Anno 1763*

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Constantinopel, Mm itS. April, cn 8. dieses, verstarb der Grvßvizir,Me- hemed Rachib Bacha, ein Schwager und Favorit des Sultans , an einer aufster- -enden Gicht. Derselbe hat länger als 6 nach, einander folgende Jahre am Staatsruder ge­sessen, und die Om obgelegene wichtige Ge­schäfte sowohl Zum Vergnügen des Sultans, und dessen Untetthanrn, als auch der bey der Pforte residirenden, ausländischen Minister, verwaltet. Es ist dieses ?jne so lange Zeit, daß man davon in dieser Monarchie, noch wenige Beispiele gehabt hat. Die Stelle des Verstor­benen , welchen man allgemein betrauret, ist sogleich durch Hamza Bacha, gewesenen Unter- Viztt oder Kaimakan, und welcher zuletzt die Stelle eines Nissangi Bacha bekleidete, wieder besetzet worden. Er ist ein bejahrter, sanftmü- thiger, freundlicher und friedliebender Mann, und scheinet in allen den Fußstapfen feines Vor- gengers folgen zu wollen, welcher ihn auch noch kurz vor seinem Tode dem Sultan zu seinem Nachfolger empfohlen. Der Großadmiral die­ses Reichs, Mustapha Bacha, ebenfalls ein Schwager des Großsultans, ist wieder zum Nis- sangi Bacha oder Siegelbewahrer, und zugleich zum Gouverneur von Morea erkläret worden. UnsreBerichte aus Asien melden, daß derBacha von Kutaja, welcher bey allen Vorfällen sehr aufmerksam ist, in der Gegend von Erzerum eine ansehnliche Armee versammelt habe, um damit die Bewegungen des Zaucharrm Chan zu beobachten. Dieser letztere ist nach den Sie­gen, die er über die andern Prätendenten des Persischen Reichs, und zuletzt über Azad Chan, der durch Verrätherey seiner eigenen Officiers, oder, wie andere Nachrichten wollen, durch den Prinzen von Georgien, in die Hände des er­wähnten Bacha geliefert worden, erhalten har, mit seiner Armee nach denGranzeu diesesReichs auf dem Marsche begriffen. Dir eigentliche

Ursache dieses Manches ist zwar mit Sicherheit moch nicht bekant; man vermuthet sie aber doch ui einer Rachbegttrde,angesehen dieser Chan von den Türkischen Bachas auf denGranzen die Lie­ferung der Lebensmittel für 3 Monate verlanget gehabt har, dieses aber ihm von denselben abge­schlagenworden ist.

Moscau, vom 25. April.

Der Herr Baron von Breteuil, Minister Sr. Allerchrjstl. Majestät am Rußischen Hofe, hat seine Rappel Briefe erhalten. Der Herr Veren­ger wird so lange die Affairen des Französischen Hofes besorgen, bis ein anderer Minister ange­langet ist. Der Ritter Hobert, Bruder desGra- fen von Bucklugham und Englischen Abgesand­ten an diesem Hofe, reifete den 14. venhier ab. Als er 150 Werste von hier war, zerbrach seine Carvsse auf dem Eise emes Flusses, überden er paßiren mußte; seine Bagage fiel ins Wasser, und er selbst mußte sich lange Zeck zu Tives auf­halten. Zum Glücke ist dieser Herr bey diesem Zufalle gar nicht beschädigt worden; seine Effec­ten sind auch, obgleich mit vieler Mühe, geret- tet worden. Die Wege sind an der Sette von Rostow so tief, daß Ihre Majestät wohk nicht, wie es verlautet har,diesenWeg nehmen werden.

Warschau, vom 25, May.

Se. Kbnigl. Hoheit, der Herzog Carl von Curlanv, sind heute früh um 5 Uhr nach Sach­sen abgereiset. Se. Königl. Hoheit wurden von dem größten Theil der hier befindlichen Grossen des Reichs, auf eine Weite von der Stadt be­gleitet.

Da mich die Befehle Unsers Königs, meines gnädigsten Herrn und Vaters, auf einige Zeit von hier beruffen, so kan Ich nicht unterlas­sen, einer Mir überaus lieben Versammlung vorzustelle«, daß Ich zu dem rechtmäßigen Be­sitz dieser Herzogtümer, ohne Mich dessen m bestreben, blos durch die Gerechtigkeit des Kö­nigs, der dieses Land nicht länger ohne Herzog