schmitz-Elberfeld (Freif. Volksp.): Der Unglücksfall auf der Redener Grube ist zurückzuführen auf schlagende Wetter und Ansammlungen von Kohlenstaub. Wäreßr Verordnungen, wie sie in anderen Bergwerksrevieren bereits bestehen, auch im Saarreviere eingeführt gewesen, dann hätte das Unglück doch möglicherweise verhindert werden können.
Minister Delbrück: Der Herr Vorredner meinte, die Bcrgverwaltung habe Erfahrungen aus anderen Bergrevieren sich nicht zu nutze gemacht. Die staatliche Bergverwaltung ist im Gegenteil auch bemüht, die Erfahrungen der Privatindustric zu benützen. So haben wir erst im vorigen Jahre im Ruhrrevier die dortigen Einrichtungen studieren lassen, cs hat sich jedoch herausgeftcllt, daß die Einrichtungen des Saarreviers ebenso gute sind. Wenn wir am Sonntag bisher nicht berieselt hatten, so geschah das, weil festgestellt war, daß die Berieselung vom Samstag für die Morgenstunden des Montags ausreichte. Nach den jetzigen Erfahrungen werden wir Vorkehrungen treffen müffen auch für den Fall des Versagens einer Vertrauensperson. Wenn wir noch weitere Maßregeln treffen wollen zur Sicherung des Verkehrs, so ist das nicht auf bisherige Leichtfertigkeit zurückzuführen. Wenn nicht überall alles gut gegangen ist, so liegt das eben daran, daß wir alle Menschen sind. Die Arbeiter zn Kontrolleuren heranzuziehen, ist solange unmöglich» wie die Arbeitgeber als Leute hingestellt werden, die die Arbeiter nur ausbeuten wollen.
Hiermit wird die Besprechung geschlossen. Das Haus vertagt sich.
Nächste Sitzung: Montag 11 Uhr. Antrag auf Genehmigung der Einleitung eines Strafverfahrens wegen Bc- lcdigung des Abgeordnetenhauses: Bergnovelle: Bergetat. Schluß 4 Uhr^_
Sport.
Fntzball.
Ter gestrige Sonntag wurde von dem scheidenden Winter noch einmal benutzt, um seine Tücken zu zeigen. Der leichte Frost, welcher in den letzten Nächten die dünne Schneedecke
nzusammengcbacken '
diesem Grunde nicht gespielt und wird das Spiel Ger mania-Wiesbaden nachgeholt werden. Auf dem Viktoriaplatze traten nachmittags die ersten Manuschafteu von Viktoria und von Fußballvereiniguug Bocken heim an. Die Mannschaften tragen den gleichen Dreß, rot und schwarz gestreifte Blousen und blaue Beinkleider. In früheren Jahren war es deshalb nötig, daß eine Mann- schaft als Unterscheidungszeichen weiße Armbinden onlcgte. Gestern war das nicht nötig, denn die Bockenheimer Mannschaft hatte, wohl in Anbetracht des zweifelhaften Wetters, die allerältesten, abgetragensten Kleidungsstücke angelegt. Ob dieses Vorgehen richtig ist, möchten wir bezweifeln. Eine Mannschaft, welche Sport treibt, muß in reiner, der Sache angemessener Ausrüstung erscheinen. Eine derart nachlässige Bekleidung, wie wir sie gestern sahen, würdigt die schöne Sache herab und es wäre eine Aufgabe für die Verbandsleitung, hier einmal nach dem Rechten zu sehen. Das Spiel an sich wurde eine leichte Beute für „Viktoria". „Viktoria", welche mit einer ganzen Anzahl von Ersatzleuten eingetrete» war, spielte trotzdem recht überlegen. Der weiche Boden machte das Spiel schwierig. Schön wurde beiderseits nicht gespielt, aber teilweise recht kräftig. Der Bockenheimer Goalmann mußte austreten, da er bei einer Kollision zu Fall kam und sich beschädigte. Ergebnis 4 : 3 für „Viktoria". Auf dem Sportplätze am Röderberg spielte „Frankfurter Hermannia" mit erster und dritter Mannschaft gegen „Frankfurter Fußballklub von 1902." Die dritten Mannschaften, welche vormittags antraten, hatten unter dem herrschenden Winde zu leiden. Resultat für „Hermannia" 5 : 1. Auch das Spiel der ersten Mannschaften endete zum Vorteile der „Hermannia". „Frankfurter Fußballklub von 1902" war nicht im stände, ein einziges Tor zu schießen, während „Hermannia" deren 11 in rascher Folge schoß. Auf der Emserwiese spielte die zweite Mannschaft der „Frankfurter Germania" gegen erste Mannschaft der „Britannia". „Britannia", welche zweifellos über recht gute Spieler verfügt, konnte „Germania" trotzdem nicht gefährlich werden. Das Spiel endete mit 10 : 1 zu Gunsten von „Frankfurter Germania". Auch der Spielplatz auf der Emscrwiese präsentierte sich als ein Sumpf.
