GaAerLe ansgezerchneter Frankfurter.

i.

An dem Tage der großen, Herz erlebenden Feier, welcher jed' Jahrhundert nur einmal crsch.int, wollen wir den Grund­stein zu einer Gall.rie für berühmte und ausgezeichnete Frank­furter legen. Wir fordern Alle, die sich für solches Vorhaben interessiren, auf, uns dabei zu unterstützen, indem sie uns sowohl Materialien zur Bearbeitung, wie auch bereits vollendete Arbei­ten biographische!: Inhaltes mittheilen mögen. Wir glauben diese Galllrie mit demjenigen unserer Landsleute eröffnen zu imMn, dessen Ruhm alle Andern überragt und der in den An­nalen unserer Stadt mit goldenen Lettern verzeichnet ist, mit Wolfgang von Göthe. Da der Zweck unserer Bioaraphieen ein populärer und da die Lebensgeschichte Göthess vielfältig be­arbeitet und den Gebildeten genugsam bekannt ist, so möge hier eine flüchtige Skizze genügen. Göthe's Leben war ein glückliches; er ging auf sonnigen Pfaden und ward ein heiterer Weiser, ein klarer Begreifen der Welt, ein fröhlicher Sänger, ein schalkhafter Satyriftr. Sollten wir nun dem Dichter zür­nen , daß er mehr lächelte als weinte, mehr genoß als schwärmte, mehr dachte als träumte und mehr besaß als hoffte? Sollen wir ihm einen Vorwurf daraus machen, daß er sich wenig be­kümmerte um Welthandel und politische Meinungen? Er hat sich nicht in die Angelegenheiten der Liberalen gemischt und doch wird die Nachwelt liberal genug seyn, ihn über einen Börne nicht zu vergessen.

Ioh. Wolfg. Göthe, einer der größten Dichter, wurde den 28. August 1749 zu Frankfurt a. M. geboren. Sein Va­ter, mit dem Titel eines kaiserlichen Rathes, war ein ernster, strenger Mann und machte sich die Erziehung seines Sohnes zur Lebensaufgabe. Obwohl er. den Knaben in möglichster Frei­heit sich bewegen und nach seiner Eigenthümlichkeit sich ent­wickeln ließ, so wußte er doch die nölhige Strenge ebenfalls walten zu lassen. Des Dichters Mutter, aus sehr geachteter Fa­milie stammend , war eine ausgezeichnete Frau. Von diesen El­tern und von einigen vorzüglichen Lehrern wurde Göthe bis zum Austritt aus dem väterlichen Hause gebildet, und diese Bildung konnte inn so genügender äusfallen, als die Ersteren in glücklichen Vermögensverhältnissen lebten. Der junge Dichter machte schon früh' auffallende Fortschritte und auch sein Ge­schmack für die Künste fand frühzeitig Anregung und Nahrung. Von dem bedeutenften Einflüsse auf Göthe's inneres Leben war seine erste Jugendliebe zu einem Mädchen, Gretchen, aus nied­rem Stande, aber von den liebenswürdigsten Naturanlagen. Die Eltern wußten dies Liebesverbältniß bald aufzuheben; Göthe aber verfiel m eine schwere Krankheit, welcher eine lang an­dauernde schwermüthige Stimmung folgte. Diese Erinnerung aris seinem Leben hat er im Faust verewigt. Im Jahre 1795 begab er sich nach Leipzig, um sich dort zum Rechtsgelehrten auszubilden. Die trockene Weise der dortigen Studien zog ihn wenig an und auch die Bestrebungen Gottsched's und Gellert's konnten seinem dichterischen Fluge nicht genügen. Lieber be­wegte er sich in der heiteren Gesellschaft von Jugendgenossen, verfiel aber in die Extreme des Lebensgenusses, welche für ihn von nachtheiligen Folgen waren. Seine erste Druckschrift, die anonym in Leivzig 1767 erschienen, war ein Spottgedicht auf ein moralisch-ästhetisch-weichliches DramaMedon" von Pro­

