86 Bedenckliche Exempel
chm wie eine Stimme, die zu ihm sagte: dißseye sein Hertz. Darüber kam er auf die Gedancken, er müßte in seinem Hertzen unter anderen melen Sünden noch eine besonders groffeHaupt-Sünde haben, wider die er noch nicht genug Ernst angewendet, und die er auch mit zärtlendem und kalt- sinnigem Kämpffen nicht besiegen würde, sondern er muffe sie mit aller Macht, doch allein aus der Krafft JESU des Schlangen - Treckers, unter- tretten. Darauf prüfte er sich weiter in dem Ge- Lett, und erfände es so, wie es ihm Mgestellt wurde rc.
VUl.
Einige erbauliche und bedenckliche
Exempel von geistlichen Stevern.
I.
A Nno 1614. wurde zu Prag ein Mörder ein- ^ gezogen, der in die 90 . Mordthaten begangen. Dieser hat bekannt, daß ihme einst begegnet feye, daß ein Weib vor dem Strauch, darinnen er, als ein Strassen-Räuber, aufdievor- beyreisende Wandersleute gelauert, vorbeyge- gangen und einen teutschen Psalm gesungen. Dieser folget der Mörder nach, in Willens sie umzubringen, laßek sie aber zuvor aussingen und dadurch wird er wider Verhoffen bewogen, daß er sie bittet , sie sollte ihm doch noch ein Buß-Lied - singen, welches ihm dann vollends dergestalt zu
Hertzen
geistlichen Büchern. 9*
nvthige Erinnerungen eingeruckt und endlich, fast alle und jede mit einer kurtzen Erklärung erläuteret worden seynd. Endlich seynd auch noch 2. neue Vorreden, Gebette vor und nach dem Bibel-Lesen , ein Biblisch Calenderlein, nach welchem man in einem Jahr das alte Testamenteinden Psalter 3. und das Neue Testament 2mal durchlesen kan, ein Unterricht, wie die Bibel zu lesen, allgemeine Regten, die Heil. Schrifft zu erklären, absonderliche Erinnerungen über das Alte Testament und eine Anleitung zur Erklärung des Neuen Testamentes mit beygefügt.
Es wäre zwar gut, wann feiner Papier wäre zu dem Werck genommen, auch alle Anmerkungen gleich unter die Stelle, worzu sie gehören, ge- setzet worden, ingleichem hat der Herr Lckror mehrmalen seine besondere und eigene Meinungen , auch werden viele gemeine Leute in dem lesen des Textes anfänglich wegen der vielen dar- zwischen gesetzten Klammern nicht wohl fortkom- men können: alleine da es doch aufgewisse Weise die Dienste einer gloßierten Bibel thut, und doch dabey wegen seines bequemen Formats und Drucks die Dienste einer Hand-Bibel versehen kan , dabey im Preis sehr leidentlich ist, man auch nicht eben nur des Herrn Aucoris eigene, sondern vielfältig auch anderer unterschiedliche Auslegungen und Gedancken beysammen und offt auf etlichen Linien so viel als anderwärts auf etlichen Bogen antrifft, so ist esallerdigs eine sehx nützliche und diensame Bibel - Auflage«
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9» Nachrichten von teutstherr
hat man zwar Luthers Übersetzung beybehalten , aber das nothige in Klamcrn mit anderer Schrifft oder in Noten erinnert, welches in denen Poetisch - und Prophetischen Büchern, wie auch dem Neuen Testament vornehmlich geschehen ist vnd in der That so wohl zur Erbauung, als auch Erklärung vieler duncklen Stellen sehr wohl dient. Einige der besten Vorreden Luthers, nemlich über das Alte und Neue Testament, Hiob und die Epistel an die Römer seynd gantz mit eingeruckt. Die Summarien und Parallel- Stellcn seynd meistens nach der Hallischen Edition beybehalten, doch auch an einigen Ortenge- andert. Vor - der Bibel stehet eine Erklärung
vieler dunckeler und an theils Orten, sonderlich bey gemeinen Leuten, unbekannter, auch aus den Grund * Sprachen beybehaltener Wörter, so in -der teutschen Übersetzung Luthen fürkommen, wo-" bey zugleich vieles aus den Jüdischen Alterthü- mern, so zur Erklärung dienlich ist, mit ange- führet worden und seynd dergleichen in dem Text mit einem gewissen Zeichen bemcrcket oder mit einer unterschiedenen Schrifft gedruckt. Ferner seynd die Stellen , so sonderlich merckwürdig seynd und mehrentheils wegen eines scheinbaren Widerspruchs einer Vergleichung mit anderen Stellen bedarffen, angemerckt. Sonderlich aber seynd hinten Anmerckungen über die gantze Heil. Schrifft angehänget, worinn sehr viele und zwar die meiste schwerste Schrifft-Stellen nicht nur von neuem nachdem Grund-Text übersetzt, son-. dery guch hier und da mir anderer. Schrifft
von geistlichen Liedern. 87
Hertzen gehet, daß, da er Anfangs willens gewesen , sie zu erwürgen, er solches nicht chun kan, sondern fangt an bitterlich zu weinen und spricht: Sie müsse einen guten Engel zum Beystand haben und wollte er hertzlich wünschen, daß er auch, wie sie, bey GOtt dem HErrn in solchen Gnaden stehen und seyn möchte. Als ihne nun hierauf das Weib getröstet und vermahnet, an GOttcs Gnade und Varmhertzigkeit nicht zu verzagen , hat er geantwortet: es werde wohl umsonst seyn, weil seine Zeit zu sterben nunmehro vorhanden wäre, inmaffcn er also davon gegangen und dem Weib nicht das geringste Leid zuge- süget. Seiffarcs Deüc. mdtc. Ccntur,p, 1219*
2.
Aus tiefferNoth schrey ich zu dir re.
sKJne Christliche gebährende Frau hatte sich in ^ dem Gebähren schon also abgemattet, daß auch alle umstehende Weibs-Personen darüber verzagt wurden und zweifelten : ob es ein gutes Ende nehmen würde; als aber ohngefähr ein armer Schüler vor ihre Thür gekommen und die Worte gesungen: Und ob es währt bis m die Nacht und wieder an den Morgen rc. und solches die schwache Mutter gehöret,' hatfte sich ermuntert, zu GOtt geseuffzt und die umstehende Frauen ermahnt: Wohlan, GOTT schickt uns ein frommes Schülerlein zu, das uns trösten soll, daß wir an GOttes Hülffe nicht verzagen, sondern derselben gedultig und getrost F 4 erwar-