46

Aber auch in dieses Elend soll ein Hoffnungs­strahl vorn Kreuze des Heilandes dringen.' ' Er, der Heilige und Gerechte, hat genug gethan für uns, und litt an unsrer Stelle den Tod, welcher der Sünde Sold, und die Gottverlassenheit, welche die Strafe der Schuld ist. Indem er aber dies. litt, ganz umringt von den Schatten s des' Todes, Hielt er dennoch fest an seinen Gott uns zum Trost und Vorbild, da er spricht:mein Gott!" und abermals mein Gott!" Ein solches Festhalten des Glaubens wird gekrönt. Wir ersehen es daraus, daß er bald nachher das Siegeswort gesprochen hat:Es ist vollbracht,"? und daß er scheidet mit dem großen Wort:Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände." Als er aber seinen Geist ausgegeben hatte, zerriß der Vorhang im Tempel, zu einem Zeugniß, daß das große Opfer der Versöhnung gebracht, der Zugang, zum Vater geöffnet sei und wir alle jetzt einen versöhnten Gott haben, durch den Glauben an ihn, an welchem der Vater ein Wohlgefallen hat.

Nimm das Opfer meiner Seele, .

O mein Jesu, gnädig auf!

Herr, dem ich mich anbefehle.

Mach' mich treu in meinem Lauf,

Rechne nicht, was ich gethan,

Siehe mich doll Mitleids , an, :

Daß ich ewig an dir hange

Und durch dich die Krön' erlange. II H.

Briefe eines Auswanderers.

Der Oekonomierath Jacobsen zu Spengawsken in Westpreußen schreibt an die Neue Westpreußische Zeitung wie folgt:Um die unzufriedenen und ungläubigen Arbeiter­familien zu schützen und zu warnen, lasse ich. zwei Briefe einer vom Gute Zduny nach Amerika (Milwaukee) aus- gewanderten Familie wahrheitsgetreu folgen, die ich. um das Mißtrauen der Arbeitsleute zu beschwichtigen, bereit bin, in der Urschrift vorzuzeigen, damit jeder sich über­zeugen kann, daß nicht Interessen meinerseits, 'sondern wirkliches Wohlgefühl für die armen verführten Aus­wanderer mich dazu leitet. Da ich 50-Jahrelang bereits im Pr. Stargarder Kreise als Landwirt!) lebe und aüch während dieser langen Zeit viele Arbeiterfamilien-kennen gelernt habe, hoffe ich auch so viel Vertrauen, bei -ihnen gewonnen zu haben, daß mir dieselben glauben, wenn ich uusspreche:yiux christliche Liebe zu meiner: Mitmenschen, hat mich ^u dieser Veröffentlichung bewogen." - . ES mochten Tausende von Amerika zurücklehren/ivenn sie 'die Mittel zur Heimfahrt erarbeiten könnten. Die meisten reisen 150200 Meilen in das Innere hinein) find dann nicht mehr im stände, das Geld zu erübrigen! um .mit' einer zahlreichen Familie diefl weite - Landreise zurück zu machen und dann noch gar. die Mittel zur See­reise nach Europa zu erschwingen! Noch bemerke ich. daß unter den Arbeitern sich, der Glaube verbreitet zu haben scheint, es wäre unbedingt erforderlich, daß sie, wenn ihnen eine Freikarte von Amerika zuginge, sie nmr auch unbe­dingt reisen müßten! Das ist durchaus nicht. der Fall, zur Ueberfahrt kann sie nichts zwingen, sie brauchen sich um diese Freikarte gar nicht zu kümmern. . Wer schickt denn die Freikarten? Gewissenlose Angehörige, Freunde, die sich mehr Mitleidende zu ihrem Tröste hinüber wünschen, oder Agenten, welche von Amerika aus beauf­tragt sind, Arbeitskräfte hinüber zu schaffen. - Diese Karten müssen die Auswanderer drüben sicher nachzahlen, wie ja auch der Brief des. Stephan besagt. Was. fehlt den Amerikanern? kräftige Arbeiter, die ihnen den Sklaven- verlust ersetzen sollen!"

Erster Brief des Arbeiters Stephan aus Milwaukee bei Chicago. . --

- Hochgeehrter Herr Rath! "

Habe versprochen, Ihnen wahrheitsgetreu mitzutheilen,'wie. es mir in der Ferne geht,- so geht es mir recht gut, sich' bin gesund, aber es gefällt mir hier doch nicht, denn Amerika ist reiner Schwindel. Man verdient hier wohl schönes Geld,, aber was kann einem das nützen, wenn man seinem Körper.' schadet, man muß arbeiten wie ein Ochse uNlflwird das Wohl nicht lange aushalten können. Hätte ich die Worte des Herrn Rath befolgt, und wäre heim- geblieben, so wäre ich ein kluger Mensch gewesen. Die Reise nach Amerika ist schwer, man schwebt in steter Gefahr, ich Hab' mir's selber leichter vorgestellt. Bon den Männern, die hier verunglücken, kommen, die. Frauen und Kinder dann in ein Armenhaus und müssen, so viel in ihren Kräften steht, arbeiten, dafür erhalten sie Be­köstigung und Kleidung. Unglücksfälle giebt es hier Tausendei Hier macht sich niemand etwas daraus, wenn jemand zu Tode kommt. So schöne Güter und Gegenden giebt es hier' nicht, wie in Deutschland. Nur reine Wildniß!