fessor Clodius. Der Unterricht des Malers Oser und dasSku^ dium Wrnkelmann's und Lessings waren damals von großem Einfluß, auch des Dichters Bildung. Hier schrieb er auch m Fob-e der Liebelei mit einer schönen Wirthstochter seineLau- neu d.s Verliboten'' welches nebst denMitschuldigen" die ein­zig.» vedcuchnoen poetischen Werke sind, welche sich aus der leipziger Zeit noch erhalten haben. Am Schlüsse seines Aufent­halts in Leipzig verfiel er in eine lebensgefährliche Krankheit, der er jedoch glücklich entging und dann in's Vaterhaus zurück­kehrte. (1768) Von dem wohlthätigsten Einflüsse wurde ihm der bald darauf folgende Aufenthalt in Strasburg und dessen reizenden Umgebungen. Ein Privatlehrer bereitete ihn hier so tüchtig vor, daß er 1771 die Würde eines Doktors der Rechts­wissenschaften erlangen konnte. Uebrigens beschäftigte sich Göthe mehr. mit medicinischen, natur - und schönwissenschastiichen Studien, als mit Jurisprudenz. Hier lernte er Herder kennen und machte mit den dramatischen Dichtungen Shakes­peares vertraute Bekanntschaft. Das bekannte Liebesverbältniß mit der Pfarrerstochter zu Sesenheim bildet eine schöne Episode aus jener in Strasburg so glücklichen und für seine dichterische Entwickelung so reichen Lebens daselbst. Nach Frankfurt zurück- gekehrt, vereinigte sich um Göthe ein Kreis von geistreichen Freunden, unter welchen sich Männer befanden, welche den jun­gen Dichter in das literarische Leben einzusühren im Stande waren^ namentlich Merk aus Darmftadt und die Gebrüder Schlosser, deren Einer Göthe's Schwester, Cornelia, zur Gattin wählte. Göthe gab sich in dieser Zeit ganz dem Leben in der Natur hin; er war fast stets auf kleinen Reisen in der Umge­gend begriffen, übte sich des Winters fleißig im Schlittschuh­laufen u:d Sommer's im Reiten. Nach dem Wunsche seines Vaters mußte er sich nach Wetzlar begeben, um sich in der juristischen Praxis zu üben. Das dortige Gesandtschaftspersonal war auf die feine Ausbildung seines Geistes und seiner Sitten nicht ohne Einfluß. In jener Zeit schloß er sich auch dem Frank­furter Gelehrten-Anzeiger bei, für welchen er mit oft leidenschaft­licher Aufregung kritische Beiträge lieferte. Im Jahre 1773 wieder nach Frankfurt zurückgekehrt, legte er Hand an seinen Götz von Berlichingm, mit dessen Entwurf er sich schon seit Jahren beschäftigt hatte. Das Werk wurde vollendet und mußte, da sich kein Buchhändler dafür finden wollte, auf Kosten seiner Freunde herausgegeben werden. Das Stück machte, wie be­kannt, außerordentliches Aufsehen, welches sich aber nach Er­scheinung des Werther noch vergrößerte, zu welchem Seelenge- malde er durch seinen Aufenthalt und seine persönlichen Berüh­rungen in Wetzlar den Stoff selber gesammelt hatte. Durch seinen Werther war Göthe zum berühmten Dichter geworden. Um diese Zeit machte er auch die Bekanntschaften Jacobis, Heinse's, Lavater's, Basedow's, Klopftocks, und namentlich des Erbprinzen von Weimar, Karl August, der, bald nachher zur Regierung gelangt, Göthen 1775 an seinen Hof berief.

Daß Weimar bald darauf der Mittelpunkt des glänzenden literarischen Lebens und des höchsten Ruhmes jener Periode wurde, ist bekannt. Amalie, die geistige und edelgesinnte Fürstin, war die Seele jenes klassischen Lebens. Wieland, Musäus, Herder und zuletzt Schiller, vereinigten sich in Weimar. Göthe trat in die freundschaftlichsten Verhältnisse mit dem jungen Herzog, wurde zur Theilnahme an der Regierung gezogen, entfaltete die ganze Kraft, Fülle und Anmuth seines großen Geistes, und wurde ntcht nur Weimars, sondern auch d«.s übrigen Deutschlands er-^

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