So offte er davon sing, fteuete er sich darüber, daß ihm die Thransn Haussen- weift Herabflossen. Nun, sprach er weiter: In solcher Freude bin ich wieder ans den Himmel in dieses Iammcrchal gebracht worden,da mir alles,nachdem ich etwas bessers erfahren, anstinckek, ja wenn nur der König von Preussen das gantze: stenrhKM Hal­berstadt zum Eigeirkhum schencken wolle, damit zu machen was -ch wc!te,ich würde mich mit Freuden bedancken, weil es in meinen Augen rvieK.th und Dreck, will auch den himmlischen Geschmack mir irrdischer Speis.- und Trauck nicht mehr vermischen, son­dern so lange warten, bis ich wieder in meine Ruhe k mme.

Merckwücdrg war es, dc.ß ihn die Kranckbeir verlassen, denn er war nach der letzten Ohnmacht ssarck, frisch und gesund, und von allen Schmertzen desrcyet^da er doch vor­hin kein Glied rühren können. DieAugcn welche vorhin rrieffre?--, trübe und kieffim Kopsse lagen,waren so Helle und klar, als ob sie mit frischen Wasser ausgewaschen. Das Gesich e war wie eines Jünglings in ftiner Brüche Nun,sing er au,lebe ich noch zwcy Tage,und wünsche,daß jedermann zu mir kommen möchte mich anzuhören, damit er sich zuGOtt bekehrrte. Besuchte ihn.jemandst': meinen Daseyn, reichte er ihm die Hände entgegen,und wenn er sie gefastet,Hub er sie in die Höheund sprach: Weg von der Erden, hinauf zu GOtt, hier ist nichtszu thun, wobcy er jedesmal)! Thrauen vergoß.

Seine Frau, welche sich geaen ihn beklagte, wie es ihr und den Kindern, als Ver- 1gffeneu,nach feinem Todegehen würde, gab er zur Antwort : Schämet euch,daß ihr nicht mehr Vertraun zu EOtt habt, der die gantze Welt so lange versorget, wird euch auch wohl versorgen; Eur Unglaube und Mißtrauen macht euch so verzagt, denn wie man glaubt so geschicht einen. Er hieß sie auch mit den Kindern hernach ums Bette kom­men, und vermahnte sie sehr beweglich, ihr Vertrauen eintzig und allein aufGOtt zu se­tzen, und an seinem Worten nicht zu zweiffcln, denn es fey alles Ia und Amen.

Das muß ich gestehen, daß fein Verstand nach der letzteren Ohnmacht ungemein zugenommen, denn er redete nicht mehr als ein gemeiner Mann, und wie zuvor, sondern es war alles kraffttg, nachdrücklich und durchdringend, als ob er die Nede erft in sokur- tzer Zeit seiner Ohnmacht erlernet, denn an statt ich anfänglich sein Lehrer und Tröster, so wendete sich nunmehro das B!at/md ich wahr gegen ihm wie ein Kind, und hörete sei- ue Reden mit Verwunderung an.

Dieses habe ich nicht vergessen sollen, daß er in der letzten Ohnmacht zum Anfang, da er seinen Vorgeben nach, vor Gericht gestanden, ein Feuer rothes Gesicht bekommen, da er doch kurtz vorher eine Todes-Farbe gehabt; Imgleichen ist ihm der Schweiß voM Leibe herunter gelauffen, als ob man ihm mit heissen Wasser begossen. Wie nun die zwey Tage, welche er noch leben folte, zu Enre giengen, spricht er: Nun leget mich aufs Streu ich will sterben die Zeit ist vorhanden, so bald sie ihn angegriffen,thrtt er die Augen zu und schlafft ein, weil aber die Frau ein Geräusche macht, sich wehmürhig austelleke, uud ihn in die Ohren.ruffet, ihn auch nicht niederlegen will, sondern mir Schütteln und Bewegen anhalt, so erwacht er wieder, und spricht: Ihr gottlosen Leute, warum wolt ihr mir die Ruhe nicht gönnen dis mir GOTT gönnet, nun muß ich noch einen gantzen Tag zubringen, welches denn auch geschehen, doch hat man nichl s mit ihn vornehmen können, weil er stets geschlummert, jedoch als man ihn gcfraget: Ob er bep Tag oder Nachte sterben würde? hat er geantwortet: desNachts, welches denn auch gegen den

Morgen erfolget, seines Alters 38 Jahr. Horn Hausen, den 22. Nov. 1733.

Halberstadt, gedruckt vep taugen.