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Ihr jungen Aerzte, kommt, seht eure Fürstin an,
Folgt ihr, denn eurer Kunst wird sie den Preis erwerben,
Den weder Zeit noch Neid verderben,
Kein Gleichsinn je verkleinern kann.
Du junges schönes Kind, vollführe deinen Lauf,
Schließ ihnen alle Schatze auf,
Die Kunst und Fleiß bey dir verstecket,
Doch heil die Uebel erst, die schon dein Aug erwecket.
Der». Bey Gottschall und Compagnie wird der erste Thcil der Hiftoire de la Confedera- tion Heivetiqne verkauft, deren Verfasser der Herr Lttip. Luv. von Wattenwi!-!, Mitglied des -hiesigen grossen Raths und Landvogt zu Nydau ist. Der Herr Verfasser, der mit einer grossen Starke in der vaterländischen Geschichte oie! andere schätzbare Vorzüge verbindet, hat sich vorgesczt, eine kurze aber diplo- matlsche, und zuverlaßige Geschichte der Eidgenossenschaft bis auf Die ^cit des mit Appenzell vollständig gewordenen Bundes der iz.Orte zu schreiben. Er nennt in einer kurzen Vorrede seine geschriebene Quellen. Zu einer Sammlung von i8. geschriebenen Folianten besitzt er die von 1420. bis 1610. gehende, auf Befehl der Republic abgefaßte und auf die Archive gegründete Geschichte von Bern. Justinger fieng sie 1420. an, und seine Arbeit gieng bis 1421. Ulrich Wagner sezte sie bis 1466. fort, Tschacht- lan bis 1477. Schilling bis 1480. Valerius Anshelm bis isjs- Stattler bis 1610. Hier- nachst hat er ,die Handschriften eines gewissen Schodelcrs gebraucht, der aber nichts eigenes hat, als die ersten Anfänge des helvetischen Bundes. Aus den Archiven hat er zahlreiche Urkunden und Ehartularia gehabt, und man findet auf allen Seiten die reinesten Quellen an- geführet, wodurch die Klage, die man nicht ohne Ursache über Lauffers Geschichte erregt hat, gantzlich abgelehnt wird. In einer wohlgc- wahlten Kürze holt derH. von W. die Geschichte der Eidgenossen von den alten Helvetiern zu Casars Zeiten her, und zeigt, wie sie nach und nach unter die Alemannier, Franken, Burgunder und das Reich gekommen sind. In einem kurzen Gemahlde zeigt er uns den Zustand der Eidgenossenschaft, zur Zeit, da Bern erbauet
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worden. Er glaubt nicht, daß Bern jemals von Berchtolden an das Reich übergeben worden , es ist allemal eine Reichsstadt gewesen, und die kyburgischen Erben des zaringische» Hauses haben keine Ansprüche anfBern gemacht. Schon 1244. schrieb K. Conrad an Bern, unter dem Titel : Procuratoribus Burgandiae com- ftitutis. Die Grosmuth ist merkwürdig, mit welcher die mit Oesterreich im Krieg gestandene Schweitzer den Mördern des K. Albrechts den Schutz versagt haben. Im Jahr 1406. übergab Graf Ego von Kyöurg, mit Bestimmung des Kaysers, die Landgrafschaft von Burgund der Stadt Bern. Am Ende dieses Theils, der mit dem Zürcher Krieg 1446. zu Ende g.ht, findet man eine nützliche Nachricht von der Der- burgerrechlung, und dem eidgcnoßischm Rechte. Dieser Theil ist 264. Seiten in Oetav stark: er erscheint auch auf Deutsch, und der zweyte ist auch schon mchrentheils adgedruckk.
Stralsund und Leipzig. Auf Kosten Johann Jacob Weitbrechts sind zwey Bände ingroßOctav gedruckt worden, die den Titel führen : « Der Schwärmer, oder Herum- te streiftr, eine Smenschrift aus dem Engli- “ scheu. » Der Englische Verfasser dieser Sittenschrift ist meistens sehr ernsthaft und hochdenkend. Er machet es nicht, wie der Zuschauer, oder andere von seinen Landsleuten, welche die Laster auf eine fatyrische und lustige Art bcstraffen; ec bemühet sich vielmehr, die Menschen durch Vernunftfchlüsse und Ueberzeu- guugsgründe zu bessern. Was er schreibt, das hat Kraft und Starke; aber man muß auch im Lesen nachsinnen, und von aller Zerstreuung frei) ftvn. Es steckt gewiß viel schönes und Erhabenes in seinen Blattern. Ein solcher Sit- tenlehrer gleicht einem klugen und vorsichtige» Arzte, welcher über eine gefährliche Krankheit nicht leichtsinnig Hinfahrt, sondern sich nach allen Uinständen des Kranken auf das genaueste erkundigt, zn Hanse darüber vernünftig denkt, und bcy seiner Enr jederzeit das wahre Wohl- serin des Patienten und seine eigene Ehre zum nnverrückten Vorwurf behält. Freylich läßt sich der Zuschauer anmulhiger lesen, und es fey fern von uns, daß wir an seinem Vortrage das geringste tadeln sollten; allein, der Schwärmer gefällt uns auch, und zwar auf einer andern Seite. Man betrachte nur unter
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