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In den ,,Reptilien aus dem Stubensandstein des obern Keuper“ finden wir eine Ergänzung zu den früher veröffentlichten Sauriern der Trias. Hier wendet Meyer seine Aufmerksamkeit dem merkwürdigen Neckarsaurier zu, für welchen er schon im Jahr 1842 den Namen Belodon vorgeschlagen hatte. Mancherlei Reste dieses Thieres waren früher von andern Autoren beschrieben und zum Theil sehr irrig gedeutet worden. In der kostbaren Sammlung des Herrn Kriegsrath Kapf in Stuttgart hatte sich aber nach und nach eine solche Menge prachtvoll erhaltener Kopf- und Skeletfragmente angehäuft, dass sie eine fast vollkommene Restauration dieses ausgestorbenen Thieres ermöglichten. Mit jener Umständlichkeit, Breite und skrupulösen Genauigkeit, welche das Lesen der Mejmr’schen Abhandlungen häufig zu einer wenig anziehenden Aufgabe machen , werden sämmtliche Ueberreste geschildert und zum Schluss ein Bild des ganzen Sauriers entworfen. Die Form des Schädels erinnert an Gavial, allein die Schnautze ist hoch, seitlich zusammengedrückt und gekrümmt, die Bezahnung und die festen Hautschilder sind wie bei den ächten Orocodiliern beschaffen. Sonderbarer Weise liegen jedoch die Nasenlöcher, wie bei den Eidechsen, weit hinten an der Basis der Schnautze, an einer Stelle, wo bei dem verwandten Teleosaurus aus dem Lias ebenfalls noch Andeutungen von Oeffnungen vorhanden sind, während sich die eigentlichen Nasenlöcher allerdings schon ans vordere Ende der Schnautze wie beim lebenden Gavial vorgeschoben haben. Auch im Skeletbau weist Meyer eine Vermischung von Crocodil- und Eidechsencharakteren nach und liefert uns somit ein vortreffliches Beispiel jener Misch typen, in welchen die Anhänger der Descedenztheorie die Wurzel verschiedener auseinandergehender Gattungen oder Familien erblicken, die sich erst im Verlauf der geologischen Zeit geschieden oder gleichsam abgeklärt haben.
Schliesslich mögen noch die Abhandlungen über diluviale Rhinoceroten, über Placodonten, über die Genera Tapirus und Mastodon gemeinsame Erwähnung finden, da sie trotz der stofflichen Verschiedenheit einen ziemlich gleichartigen Charakter besitzen und ohne Ausnahme Proben einer meisterhaften Beherrschung der Literatur und des Materials bekunden.
Meyer’s exakter Methode, seiner bis auf die unscheinbarsten Merkmale ausgedehnten Sorgfalt, seiner umfassenden Sachkenntnis und seinem Scharfblick aus vereinzelten Beobachtungen richtige Schlüsse zu folgern, muss es