* Mainzer Rnderverein. Der Mainzer Ruderverein hat eine erhebliche Vergrößerung feines Boothauses vorgenommen. Der neue Anbau ist für die Ankleideräume vorgesehen, die seither räumlich nicht mehr genügten. Die erforderlichen Neubaukosten sind von den Mitgliedern in opferwilligster Weise aufgebracht worden. Die Vorbereitungen für die neue Rudersaison werden mit aller Sorgfalt getroffen. Drei neue Boote, ein Rennachter, Vierer mit uud ohne Steuermann treffen nach Ostern ein und man hat mit dem System, die Boote in England zu bestellen, gcbrocheu. Der neue Ruderlehrer wird schon gleich nach Ostern sein Amt autreten. .Das Training wird mit bekannter Intensität ausgenommen werden uud sich auf Achter, Vierer mit und ohne Steuermann, Doppelzweier und Einser erstrecke». Im Einser wird Weber sich für die Seniorrenuen vorbereiten, ebenso ist die Ausbildung eines Juniorskullers in Aussicht genommen.
r Rudersport. In der am Sonntag in Kastel stattgc- fundenen Ausschntzsitzung des Freien Deutschen Ruderverbandes, welche von hier, Offenbach, Mainz und Kastel zahlreich beschickt war, erstattete der erste Verbandsvorsitzende, Herr L. W e r m , zunächst Bericht über die in Leipzig mit dem neubegründetcn, aus fünf Vereinen mit 182 Mitgliedern bestehenden Mitteldeutschen Ruderverband gepflogenen Verhandlungen. Nach längeren Debatten wurde beschlossen, mit dem Verband nicht weiter zu unterhandeln, da der Freie Deutsche Ruderverband vorderhand keinen Vorteil für sich in der gemeinsamen Interessenvertretung erblickt. Auch die Annäherungsversuche des Süddeutschen Ruderverbandes,welche eine Fusion dieses Verbairds mit dem Freien Deutschen Ruderverbaud bezwecken sollten, wurden einstimmig abgewiesen. Letzterer Verband will allein weiter arbeiten, da ihm neue Vereine noch zur Verfügung stehen. Die drei von dem Freien Deutschen Ruderverbaud in diesem Jahr zu veranstaltenden Regatten finden in Mainz (9. Juni), hier (30. Juni) und Offcnbach (21. Juli) statt. Auf ersterer Regatta kommt der Berbandswanderpreis zum Austrag. Die nächste Verbandsausschußsitzung tagt hier Sonntag, 14. April.
* Rudern. Bernhard von Gaza, der im Vorjahre die Farben des Mainzer Rudervercins erfolgreich im Einser vertrat, ist nach Norddeutschland übergesiedelt und wird unter den Farben des Berliner „Wiking" starten. Seine Ausbildung erhält er durch den Altmeister Karl Ernst, der nicht mehr im Einser starten wird. Außer im Einser wird B. von Gaza mit seinem jüngeren Bruder auch im Doppelzweier hcrauskommen.
* Die olympischen Spiele 1910. Schon jetzt, nachdem kaum 10 Monate uns von den letzten olympischen Spielen trennen, beginnen die Vorbereitungen zu den nächsten, die an Bedeutung und Durchführung die vorhergegangencn weit übertreffen sollen. Der König von Griechenland hat sich bereits an die olympischen Komitees der einzelnen Länder gewandt uud diese zu den neuen olympischen Spielen 1910 eingeladen. Die Amerikaner haben die Einladung schon jetzt angenommen und Präsident Roosevelt hat sich bereit erklärt, auch für 1910 das Ehrenpräsidium über die olympi-
en Spiele zu übernehmen. Der deutsche Reiz