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(;>»! «.1 Der Weg des Ariedens.

Erzählung von M. Eituer.

Nach Berlnitf von fast einer Stunde kam Lina mit dein Doktor. Der Arzt fragte nnd prüfte und fchiittelte den Kopf.Warun: bin ich so spät geholt worden?" sagte er vorwurfsvoll.Das Kind ist doch nicht erst seit Stunden krank, daS muß schon gestern krank gewesen sein. (Jy ist ein Gehirnfieber im Anzug," schloß er,und es ist tnum anzunehmen, daß das Kind durchkvnimt."

Friedrich saß in seinem Bett und blickte ängstlich und wie verstört um sich. Des Doktors Blick fiel auf den Knaben:Ist der auch krank?" fragte er.

Rein," entgegriete Rose.Er ist immer so bleich."

Mir scheint," sagte der Doktor,der Knabe bedarf vieler Pflege und Sorgfalt, wenn Sie ihn sich erhalten wollen.' Ich werde morgen früh wiederkommen, werde jetzt etwas verschreiben, und es ist nothwendig, daß die Medizin so schnell wie möglich geholt wird."

Der (Äärtnerburscke soll mit dem Rezept zur Stadt," sagte Rose. Sie ries oen Burschen und befahl ihm höchste Eile an.

Mit müdem, trostlosem Blick saß Rose da, legte hin und wieder ihre Hand aus des Kindes heiße Stirn und horchte beklommen, ob sich Friedrichs Schritt vernehmen lasse, llnd als eine, halbe Stunde vergangen war, fuhr pe zusammen in tödlichem Schreck. Friedrich kam, ste hörte ihn.

Friedrich war in der Stadt gewesen, war ziellos umher­gewandert, wußle selbst nicht, was er in der Stadt wollte. Da hatte ihm jemand gesagt, feine Schwester Lina sei beim Dokcor gewesen und seine kleine Rose sei krank. Er hatte eine Empfindung gehabt, als müsse er in das Haus gehen, ill tvelchem die Näherin wohnte, und müsse die Rase rufen, aber Trotz hatte ihn davon zurückgehalten. Er ivar nach Hause geeilt, und jetzt stand er auf der Schwelle der Schläfstube, sah Rose am Bett des kranken KnideS sitzen und ein hartes Lachen kam über seine Lippen. Er war zornig ans die Rose und schämte sich doch, daß er gestern Abend die Hand gegen sein Weib erhoben hatte.

Die alte Frau stand auf und ging Friedrich entgegen: Still," sagte sie,still, Friedrich, die kleine Rose ist sehr krank."

Friedrich zuckte zusammen. Zu seinem Weibe sprach er kein Wort, und Rose hob den Kopf, den sie über das Kind gebeugt, rächt in die Höhe.

Soll ich zu Lehmanns hinüber oder soll ich hier­bleiben?" fragte die alte Frau leise.

Da richtete Rose sich ans:Mutter, bleibe hier," sagte sie schnell, und auch Friedrich sagte:ÄRutter bleibe hier."

Mmm und Weib schienen das Alleinsein zu fürchten. Wieder setzte sich die alte Frau an das Bett des Kindes, und Friedrich ging in die andere Stube. Der Gärtner­bursche kam mit der Medizin, die nur mit großer Mühe dem Kinde eingegeben werden konnte.

Die ganze Nacht hindurch saßen Rose und die Mutter am Bett' des Kindes, das immer unruhiger wurde, das unverständliche Worte murmelte und mitunter plötzlich Mutter!" rief und diese doch nicht erkannte, wenn sie sich über das Bett beugte.

A'm Bett des Kindes saß Rose in Gedanken versunken. Sie- dachte an die blasse Näherirr, die ein fremdes Kind so sorglich und liebend hiitete, es auf ihr Bett legte, und sie hatte ihre eigenen Kinder verlassen. Ohne Halt, ohne Friede, ohne Trost fühlte sich die junge Frau. Als das Morgengrauen durch die Fenster in die Stube drang, inachte sich das Elend der letzten Jahre in einem plötzlichen krankhaften Weinen Lust. Hochmuth nnd Eitelkeit hatten dieses Franenherz ausgefiillt, aber es war glaubensleer und aller echten Liebe bar, und dadurch haltlos, elend und öde.