Stephan.

Zweiter Brief des Stephan an seine Eltern. .

Vielgeliebte Eltern!

Wir müssen Euch benachrichtigen, was wir in Amerika gefunden und' geseh'n haben,. so schön wie. in. Deutschland ist es nicht. Als wir nach Philadelphia kamen, Krachten sie uns in einen hölzernen Wartesaal,' der war so gebaut, wie in Deutschland eine Scheune, da haben Mir uns Bier und. Brot gekauft. Das Bier, ein sehr kleines Glas, kostete 20 Pfennig. Um 11 Uhr abends fuhren Mir weiter nach Chicago, da konnten wir natürlich nichts, seh'n, Uber als - es Tag wurde, haben wir nichts weiter geseh'n als einige arme hölzerne Bauernhäuser, dabei kein Stall,' keine Scheune, wo sie' ihr Vieh unterbringen können.: Das meiste Vieh geht Winter und Sommer draußen, wie, lieber Vater, - bei Euch die Rehe. Stroh und Getreidestaken haben wir keine angettoffen,. mir solche Häufchen Heu wie bei-.Euch die Eisenbahnwärter haben.. Saatfelder haben wir nur sehr wenige, geseh'n, dann waren sie auch nicht größer, wie mein Bruder sie in Jarischau chat. Ein Stück gepflügtes Land sah. man nie, nur reine Wildniß, Strauch, und Kraut, einen ordentlichen Baum auch nicht, nur. hin und wieder solche große, wie auf den Wiesen hinter Zdunh, die mögen wohl 1000 Jahre alt sein,' schief.und krumm. Große" Berge, Felsen, Steine, wo man keine-Erde zwischen findet. 'Die Berge waren noch bis hinter Pittsburg. Auf fünf Meilen sind wir -unter der Erde - dürchgefahren, die Kinder schrieen und weinten, es war so finster wie.in der Nacht. . ..

Bon . hier bis Chicago waren reine Sümpfe, das war da eine Gegend, daß die Maus in. der Kammer tothungern Muß; da verzagten wir schon alle, das sah zu traurig aus- Zwischen - Chicago und.Milwaukee war's etwas besser. - Chauffeen giebt es in Amerika nicht, die Bahnen sind in Amerika auch lange nicht so in'Ordnung, wie in Deutschland. - Landwege giebt es nur wenige, sie fragen nichts nach, wenn sie. auch ein paar- Menscher: totfahren. Wie wir fuhren, wurden zwei Wagen und eine Maschine zerschlagen, fl Liebe. Eltern, in Amerika ist es nicht so, wie - sie von dort Euch geschrieben haben. Die' Häuser sind schwach gebaut, zweizöllige "Latten, das sind-die Ständer und Sparren,, bann find sie von außen mit Zoll ' brettern verschlagen, dann ist Papier darauf geklebt, daraus einen halben Zoll Bretter geschlagen. Von Innen sind solche dünnen Stangen, Fingerbreit aus einander, darauf' geschlagen und. so verputzt und ausgeweißt. Die. Wand ist hohl Und Sachen haben sie sehr-wenig drin. Die Häuser stehen auf- Walzen, wenn man will,, kann- man sie weiterzieh'n.. - Eine gute Kuh in Deutschland ist besser wie sin Amerika, ein Haus. Die Luft..ist 'ungesund, denn der Grund ist sehr Naß,"man hat hier weiter nichts als das Leben, dabei muß man arbeiten wie ein Ochse. Der Dollar hat. einen großen Namen, aber einen schlechten Werth, er hat 100 Cent und für einen Cent kauft , man nicht mehr wie für einen Pfennig. - Der Sack Mehl'kostet zwei-Dollar, der-ist so groß, wie ein kleiner Salz. sack'bei Euch, Wenn-wir einmal Brot backen, ist der-Sack alle. "Das Fleisch war schlecht und gab es fürs Geld-nicht so diel, -wie. bei' Euch. Die Kartoffeln kosten 5 Mark, .sind sehr-theuer. Liebe Eltern,. Ihr wollet wissen, wer die Frei­karten-schickt, das .sind unsere Verwandten-hier, die .aber jede