Mon Frere!

Heute empfange das geehrte vom 2 ten hujus, und mein letztes war vom 5 ten.

Nachdem eben mein letztes auf die Post bringen lassen, liefe die falsche Zeitung von des Kaysers Tod durch die gantze Stadt, und ich mußte an allen Orten den härmen duch Mon Frere Schreiben, wel­ches die Falschheit dieser Ausstreuung und dagegen verhängte In­quisition meldete, hemen, zu aller redlichen Leute höchstem Vergnü­gen. Ich muß hier auch sagen mit Ovidio: r '

Grimmeisen ist ohne Zweifel von dem jungen Raht heimlich committirt denn diese Bursche thun jetzt was sie nur wollen, und gehen über alles hinaus. Mir ist indifferent was er sucht; das weiß ich aber, daß ein böser Bube nichts gutes suchen kann.

Fräul.v.Cronstetten und Fräul.v.Lersner bediene alle beyde, erstere hat vor 12 adeliche arme Fräulein eine Stifftung hier ge­macht und das ihrige dazu destinirt, und Fräul.v.L. scheint die v. Holtzhausenische Bedenken zu wollen Am allerwenigsten schicke

ich mich zum Betteln, und lasse allen Dingen ihren Lauf. Omnia spo^r te flä%ant, absit violentia rebus. Gute Sachen werden dennoch ihren Fort^gng haben.

Was das separate Begräbnis betrifft, mögte wohl Mon Frere Vor­schläge wissen. Ich muß etwas thun, das mir gleich sieht, und glaube gar nicht unschicklich zu seyn, wenn andere vormals Kirchen gestiff- tet KKK.8S und sich hinein haben begraben lassen, daß ich mich in den Garten meiner Stifftung schlagen lege. Ich will jedoch Mon Frere Sentiment gern hören, wie es anders und besser zu machen wäre. Bas selbst gemachte Epithaphium commentire künftig auch.

Gestern haben wir nach v*Klettenbergs Tod zum neuen Schöffen Herrn Grambs, und zum Rathsherren Herrn von Stallburg, des ohnlängst verstorbenen Schöffen Sohn, bekommen.

Es hieß, von dem neulich Bürger gewordenen Italiäner Schwei­tzer habe Grimmei&en vor sein part 200. Ducaten bekommen. Dieser Lohn der Ungerechtigkeit hat ihm vielleicht das Reisegeld formirt. Hier sagt man er werde des Barons Krechtlers Tochter heyrathen; die­ser aber ist,wie ich glaube, zu solide, als daß er einem so ver­schuldeten Windbeutel seine Tochter geben sollte um sie unglücklich zu machen. Es ist, wie Mon Frere ohne mein Erinnern sieht, wahrhaf­tig nicht die geringste Solidität bey ihm, und er glaubt bey seiner / ' ? er kömne durch Fressen, Saufen, Huren, Spielen, und

Schwätzen, samt Lügen und Betrügen ein großer Mann in der Welt werä den.

Schöffen Schlossers Sohn ist vilainemant um Geld zu gewinnen, das für ihn alles regiret, da er selbst ein Doctor, contra Collegium graduatorum überhaupt und Medicum ins besondere, des Scharfrichters Sohns Advocatus.

Dem Garnison chirurgum Schlund, der D. Gladbachs Creditor mit ist, und von ihm betrogen wird, hat man, als er einen solita^re von