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Ein guter Chirurg!!- ist einem Lande so no- chig, so unentbchrlich ihm die gesunde Einwoh­ner sind. Nichts destoweniger trist man leider in unfern deutschen Landen sehr wenig recht gründlich unterrichtete Wundärzte an. Aber was ist Schuld daran ? Der nöthige Unter­richt, der Eigensinn, Hoffart und Eigenliebe.

Nichts ist in einem Lande nythiger, als eine wöchentliche Zusammenkunft derer Aerzte, welche sich in einer Stadt bensammen befinden, damit sie sich von ihren Patienten und dem gan­zen mediemal Wesen überhaupt, mit einander freundschaftlich untcrreden könnten. Eine ana­tomische Schaubühne vor die Feldschers und Wundarzncybefliffenen, und endlich eine wohl- eingerichtete Hebammenschule.

Es entstehet eine grosse Unordnung in einer Stadt, und entspringen unverantwortliche Feh­ler daraus, wenn man denen Feldschers, wel­che in Soldatenbedienungen stehen, nicht verbie­te^, ihre Kunst bcy bürgerlichen Patienten aus- zuüben. Denn die Wundärzte, welche unter die Bürgerschaft gehören, müssen ihre Beschwerung von ihrer Kunst geben, sie müssen von ihrer Einnahme leben, und die Feldschers bekommen Sold genug, sich ehrlich durchzubringen. Ueber- dem sind dergleichen Leute auch, niemals die al­lergeschickteste. Denn wenn sie noch kaum ihre drey Lehrjahre ausgestanden, so sind sie schon bedacht, wie sie durch ihre Gönners einen Felo- schersdienst erhalten, und alsdenn fangen sie an, auf Mord und Todtschlag die Heilkunst zu treiben.

Daß ein alter Arzt besser sey, als ein junger, ist nur ein Vorurtheil gemeiner Leute. Die ganze Praxis bestehet in einer vernünftigen An­wendung der Theorie, bey vorfallendcn einzel­nen Fallen. Wenn also ein Arzt kein guter Theorist ist, so kann er auch ohnmöglich ein guter Practicus scyn. Man spricht insgemein: Die Erfahrung macht einen guten Arzt. Wenn dieses wahr ist, so müssen alle gute Aerzte em­pirisch seyn. Die Erfahrungen können freylich einem vernünftigen Arzte sehr viel dienen, aber wenn ich sage, einem vernünftigen, so verstehe ich darunter, daß er zuvor eine vernünftige

Theorie haben müsse. Ein junger ist also hier­zu eben so geschickt, als wie ein alter. Und wenn der alte bey seinem einmal gefaßten Schlendrian bleibet, so ist der junge, wenn er ein guter Theorist ist, und diese bey einzelnen Fallen wohl anznbringen weiß, noch weit bes­ser, als ein hundertjähriger empirischer Practl- cus. Ich kenne einen Arzt, welcher alle seine verschriebene Receptcn in ein Tagbuch einträgt, und selbige bey vorkommenden Fällen wieder abschreibct, ob ihm gleich die Lange der Zeit al­le diese einmal von ihm verschriebene Mittel so in das Gedächtnus gepräget, daß er jetzo nicht mehr nöthig hat, erst fein Tagbuch darüber zu befragen. Denn es bestehet alles in Pulvern, und diese werden nur mannigmal zur Derände- dernng mit destillieren Wassern und Syrupen v-rmischl.

S O RE H.

Aannover. Die Richterische Handlung hat drucken lassen: f «Versuch einer mit Schrifft « und Vernunft übereinstimmenden und erläu- « ternden Uebersetzung der heiligen Bücher des « neuen Testaments, nebst vielen nöthigen und « nützlichen Anmerkungen, r?;;.» Beynahe 4. Alphabeth in Octavo. Der Verfasser die­ser mühsamen Übersetzung gesteht in der Vorre­de, in der er zugleich die Göttlichkeit und Rich­tigkeit der Bücher des neuen Bundes zugleich mit zu retten suchet, daß bey der Erbauung und Nutzanwendung das meiste auf den rechten Sinn der Worte ankomme. Er schmeichelt sich in der gegenwärtigen Arbeit, die anfänglich nur eine Paraphrasirung schwerer Schrifftstellen seyn soll, nicht unglücklich gewesen zu seyn. Wir müssen zu seinem Ruhme gestehen, daß seine wcitläuftige Arbeit vieles zur Aufklärung und zu einem leichtern Verstände vieler Schriftstel­ler! bemragen können. Er hat mit allem Fleiß und nöthiger Aufmerksamkeit, nebst dem Grund­text, die wörtliche sowohl, als Realconnexion und Generalharmonie zum Grunde gelegt; und wir wünschen dem Herrn Verfasser ewu Herzen denjenigen Nutzen, den er von einer solchen Uebersetzung der biblischen Bücher selbst anfuh- ret. Der Nutze ist vierfach: O Alle vernünf­tige Heyden und Ungläubige, die in dem Arti­kel