Anno 1754. ( XL1V, Stück.) _ ZI. Maji.
Mit Römisch- Kaystrlicher Ma/cüät allergnüvigsttm P R I V I L E G I O.
Kritischer Sylphe/
Oder:
Ein gclchttcs Wochm-Blat,
Worinnen alle merckwürdigste Begebenheiten aus dem Reiche der Wissenschaften mitgecheilet, und die darinnen zum Vorschein kommende Schriften einer gefunden Benttheilnng unterworfen werden.
Frankfurt am Mayn.
Vermischte Gedanken.
t Land ist glücklicher/ als dasicnige/ welches von einem Regenten regieret wird/ der selbst den Wissenschaften ergeben ist. Die Wissenschaften setzen allzert eine gesunde Vernunft zum voraus/ und durch diese muß der Flor eines Staates und das Wohlergehen derer Untcrthanen erhalten werden. Die Wissenschaften und Künste werden in selbigem Lande blühen. Der Aberglauben wird abgeschaft, nnö allenthalben gute Ordnung eingeführt werde».
Ein Fürst thnt allzeit besser/ wenn er feine Heimlichkeiten niemand anders anvertranet, ats demjenigen , von dessen Treu und Verschwiegenheit er genügsame Proben erhalten. Es ist ihm dahero auch gar nicht zu verdenke», wenn er diese Treue mit seiner Gnade belohnet. Denn dieser wird dadurch aufgemuntert, seine Dienste m verdoppeln.
Freyrag.
Es ist einem Fürsten nichts nachtheiliger/ und seinem Land und feinen Bedienten nichts gefährlicher/ als wenn er alles dasjenige annemmt und glaubt/ was ihm diejenige Bedienten / so am nächsten um ihn sind / von andern Leuten Vorbringen.
Ein Fürst kan sich allzeit eine bessere Regierung versprechen / wenn er lauter Landskinder zu Bedienten hat/ als wenn er seine DedienlM- gen denen Fremden ercheilet. Denn wer hat mcht eine besondere Liebe vor sein Vaterland/ und wer wird nicht alle Kräfte anwenden/ desselben Wohlfahrt zu erhalten ?
Es ist eine Thorheit/ den wahren und ächten Adel durch eine tauge Reihe vorhergehendst Ahnen zu erkenne»/ da derfelbe doch in nichts anders/ als in der Tugend und grosmüthrgen Tapferkeit bestehet. Diese Thorheit ist mit dem gelehrten Adel zu vergleichen. Denn derDettor- titet ist einem Menschen ohn< Gelehrsamkeit und Wissenschaft mehr zur Schande als zur Würde.
Der gröste Titel/ den ein Mensch bekommen kam bestehet darinnen/ daß ihn jedermann vor einen ehrliche» Mann erkennet/ und nichts ist einem Vernünftige« leichter als dieses zu erhalten.
Wir