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zugeschrieben werden, dass die Resultate seiner Untersuchungen selten ange- fochten und noch seltener als irrig widerlegt wurden. Es dürfte schwer halten, den Beschreibungen jener zahllosen Fossilreste, die durch seine Hände gegangen und von ihm veröffentlicht worden sind , etwas wesentliches beizu­fügen. Seine Arbeiten lassen sich mit fertigen, zugehauenen Bausteinen vergleichen, die überall in das rasch emporstrebende Gebäude unserer jugend­lichen Wissenschaft eingefügt werden können.

Noch liessen sich Dutzende von Abhandlungen über die verschiedensten Familien der Wirbelthiere aufzählen, von denen jede einzelne einem andern Autor einen ehrenvollen Platz unter den Fachgenossen verschafft haben würde; allein es kann hier nicht meine Aufgabe sein, die Leistungen Mey ers bis ins Detail zu verfolgen. An einer reichbesetzten Tafel pflegt man ohnehin nicht nach Brodsamen zu suchen.

Nicht unerwähnt darf aber Meyers Betheiligung an den mühevollen Verzeichnissen von Agassiz und Bronn bleiben. Für den Nomenclator zoo- logicus hat Meyer die fossilen Säugethiere, Vögel und Reptilien übernommen; und dieselben Thierklassen hat er auch für den Bronnschen Index palaeonto- logicus bearbeitet.

Die holländische Societät der Wissenschaften zu Haarlem wusste den Werth der letztem Arbeit so sehr zu schätzen, dass sie den deutschen Palaeon- tologen vorzüglich wegen dieser Leistung zu ihrem Mitglied ernannte.

Um Meyers Verdienste, seinen Einfluss und seine Stellung zur Palaeon- tologie richtig zu würdigen, müssen wir uns den Zustand dieser Wissenschaft bei Beginn seiner Wirksamkeit vor Augen führen. Die epochemachenden Werke von Cu vier, Lamarck und Brongniart, durch welche die Palaeontologie überhaupt erst zum Rang einer Wissenschaft emporstieg, waren im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts erschienen. In England hatten Lister, Smith, Parkinson und Buckland, in Deutschland Bronn, Schlotheim, Philippi u. A.