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Zeichnung seines Tagebuchs hervorgeht:Meine Abbildungen halte ich für weit wichtiger, als die Texte; letztere veralten, erstere werden sie weit über­leben und wie ich hoffe, noch spätem Schülern der Wissenschaft förderlich sein. Ich besass die Mittel nicht, mich in meinen Arbeiten dadurch zu er­leichtern, dass ich mir einen Zeichner hielte. Ich musste Alles selbst zeichnen, mich aber dazu erst einlernen, eine correkte Methode, die naturhistorisch sei und zugleich der Kunst entspräche, erdenken und namentlich die Lehre des Spiels der Schatten studieren, doch nicht aus Büchern, sondern in der Natur, meist aus Bauwerken und Zimmerverzierungen, die mir manche unterhaltende Stunde während des Ausruhens gewährte. Schwierigkeiten kannte ich nicht, sie waren nur bei complicirteren Fällen vorhanden und fanden ihre Lösung in einzelnen leichtern Fällen. So gelang es mir die grössten und verwickelt- sten Zeichnungen durch Vereinfachung zu Stande zu bringen. Die Schwierig­keiten wurden durch Geduld und Zeit beseitigt, woran ich nicht geizte.

Fleiss, Ordnungsliebe und Wahrhaftigkeit waren der Grundzug in Meyers Wesen. Jede Stunde seines vielbeschäftigten Lebens besass ihre geregelte Bestimmung und alle Arbeiten hatten ein festes Ziel im Auge. Die erstaun­liche Fülle von positiven Kenntnissen, verbunden mit einem klaren durch­dringenden Verstand setzten ihn in die Lage den schwierigsten Zweig der Palaeontologie zu ergreifen, in dem mehr als in irgend einem andern umfas­sende Detailkunde und Combinationsgabe vereint sein müssen, um wirkliche Erfolge zu erzielen.

Meyers Verdienst liegt in der Detailforschung; er gehörte nicht zu jenen epochemachenden Geistern, welche durch geniale Ideen, durch geistvolle Zusammenfassung vereinzelter Thatsachen unter allgemeine Gesichtspunkte ihrer Zeit voran eilen, durch fruchtbringende Hypothesen die Wissenschaft in neue Bahnen lenken, und durch glänzende Darstellung in weite Kreise ver­breiten; ihm fehlte der kühne Flug der Phantasie, philosophische Specu- lationen waren seiner Natur zuwider, gegen generalisirende Regungen sträubte sich seine nüchterne, klare Anschauung.

Meyers Werke sind lediglich für Fachleute bestimmt, sie bilden keine anziehende Lektüre fürs grössere Publikum, sie enthalten sehr häufig sogar nur ganz specielle Beobachtungen und Beschreibungen, die selbst der Fach-