mann nur im Falle des Gebrauchs eines genauem Studiums würdigt. Dies ist aber das Schicksal der meisten Specialwerke. Sie sind nicht auf ephemeren Erfolg, sondern auf andauernde Wirksamkeit berechnet. Thatsächliche Leist­ungen im Gebiet der Wissenschaften widerstehen dafür auch dem vernich­tenden Einfluss der Zeit; wenn die Namen der geistreichsten Compilatoren, der beliebtesten Schönschreiber längst verweht sind, lebt der des Forschers in der Geschichte unauslöschlich fort.

Populäre Behandlung wissenschaftlicher Fragen war Meyers Stärke nicht, auch liebte er es durchaus nicht als Redner öffentlich aufzutreten. Seine Vorträge auf Naturforscherversammlungen waren übrigens klar und bündig, streng sachlich und reich an Thatsachen.

Meyers Gründlichkeit und Wahrheitsliebe konnte nur von seinem riesigen Fleiss übertroffen werden. Auf die Wissenschaft, welche er sich erst nach Ueberwindung äusserer Schwierigkeiten erkoren hatte, vereinigte er fast ausschliesslich sein Lebensinteresse; in ihr suchte und fand er Ersatz für das Glück eines eigenen Familienlebens und für viele andere Freuden, auf die er aus Rücksicht auf sein körperliches Leiden theils freiwillig verzichtete, theils zu entsagen genöthigt war.

Eine von Launitz in Frankfurt ausgeführte, wohlgelungene Büste aus Meyers spätem Lebensjahren zeigt uns einen ausdruckvollen, aristokratischen Kopf. Unter der mächtigen Stirn schauen die Augen klar und heiter in die Welt, die Züge sind feingeschnitten, anziehend, das Gesicht von einem kurz­geschnittenen Bart vollständig umrahmt, die Haare schlicht und etwas dünn. Der kräftige, muskulöse Körper wurde von schwachen , etwas verunstalteten Füssen getragen und erhielt dadurch beim Gehen eine gewisse Unbeholfenheit, die übrigens durch feine weltmännische Umgangsformen gemildert wurde. Er liebte und suchte geselligen Verkehr, doch nur in sehr gewählter Gesellschaft; in der Unterhaltung verachtete er alles oberflächliche Gerede, er sprach wenig, aber stets gehaltvoll, konnte jedoch bei Widerlegung entgegengesetzter An­sichten so warm werden, dass es ihm schwer wurde abzubrechen, ohne den Gegner überzeugt zu haben. Für bildende Kunst besass er feines Verständniss, Musik und Poesie dagegen lagen ihm ferne.

Meyer erwies Jedermann eine ausgezeichnete Höflichkeit, beanspruchte aber auch von anderer Seite eine seinen Verdiensten gebührende aufmerksame

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