24
Meyer gehörte übrigens nicht zu jener geistlosen Sorte von Specialisten nntl Systematikern; er hat niemals über seinen Detailstuclien den Zusammenhang mit dem Ganzen ans dem Auge verloren, für ihn bestand die Aufgabe der Palaeontologie darin „aus den fossilen organischen Ueberresten die erloschenen Gattungen herzustellen, den Bestand an Geschöpfen in den verschiedenen Zeiten zu ermitteln, eine Schilderung von den vorweltlichen Faunen und Floren zu entwerfen, diese in den verschiedenen Zeiten untereinander und mit der lebenden zu vergleichen, die Unterschiede, welche sich dabei heraussteilen abzuwägen und die Veränderungen hervorzuheben, welche von den frühesten erdgeschichtlichen Zeiten an bis auf uns sich in der Schöpfung zugetragen haben.“
Wenn diese Definition der heutigen Aufgabe der Palaentologie auch nicht mehr vollständig genügt, wenn wir in einer solchen jetzt die Ermittelung des genetischen Zusammenhangs der ausgestorbenen Formen unter sich und mit der gegenwärtigen Schöpfung ungern missen, so enthält sie doch schon eine hinreichende Anzahl von Problemen, um den denkenden Geist des Forschers dauernd zu fesseln. In einer eben im Entstehen begriffenen Wissenschaft, deren Alter erst nach wenigen Decenien zählt, bildet aber die Erwerbung positiver Thatsachen die erste und wichtigste Aufgabe. Der Ruf nach exakter Forschung ertönte mit besonderer Nachhaltigkeit unter den Freunden der Geologie und Palaeontologie, da gerade diese Wissenschaften dazu ausersehen schienen, den Tummelplatz für alle möglichen abstrusen Hypothesen zu bilden.
Meyer hat einen sehr wesentlichen Antheil an dem Umgestaltungsprocess genommen, der sich in überraschend kurzer Zeit in der Palaeontologie vollzog. Die Mineralogen mussten zuerst aus diesem ihnen fernliegenden Gebiete verdrängt werden, der überwiegende Einfluss der Geologen, welche die heran- wachsende Wissenschaft fast gänzlich für ihre Zwecke dienstbar zu machen suchten, bedurfte dringend einer Beschränkung und die streng naturhistorische, in Zoologie und Botanik erprobte Methode musste durchaus auch auf die Untersuchung der ausgestorbenen Organismen angewandt werden.
Die Fühlung der Palaeontologie mit der Botanik, Zoologie und vergleichenden Anatomie wird täglich inniger und dazu hat Meyer nicht wenig beigetragen.