dem Morgen des 17. lief keine Nachricht ein, die auf das traurige Ereigniß den geringsten Bezug gehabt hätte; eine Stille, welche die Wahrheit desselben nur zu sehr ahnen ließ. Am 17. erhielt der hiestge Handelsstand Berichte auS Leipzig v. 14«, welche sich auf die am 12. zu Berlin von dem lost, preuß. Generalkonsulate zu Warschau eingelangten, mit dem Berichte des österreichischen Consu- latsverwesers vom 9. d. M. gleichlautenden, Nachrichten bezogen. Gesandtschaftliche Berichte ans Dresden bestätigten an demselben Tage die Ankunft jener Berichte zu Berlin. Heute, den 19- sind end, lich abermals Berichte aus Warschau hier eingetroffen, welche den Todestag des Kaisers aufden i. Dec. bestimmen; und noch folgende nähere Umstände erwähnen. Am 7. soll die Anzeige von dem Ableben des Kaisers Alexander, nach einer ungefähr vierzehentägigen Krankheit, — wovon Se. Maj. gleich bei Ihrer Rückkehr von einer kurzen Reise «ach derKrimm befallen wurde, und die als ein heftiges Nervenfieber geschildert wird — an den natürlichen Thronfolger, den Großfürsten Constantin, gelangt seyn. Dieselben Berichte melden, daß am 8. S-. kais. Hoh., der Großfürst Michael, mit Aufträgen seines erhabenen Bruders nach St. Petersburg gesendet worden sey. Zur Stunde der Ausfertigung des Berichtes ( am 10. Dec.) hatte noch kein Regierungsact des neuen Regenten zu Warschau statt gefunden; man behauptete daselbst, daß die Ersten aus St. Petersburg ergehen würden. Das Gerücht vom Tode des Kaisers Alexander war übrigens am 4. d. M. im ganzen Königreich Polen verbreitet, und wird sicher auf allen Punkten von Europa mit den nämlichen Gefühlen vernommen werden, mit rvel, chen wir es in diese Blätter verzeichnen.
Korfu, den 21. Nov.
Die Nachrichten, welche wir aus dem Pelopo- nese erhalten, fangen an, beruhigender zu werden. Die griechische Regierung hat endlich eingesehen, wie nöthig es sey, gemeinschaftlich mit den Ein- wohnern zu handeln, um das Land von dem Unheile zu befreien , worunter es leidet. Die Hauptursache, warum Ibrahim Pascha so wenig Widerstand in seinen Umherschweifungen gefunden hat, war die falsche Maßregel der Regierung, den Sold derpeloponnesischen Truppen nach dem Einfalls Ibrahims zurückzuhalten. Sie hofften näm- lich, daß die Gegenwart der feindlichen Truppen
Jedermann nöthigen würde, zur Vertheidigung seines Heerdes zu kämpfen.
Man kämpfte auch wirklich, aber vereinzelt, jeder in seinem Dorfe, und die Anführer konnten niemals auf daurende Weift ein Corps von 10,000 Mann zusammenbringen. Gegenwärtig hat man aber die Besoldung von 0009 Mainoten und 10,000 anderer Moreoten beschlossen. Diese Maßregel verdankt man dem eifrigen Gesuche des Nicctas, der, obschon von den Verfolgungen einiger einflußreichen Personen belästigt, n,.f (ent* Rechtlichkeit fußend, allein sich nach Napoli di Romania verfügte und das erhielt, was im gegenwärtigen Augenblicke die höchste Nothwendig, keit erheischte.
Wir haben einen Brief, von Coritane datirt, wo sich jetzt das griechische Hauptquartier befindet. Der Schreiber dieses Briefes ist ein Schwager von Constantia Bozzaris, rin freimüthiger und rechtlicher Mann. Das Corps von 400M., das er befehligt, gehört zu dem Heere Colocotro- nis, bas schon 0060 M. stark, sich täglich verstärkt.
Er zeigt an, daß man seit dem Monate Juli dem Ibrahim Pascha fünf Gefechte geliefert habe. In den drei ersten wußten die Griechen ihre Stellungen verlassen; in den beiden letzter« aber waren sie siegreich. Er sagt, daß ein großer Thei! des Peloponneses verwüstet, daß aber nicht rin einziger Grieche sich deu Aegyptiern unterworfen habe; am Schluffe versichert er, daß diesen es sehr schwer fallen werde, sich im Winter in dem Innern des Peloponneses zu halten.
Seit vierzehn Tagen geschieht nichts merkwür- diges zu Missolunghi. Die Türken suchen ihr neues Winterlager zu befestigen und die Gar, nison ist beschäftigt, die Werke zu zerstören, welche der Feind verlassen mußte.
Am 16. jd. erschien die griechische Flotte vor Navarino im Angesichte des Feindes. Man erwartet von einem Augenblick zum andern ein entscheidendes Ereigniß. Missolunghi wurde für 40 Tage mit Lebensmitteln versehen, und bald wird dieser Platz mit allem Nöthigen für 6 Monate ausgerüstet seyn.
Die Nachricht, daß Konstantin Bozzaris in dex Nacht das Lager von Redschid Pascha angegriffen habe, war übertrieben, er hat nur eine Zufuhr von 300 Pferden und 200 Kameelen, mit Lebensmitteln für das türkische Lager beladen, erbeutet.