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Wir verzeihen unfern Feinden gern alles uns anthuende Uebel, ausser dasjenige, welches uns unsere Ehre unv den Gegenstand unserer Haupr- neigung verletzet. Wenn wir aber manchmal in uns gtengcn, so würden wir finden, daß uns ein neidisches Gemüth nichts weniger als unsere Ehre verletzen könnte.

Niemand ist glücklicher als derjenige, wel­cher niemals in fernem Leben weder als Anklä­ger noch als Verklagter vor Gericht hat erschei­nen dörfen.

In einer Residenz muß vornemlich eine star­ke Krugs-Zucht unter der Besatzung gehalten werden, damit nicht ein beständiger Streit mz- ler denen Hofb-.dimten, Militär- und CivihDe- dienlen entstehet.

Einem Ossicier und Kriegsbedienttn ist nichts unanständiger,, als wenn er eine Tapfer­keit in unnölhigen Handeln durch eine schlechte Aufführung zu erhalten sucht. Denn die Tu­gend- und Menschenliebe ist einem Soldaten so nöthig, so nölhig er zu rechter Zeit eine anstän­dige Tapferkeit brauchet.

Wir können niemals zu einer Zufriedenheit gelangen, so fern wir nicht zuvor unsere Affe- clen bezwingen lernen. Denn niemals kann ein auffcrlich Vergnügen so groß ftyn. daß es nicht durch einen innerlichen Verdruß konnte unter­brochen werden. Das wahre Vergnügen beste­het im Wege zur Tugend, und diese muß durch die Religion unterstüzt werden.

Niemand ist glücklicher im Heyrathen als derjenige, welcher auf die Gleichheit des Ge- müths und auf-die Tugend siehet. Stand, Reichthum, Schönheit und Würde, Und Sa­chen , welche zwar eine kurze Zeit das Gemmh vergnügen, aber auch mehrentheils mit Be­schwerlichkeit und Verdruß untermengt werden.

Die Hauptbeschäftigung und Hauptneigung eines Frauenzimmers besteht darin, daß sie sich gern bcy jedermann, vornemlich aber bey den Mannspersonen gefällig machen. Die Tugend, Schönheit und natürliche Reitzung ist das Mit­tel, wodurch sie solches erlangen. Ersteres ist beständig , beyde leztere aber sind vergänglich.

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Nehmen ihre Reihungen durch das Alter, oder durch einen widrigen Zufall ab, so nimmt auch die Gefälligkeit ein Ende, und bleibt ihnen nichts, als noch die Neigung zn gefallen übrig. Sie suchen diese Neigung zu besänftigen, und werden noch in ihrem Alter entweder heilige Betschwestern, oder fangen an, die Arzncy- kunst auszuüben. Ersteres bringet ihnen die Gewogenheit derer Herren Geistlichen zuwege, und lezteres die Gunst ihrer Mitschwestern, weilen sie ohn dem wegen ihren schwachen Kör­pern und natürlichen Beichaffenheiten mehrern Zufällen unterworfen sind, als das männliche Geschlecht.

Es ist allzeit besser, daß man sich gegen ei­nen neuangehendm Schriftsteller bescheiden auf­führet, als daß man ihn gleich auf einmal übern Haufen wirft. So fern er nicht alle Worte durch Ausplünderung andrer vorbringt, so fern wird er auch ganz gewiß noch hin und wie­der nützliche Gedanken angebracht haben. Wir können wohl oft auf einerlei) Gedanken gera- then, aber so lange die Menschen noch verschie­dene Gcmüther haben, so lange werden sie auch noch verschiedene Gaben des Verstandes, ver­schiedene Ausführungen und Beweise behalten. Bayle sagte: Er habe niemals ein Buch gele­sen, woraus er ntcht etwas gelernet.

Einer Republik ist nichts gefährlicher, als die Uneinigkeit derer, welche sich mit der Ge­sundheit beschäftigen. Denn mancher Mensch würde noch beyin Leben seyn, wenn sich die Herren Aerzte mit einander vertragen hatten.

Die Unwissenheit derer Aerzte, Wundärz­ten und Hebamen, ist eine in der Republik täg­lich graßircnde Pest zu nennen. Man trist zwar in allen Ständen eine Vermischung von geschick­ten und ungeschickten Lenken an, dem gemeinen Leben ist aber keine Person gefährlicher, als ein Aergernus anstiftender Geistlicher, ein unwis­sender Arzt, ein unverständiger Barbierer unv eine unerfahre Hebamme.

Nach keiner Verordnung wird weniger ge­lebt, als nach derjenigen, welche das Medici- nal- Wesen betrift. Und ans keine soll man eine schärfere Aufsicht haben, als wie eben ans diese.

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