47

Karte von uns bezahlt haben wollen, denn die Agenten, die geben niemandem was umsonst, die müssen gleicht bar Geld bekommen. Amalie hat diel geweint und immer gesprochen, ja, wenn ich das gewußt hätte, wäre ich doch zu Hause ge­blieben, wenn ich nur so viel sparen könnte, so käme ich gleich zurück.

Nun, liebe Eltern, seid geküßt von ganzem Herzen und grüßt alle, die nach uns fragen, lebt wohl bis aufs frohe Wieder­sehn! Amen. Karl-Stephan.

Eine Kegende.

Kennt ihr die kleine Legende, die aus den nord­westlichen Provinzen Frankreichs, aus Maine und der- Bretagne, stammt, und welche uns die schöne Färbung der Kehle des RothkehlcheUs erklärt? Als unser Heiland sein Kreuze nach Golgatha trug, er­griffen diejenigen, welche bis dahin von seinem Worte gelebt hatten, die Flucht. Nur ein kleiner Vogel, dem er bei seinem letzten Passahmahl auf Erden einige Brosamen zugeworfen hatte, folgte ihm auf seinem Leidenswege. Er wohnte als einziger Freund des Heilands der Welt dem schmerzvollen Vorgang aus Golgatha - bei.

Als Jesus im Begriff war, sein Haupt matt in den Tod zu senken, richtete^ er seine Augen nach dem Gebüsch, in welchem der Vogel seine Flügel unruhig bewegte und sprach:Sei. gesegnet, du verließest den­jenigen, der von allen verlassen wird, allein nicht!" Das - Thierchen stog auf das Haupt des Gekreuzigten, machte einen Stachel der blutigen Dornenkrone los und trug ihn in seinem Schnabel davon^ dabei fiel ein Tropfen Blut auf seine Brust und schmückte sie mit dem schönsten Ehrenzeichen.

.Man muß es dem Röthkehlchen gelten lassen, daß es sich dieses Blattes seiner Geschichte immer würdig zeigte. Es bewahrte die Ueberlieferung, daß es Pflicht sei, im Unglück treu und muthig zu bleiben, in seiner Familie sorgfältig auf; neben sanften Sitten Und friedlichen Gewohnheiten zeigt es sich, wenn es gilt, als der tapferste unter den tapferen; es scheint, als ob der feurige Fleck auf seiner Brust bis in sein kleines Herz gedrungen sei, es hält-den Angriff- eines dreimal, stärkeren. Feindes unerschrocken aus. . Es bleibt auch unser . Freund in kalten, un­freundlichen Tagen, nähert sich uns bei ihrem Be­ginn und verläßt uns, wenn sie zu Ende gehen, um in seine Einsamkeit zurückzukehren, Es fliegt vom Hüttendach, unter' dem es sich ansiedelte, an das Fenster und wagt zuweilen in das Innere zu dringen, dabei richtet es seine braunen, großen, schüchternen und doch so sprechenden Augen auf uns, die sagen: Muth! Du . kannst, der ' Prüfung dieses harten Winters, nicht, erliegen, da ich, den der liebe Gott doch nur so schwach und klein werden ließ, dieselbe überwinde, um an. den Frühling und die schöner! Tage zu. denken, die. mit diesem kommen werden."

. __ M. T.

Heim!

Auf einer. Bank neben dem Wnrtesaal dritter Klasse-des Hamburger Bahnhofes, in Berlin saß die zusammengesunkene Gestalt eines Mädchens in ärm­licher Kleidung. Ihre Hände waren über ein kleines Bündel Sachen auf ihrem Schoße gefaltet und der Kopf darauf nieder gesunken. Sie schlief. Achtlos

schritt eine Dame, die im Begrrff war abzureisen, an ihr-vorüber, aber es lag etwas so Trauriges, Ver­lassenes in der Haltung des schlafenden Mädchens, daß die Dame noch einmal zurückblicken mußte und. da sie Eile hatte und sich nicht mit dem Mädchen unter­halten konnte, pflückte sie eine Blume aus dem Strauß den sie in den Händen trug und steckte sie dem Mädchen in die Hand. Es war eine Gaisblattblüthe. ;

Im nächsten Augenblick ertönte ein schriller Pfiff' der Lokomotive und die Schläferin fuhr erschrocken auf. Ihr erster Blick fiel auf die Blüthe und - sie starrte darauf hin. Was war das? Hatte sie nicht eben von daheim geträumt, von dem Häuschen der Eltern im stillen Dorfe, von der Gaisblattlaube davor, in der sie so oft gesessen, und in der sie eben, im Traum den alten Vater hatte sitzen sehen? Und nun hielt sie eine Blüthe davon in der Hand! Sie roch daran. Der Duft brachte Thränen i-n. ihre Augen. Achtlos ließ sie die Reisenden an sich vor' über stiirmen. Hier und da rief sie eine Stimme an. Auswanderer mit Säcken und Packeten beladen er­innerten sie daran, daß es Zeit sei mitzukommen. Sie rührte sich nicht. Im Fluge zog das vergangene Jahr an ihrem Geist vorüber. Ach wäre sie nie fortgegangen von Hause, wäre sie ihren Eltern ge­folgt! Was hatte das Leben in der Hauptstadt ihr gebracht? Elend und Schande! Abgerissen, gebrochen an Leib und Seele war sie eben im Begriff gewesen, sich einer Schar Auswanderer anzuschließen, die cm fernen Lande ein imgewisses Glück suchten.

Und. sie konnte es so gut haben, sie konnte daheim in der blühenden Gaisblattlaube bei -Vater und Mutter sitzen, konnte in Frieden und Ruhe arbeiten, die Angst der Seele loswerden, wenn sie nur -ein Wort sprach, wenn sie sich nur entschloß, hinzugehen zum alten Vater und zu sagen:Vergieb!" Der Zug sauste an ihr vorüber. Sie- sah die Gefährten, in Heren Gesellschaft sie gerathen, an den Fenstern.ihr Abschiedsgrüße zuwinken und athmete erleichtert.auf, als sie ihr aus den Augen schwanden.

Noch hatte sie einige Groschen in der Tasche rasch eilte sie zum Schalter und forderte eine-Karte nach einer ganz, anderen Himmelsgegend, als wobin sie noch eben zu fahren gedachte. ' Die ganze Nacht hindurch, während jede Stunde sie der Heimat!, näher sÄhrte, hielt sie die Gaisblattblüthe in der Hand, lächelte ihr zu und drückte sie heimlich an die Lippen. Sie erzählte ihr vom Vaterhause, von den Eltern, von Vergebung und von Glück. R

Mer erralhs?

Zweisilbig.

Wenn Noat> bat. den ersten Wein Gebaut, wie viele glauben, - -. , -

So hals die erste Dilbe mein . . -

Gewiß beim Pressen der Trauben..

Tie zweite der Silben, wir finden sie Als Zeugin vergangener Tage, llmrankt von Epheu und Poesie,

Umsponnen von Dichtung und Sage..

Das Ganze nennt dir eine Stadt,

Die Handel viel und Hafen hat. . -.

Auflösung des Rüthsel in Nr 11.

Seelenqüalen