Rose weinte und weinte, und ihre ganze Gestalt bebte. Die alte Mutter störte sie nicht. Sie stand leise auf, ging in das Zimmer, in tvelchem Friedrich jetzt unbeweglich an: Fenster saß, die Augen starr nach außen gerichtet, als beobachte er das- Werden des Tages. Die alle Frau legte die Hand auf seine Schulter. Hastig wandte er sich um. Friedrich," sagte die Mutter,geh zu deinem Weibe, geh und mache Frieden mit ihr um Bett des sterbenden Kindes, denn die kleine Rost behaltet ihr nicht. Höre, wie den: Weib weint. Geh Friedrich."

Es war, als ob der Mutter Worte ein Gebot ent­hielten, dem er rächt widersprechen durfte. Friedrich stand aus und ging in die Schlafstube. Dort kniete die Rose am Bett des kleirien Mädchens und hatte das Gesicht in den Händen verborgen und weinte und weinte. Das war zu viel fiir Friedrich. Er trat an seines Weibes Seite, nahm ihre Hände von ihrem Gesicht und sagte:Rose, ver- gieb den Zorn, der mich gestern gefaßt, versuche es noch einmal mit mir."

Erschrocken blickte Rose auf. Es kam ihr unerwartet, daß Friedrich rieben ihr stand und Friede rrät ihr machen wollte. Ihre sonst so schöner:, stückelnden Augen waren ttübe vom Weinen, und der Blick war trostlos.Werrn das Kirrd stirbt," sagte sie dumpf,so ist es meine Schuld, und die wirst du nie vergeben."

Friedrich athmete schwer:Deine Schuld ist erst aus meiner erfolgt. Hätte ich rächt die Hand gegen dich er- hoberr, hättest du die Kinder rächt allein gelassen. Berqieb urrd vergiß, Rose. Wir wolleri jetzt einen anderen Weg mit einander gehen."(Schluß folgt.)

Den geehrten Lesern des Neuen Sonntagsblattes diene zur Nachricht, daß dieses Blatt einen Auszug aus demBerliner Evangelischen Sonntagsblatt" bildet, welches wöchentlich einen ganzer: Bogen stark erscheint und rroch eine Novelle und Berliner Lokalnachrichten bringt. Vielleicht hat mancher Zeit, mehr zu lesen als einen halben Bogen jede Woche, und bekommt Lust, das Berliner Ev. Sonntagsblatt zu bestellen. Es kostet bei jedem Postamts vierteljährlich 55 Pf. (Zeitungspreisliste pro 1391 Nr. 859 .) Wer .8 Exemplare direkt bei der Versandstelle, Berlin SW., Alte Jaeobstraße 129 , bestellt, um durch Abonnentensammeln mehr Leser zu gewinnen, und an Orten, wo noch kein Agmt ist, eine Agentur zn errichten, wird als Agent angesehen und zahlt dann als solcher pro Expl. vierteljährlich r:ur 40 Pf., fiir 10 Expl. und 1 Freiexemplar' vierteljährlich 4 Mk. Es wird hierbei jedoch vorausgesetzt, daß sich der Leserkreis im Laufe des Jahres bis auf 10 oder mehr Personen vergrößert, denn bei allen direkten Zusendunen unter 10 Expl. legt die Expedition der erheblichen Portokosten wegen Geld zu.

Bibel-Lesezettel.

Wochenlied: O Haupt voll Blut und Wunden. Evangelium: Matth.'21, 19. Epistel: Phil. 2, 511. Sonntag 22. März. Psalm 118, 1926. Psalm 40, 612. Montag 23. Foh. 19, 2527. Psalm 69, 1422,

Dinstag 24 Mittwoch 25 Donnerstag 26 Freitag 27 Sonnabend 28

März. Marc. 15, 3336. Joh. 19, 28-30.

Joh. 13, 1-15.

Lucä 23, 4649.

Joh. 19, 3142.

Ps. 22, 112. Ps. 22, 1322. 1. Cor. 11,23-32. Ps. 22, 2332. Psalm 16.

iKedatlivnu.Leriag d. ChristlichenLeitschriftenverems (<£. hülle) «Ute Jacovstr. 12s. Druckerei deS Sormragsviarres Heg) m Berlin.