4-2.Z Jenalsche Zeitungen

ben. Wer wird nicht für diesen edelgesinnten Man» die größte Hochachtung empfinden, .und Wünsche vor die Erhaltung eines so großen MenschenFrcun- des opfern, dessen Verdienste die größten Lobsprüche werth sind, die wir blos aus Bescheidenheit zurück halten, und die jeder unsrer Leser hinzu denken wird.

I. I. Curt hat verlegt: Hn Im. I« Gerh. Schel­lers, Rector des Lycei zu Lübben, Anleitung die al­ten lat. Schriftsteller in den obern Classen der Schu­len philologisch und kritisch zu erklären, nebst einem Anhänge von richtiger Nachahmung des Cicero und m nem Vorschläge das Griechische und Hebräische auf eine ähnliche Art zu erlernen, Mit einer Vorrede her­ausgegeben von Hn Motz, 1770. 352 S. in gr. 8. Dieses Buch verräth einen Mann, der tief in den Abgrund unsers verderbten Schulwesens eingeschauet hat. Statt der elenden Arbeit, phrases zu excers piren, zuvaruren, dilaciren und Gott weis, wie diese unnützlichen Uebungen alle heißen, statt aus dem N. T. griechisch verstehen und durch Hülfe einer cice- ronianischen Phraseologie ciceromanisch schreiben zu lehren, führet Hr Sch. seinen Zögling zu der ächten Kenntniß der Sprachen. Erzeiget ihm zuerst, wie er seinen Autor recht verssehen und recht übersetzen solle, welches um so schwerer ist, da man sich öfters schmeichelt, recht den ganzen Zusammenhang zu ver­stehen, wenn man jedes einzelne Wort verstehet. Den Jüngling mache dasBeyspie! selbst eines Gra- vius gegen sich mißtrauisch ! er lese djesesvortrefliche Kap. des Hn Sch. der zwar alle Schwierigkeiten, die theils obsolete, vielbedeutende rc.. Worte, theils Dunkelheit des Ausdrucks, theils versteckte Antiqui­täten, theils Anomalien rc. verursachen- in ihrem ganzen. Umfangs .und , welches-das schönste ist- mtzeyspielen zeiget, aber auch lehret, wiesle aufzu-

von gelehrt. Sachen I.N. Stück. 429

lösen , und, besonders unter Anführung eines gu­ten Lehrers, zu überwinden sind. Dies alles wird in den drey ersten Abschnitten abgehandelt, und be­ruft das Grammatikalische. Im vierten gehet der Hr Verf. zurAricik über, wo wir nicht ganz mit dem Hn Verf. zufrieden sind. Denn erstlich glauben wir nicht, daß man einem jungen Menschen (wir haben nicht vergessen, daß dieses Buch fürLycea bestirnt ist) viel von Emendation ex ingenio u. d.vörsagen müsse. Genug möchte es seyn, wenn etwa der Lehrer unter zwey, drcy vorzulcgenden Varianten ihn die beste wäh-' len hieße, und so die Beurtheilungskraft prüfete. Zweitens, das schone, matte, witzige, natürliche Beschreibungen vom affeccirten zu unterscheiden, das kriechende, neue, nachdrückliche rc. kennen zu lernen , gehöret, wie uns dünket, nicht zur Kritik, sondern eigentlich zur Aesthetik, von der wir einen eigenen Abschnitt vergebens gesucht haben. Wir dachten, es wäre nicht überflüssig gewesen, wenn Hr Sch. die Regeln des Geschmacks, über welche die ganze ästhetische Welt einig ist, aus Longin, Aristoteles,- Ramler rc. excerprrt hatte. Der fünfte Abschnitt giebt besondere Regeln zur Erklär rüng einer reden Gattung der latein. Schriftsteller, der Redner, Dichter, Geschichtschreiber rc. Um diese Methode in Ausübung bringen zu können, gehöret freilich darzu, daß man den Jüngling von derNoth- wendigkeit und Nutzen der Philologie und Kritik, von ihrem Einfluß in die sogenannte BrodStudia, von den Annehmlichen derselben rc. überzeuge, welches im sechsten Abschnitte geschiehet. Wie bey der Ueber- setzung aus dem lat. in unsrer Muttersprache beide zuweilen zusammen treffen, zuweilen im Ausdrucke, in der Construction rc. abgehen, zuweilen eine Stelle ganz und gar unüberseylich ist, ist der Inhalt des siebenden Abschnitts. Der folgende betrift die ci- ceronianische Schreibart und die Nachahmung Fff 3 der-