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Siebente Betrachtung

über

das unschätzbare Leiden unfers Erlösers.

Entreiß dich ganz , mem Geist, der Wett und ihren Sünden,

Flieg in die Stadt, wo JEsns ist;

Du wirst ihn zwar allda verhöhnt, gefangen finden,

Doch denk, daß du die Ursach bist.

Damit du nur dereinst dm Himmel mögst gemessen,

Fallt keine Marter ihm zu schwer;

Du hast die Schuld gemacht, und er will für dich duffen,

O, biß vergiltst du nimmermehr.

Betracht ihn nur, wie er, der allergrößt« Richter,

Beschämt vor seinem Richter steht (

5®je der verdammte Schwarm verruchter- sewichtcr,

Ihn frech verspottet und verschmäht.

Ein Strahl des Lichts bringt noch Pilatum zur Erkanntnis,

Da er nach seiner Würde fragt,

Ob er ein König sry ; und seines Munds Geständnis

Begreift nichts, als: du hasts gesagt.'

Es warnet ihn sein Weib, die ängstlich schwere Träume

In der verwichnen Nacht gequält,

Doch will das Volk, daß man mit seinem Tod nicht säume Und Barrabas wird losgezählt.

Der Frevler wird befreyt, die Unschuld muß erliegen,

Unbillige Gerechtigkeit!

So hoch war noch vorher die Bosheit nicht gestiegen,

Die frech nach Christi Blute schreyt.

ranoes-Pueger wazcyt voll bittrer R«W die Hände,

Des Juden-Volks verruchte Brut Dringt mit dem Schreckens - Ruf: auf des Erlösers Ende,

» All unsre Kinder drück sein Blut!

Ja, za, es drückt sein Blut noch itzt de- Schwarmes Kinder, Durch welchen GOtt ums Leben kam.

Es macht ihr Schicksal nicht der Zeiten Lauf gelinder,

Ihr Erbtheil ist, Furcht, Reu nnd Sch-am.

Verachtet müffeu sie den Christen dienstbar leben,

Die ihrem Haffe widerstehn,

Mit christlicher Geduld,die ihnen Zuflucht geben, Weil fle auf sie, als Menschen sehn.

Sie warten noch, daß ihr Meßias soll er­scheinen;

Vergeblichs Hoffen; sonder Grund!

Sie werden dermaleinst der Vater Wuch be­weinen,

Macht er sich ihnen himmlisch kund.

Laß mich , o GOtt, niemals, wie sie ver­stockt gedenken,

Daß du nicht deinen Sohn gesandt,

Um von der Sundes Haupt den schwerm Streich zu lenken Dm dein Recht ihnen zuerkannt.

Laß mich, wenn sich in mir verworfne La­sier regen,

Das, was dein Sohn für mich gethan,

Und alle Kostbarkeit von seinem Blut erwegen. Weil ich so dann nicht straucheln kann.

Es diene mir dicß Blut zum schreckende» . Paniere

Der Feinde, die dein Wort verschmäht»;

Ich weiß, daß ich alsdenn niemals den Sieg verliere

Und Sund und Tod kann widerstehn.

Wiekes aelehrte Wochenblat wird alle Dienstag und Frevtag bey dem Verleger, Johann Bern, bard Eichmberg, demArlkern, Buchdrucker, nahe an der Tongesgaffe, «ebendem Trier»' schm Hof erlegen, zum wilden Mann genannt, gedruckt und ausgcgeben.