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Meyers Entdeckung, dass die ältesten Reptilien durch den Mangel einer ver­knöcherten Wirbelsäule zeitlebens einen embryonalen Charakter an sich tragen, hohe Bedeutung.

Der bayerischen Akademie brachte Meyer zu ihrem 100 jährigen Stiftungs­tag den lezten Band seiner Fauna der Vorwelt als Ehrengabe dar. Mit den ,,Reptilien aus dem lithographischen Schiefer hat sich nicht nur der Verfasser ein unvergängliches Denkmal gesetzt, sondern auch den bayerischen Staat mit einem palaeontologischen Werk von seltener Vollkommenheit beschenkt. Mit Ausnahme von wenigen Stücken stammen die untersuchten Gegenstände aus den berühmten lithographischen Schieferbrüchen Bayerns, und zwar aus der Gegend von Solenhofen, Eichstädt, Daiting und Kel- heim. Leider konnte nur ein Theil der kostbaren Funde für die bayerische Staatssammlung erworben werden, viele sind ins Ausland gewandert und in öffentlichen und Privatsammlungen vertheilt. Meyer hat mit grosser Mühe die zerstreuten Materialien gesammelt , sorgfältig beschrieben und mit gewohnter Genauigkeit abgebildet, so dass sein Werk ein vollständiges Repertorium aller bis zum Jahr 1860 im lithographischen Schiefer auf­gefundener Wirbelthierreste darstellt. Besonders werthvoll sind die Unter­suchungen über die Pterodactylen, deren schon von Cuvier behauptete aber - vielfach angezweifelte Reptilien-Natur aufs unwiderleglichste nachgewiesen wird. Nach der Beschreibung von mehr als 25, mehr oder weniger vollkommen erhaltenen Skeleten, nach der genauesten Schilderung der einzelnen Knochen werden die Beziehungen der Pterodactylen zu den Säugethieren, Vögeln und Sauriern abgewogen und die zoologische Stellung dieser sonderbaren, ausge­storbenen Geschöpfe bestimmt.

Im Jahr 1846 vereinigte sich Meyer mit W. Du nker in Marburg zur Gründung der Palaeontographica, der einzigen grösseren paläontologischen Zeitschrift der Welt, die ohne alle Subvention einer Regierung, einer Akademie oder eines Vereins seit mehr als 20 Jahren existirt und die Veröffentlichung vieler werthvoller paläontologischer Tafelwerke möglich gemacht hat.

Nicht weniger als 103 kleinere und grössere fast ausnahmslos von eigen­händigen Abbildungen begleitete Abhandlungen in den Palaeontographicis haben Meyer zum Autor. Eine solche Fülle von Stoff entzieht sich selbst-

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