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Achte Betrachtung

über

die Leidenszeit des eingebohrnen Sohnes GOttes.

»as fühlst du doch, der du dich Christ, nach Christo nennest, Der itzt ein Spott der Knechte ist?

Sag, ob du ihn wohl noch den Liebenswürd- gen kennest,

Den alles meidet und vergißt?

Ein Purpur * Mantel wird ihm frevelnd anaeleget,

Mit spitzgcn Dornen krönt man ihn,

Da er an Zepters statt ein Rohr in Händen träger

Um ihn nur starker aufzuziehn.

Zum Spott begrüßet man ihn als der Ju­den König,

Und speyt dabey ihm ins Gesicht;

Verfluchte Frevler, o / wie kennt ihr ihn so wenig l

Erzittert eure Seele nicht?

Ihr werdet, doch zu spät, als König ihn erblicken,

In aller Macht und Herrlichkeit,

Wenn euch sein Wort und Fluch wird in den Abgrund schicken,

Weil ihr nichts anders würdig seyd.

Ja, Heiland, ja du kannst die Frevler nicht verschonen,

Die so vermessen dich verhöhnt,

Dir ins Gesicht gespien, und !>ich mit Dor­nen r Kronen

Zur Fülle deines Schimpfs gekrönt.

Doch diß ist nicht genug, als einen straf- barn Sünder

Führt mau dich nach der Schedelstädt;

Es folgen klagend dir die Weiber und die Kinder

Und diese stärkt noch dein Gebet.

Du rufst: seyd über mich vom Leid nicht eingenommen,

* Weint über euch, es. wird die Zeit

Des Schreckens und der Angst zu euerm Weh schon kommen,

Von dem euch keine Hand bcfreyt.

Ach ! alles was du sprachst, ist auch genau geschehen,

Und noch mehr wird dereinst geschehn,

Wenn wir als Richter dich auf Feuerwolken sehen,

Und Cherubs dir zur Seiten stehn.

Wie Isack einst das Hol; zum Opfer selbst getragen,

Trägst du auch itzt den schweren Stamm,

An den die Bosheit dich voll toller Wuth will schlagen,

Dich, auserwähltes GOttes Lamm.

Und daß du von der Last nicht gänzlich mögst erliegen,

Theilt Simon selbige mit dir;

O was empfänd ich nicht für ein gerecht Vergnügen,

War ich der seelge Simon hier!

Sein Veyspiel soll indeß mir stets zur Vor­schrift dienen,

Für dich erduld ich alles gern;

Ich denk, wenn Crcutze mich auch zu erdrücken schienen,

Die Roth und Hülfe kömmt vom HErrn.

Verleihe mir nur Kraft, geduldig das zu tragen,

Was du mir weislich auferlegt;

Es folgt ja ewge Lust nach kurzen Unglücks- Tagen ,

Lust, die kein Zeitraum niederschlägt.

Dieses gelehrte Wochenblat wird alle Dienstag und Freptag bey dem Verleger, Johann Bern, hard Eichenberg, dem Aeltern, Buchdrucker, nahe an der Töngcsgasse, «eben dem Trieri* sehen Hof gelegen, zum wilden Mann genannt, gedruckt und ausgegeben.