ster Slcm. Der Herzog ernannte Göthe 1776 zum geheimen Legationsrath, 1779 zum wirklichen geheimen Nach und 1782 zum Kammerpräsidenten, indcnr er ihn zugleich in den Adelftand erhob. Mitten unter den Staatsgeschäften, unter Festlichkeiten und Zerstreuungen aller Art, von berühmten Männern aus al­len Ländern beucht, fand der Dichter doch Muße genug, herr­liche Werke des Genies zu vollenden. Im Sommer 1786 reiste er nach Italien und auf dieser Reise vollendete er Iphigenie auf Tauris, Egmont und einen Theil des Tasso. Nach seiner Rückkehr nach Weimar ward er mit Schillern aufs innigste befteundet. Im Jahr 1770 ging er noch einmal nach Italien. Mehrere Jahre daraus begannen die stürme der französischen Revolution und im Anfänge unseres Jahrhunderts wurde- the's Leben im friedlichen Weimar durch Kriegsunruhen ge­stört. Im Jahre 1806 vermählte er sich mit einer Schwester des bekannten Vulpius. Von jetzt an lebte Göthe noch ein Vierteljahrkundert in Weimar, abwechselnd beschäftigt mit Staatsgeschäften, mit Kunst und Wissenschaft und mit Vollen­dung und Herausgabe seiner^ Schriften. Der Tod seines einzi­gen Sohnes traf ihn als einen der härtesten Schicksalsschläge. Götbe starb, heitern und klaren Geistes bis zum letzten Augenblicke, den 22. März 1832.

Nock einmal laßt uns in die Gallerie treten, in der seine unsterblichen Werke ausgestellt sind! Welcher Reichthum, welche klassische Vollendung, welche Mannichfaltigkeit, welche Originalität! Welche Richtung des Geistes war ihm fremd, welche Erscheinung des Lebens hat er nicht beleuchtet? Betrach­tet nur seine Schöpfungen! Alle tragen das Gepräge griechi­scher Anmuth, und neigen sich durch die Vollendung ihrer For­men, durch die Klarheit ihrer Ideen und durch den anmuthigen Geist der Heiterkeit zur antiken Schönheit hin. Göthe's Muse ist heiter und klar, wie sein Leben; sie bewegt sich in ewig blühender Frühlingssphäre. . Italienische Glut. in seinen rö­mischen Elegieen und an vielen stellen seines Wilhelm Meister, französische Finesse in den meisten seiner Kleineren Novellen, eng­lische Festigkeit und Bestimmtheit in seinen Charakterschilderun­gen, orientalische Fülle in seinem westöstlicken Divan, proven- zalische Heiterkeit in seinen Romanzen, altdeutsche Einfachheit in vielen seiner Balladen, alle diese Richtungen vereinigt er. Hier tritt er als Idyllen-Dichter auf, dort als zarter Elegi­ker; hier wetteifert er im Drama mit Shakespeare, dort ist er kühn genug , eine antike Tragödie zu schaffen; hier entfaltet er in Tasso Tiefe des Gemüths und hinreißende Grazie; hier zeigt er in seinem Rheinccke Fuchs eine köstliche Laune und seltene Welt- und Menschenkennwiß, und dort spielt er in seinen Fast­nachtsspielen den einzigen Satt-riker; hier überschüttet er uns mit einer Fülle von Gedanken in seinen Schriften über Kunst und in seinen Romanen, dort dringt er in alle Tiefen unseres Herzens, das wir selbst, wir, die Eigenthümer desselben, kaum "so gut kennen, als er, der Fremde; hier endlich rafft er sich in seinem Faust, gleich einem Titanen, auf, rüttelt kühn an dem alten Welttäthsel, häuft Gedanken auf Gedanken, mtt unverzagt in die schauerlichsten Einöden der Menschenbrust hinein, beschwört den dräuenden Geist der Elemente, der da gebiert und zernich­tet, und sagt:

Und ich bin Faust, bin Deines Gleiten.

Göthe ist nun gestorben. Der Frühling ist zu chm ze­tteten und hat gesagt: Du hast mich oft hier unten auf Deiner Erde gesehen, geliebt und besungen. Gehe nun hinüber und beschaue mich auch dort! Dort bin ich noch schöner. Darauf hat der Frühling seine Seele hinüber geweht.

Die Zeitungssetzer an das Publikum.

Am Johannistage 1840.

Feierklänge hört man schallen Und aus Nord, Süd, Ost und West Sieht man Fahnenzüge wallen;

Unserm Meister gilt das Fest.

Gutenberg, den Weltbefrcicr,

Rennt man mit Begeisterung Und es bringt zur hehren Feier Zeder seine Huldigung.

Sollten wir beim Feste fehlen,

Wir, die ihm am nächsten steh'n,

An dem Lag, wo tausend Seelen Sein Gedachtniß hoch begeh'n?

Sollten wir, die als Genossen Sich der schwarzen Kunst geweicht,

Heut', vom Festzug ausgeschlossen,

Frohnen der Alltäglichkeit?

Nein! Wir haben schon seit Zähren Uns auf dieses Fest gefreut;

Zmmcr werden wir bewahren Die Erinnerung an heut',

Und wenn sonst am Lettcrnkasten Man uns täglich treffen mag,

Heute ziemt es uns, zu rasten An des Meisters Ehrentag.

Za, das Setzen einer Zeitung Fiel' am Fest uns wirklich schwer;

Denn ihr wißt, auf Lichtverbreitung Trinkt man heut' manch Gläschen leer.

Weil wir uns vergnügen wollen Bei Gesang und Wein und Schmaus,

Deshalb kommt, nicht mög't ihr grollen!

Morgen kein Z o urn a l heraus.

Wir, sonst aller Trägheit Feinde,

Bitten dich viel tausendmal,

Didaskalia - Gemeinde,

Und euch, Leser vom Journal,

Seht uns einmal durch die Finger Und laßt fünf heut' grade seyn:

Gutenberg's bewährte Jünger Bringen's später wieder ein.

Frankfurt a. M., 24. Zunius 1840. Ludw. Hub,

im Namen seiner C»llegen.

Siedaktrur: I. L. Heller. Druck und Lerlag vcn Heller und Rohm.