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Mit den Palaeologicis hat Meyer seine literarische Thät-rgkeit über Gegen­stände allgemeineren Inhalts begonnen und zugleich abgeschlossen. Von nun an wendet er seine Kraft Specialuntersuchungen namentlich über Wirbelthiere zu.

Die Abhai) dlung über diefossilen Zähne und Knochen und ihre Abla­gerung in der Gegend von Georgensgmünd in Bayern u verschafften dem bereits rühmlichst bekannten 33jährigen Mann einen festen Platz in der deutschen Gelehrtenwelt. Obwohl der Titel dieses Werkes nur die Beschreibung einer Anzahl von neuen oder auch schon anderwärts bekannten Wirbelthierresten verheisst, so finden wir doch als Einleitung eine umfangreiche Abhandlung über Odontologie überhaupt und im speciellen Theil eine solche Menge von Vergleichen und allgemeinen Beobachtungen eingestreut, dass wir dasselbe geradezu zu den fundamentalen deutschen Schriften über fossile Wirbelthiere rechnen dürfen. Die wichtigen Gattungen Hyotherium und Palaeomeryx werden aufgestellt und das Vorkommen von Palaeotherium (jetzt Anchi- therium) zum erstenmal in Deutschland nachgewiesen. Meyer spricht sich hier mit grosser Entschiedenheit gegen die Sicherheit des Gesetzes von der Corre- lation der Theile zum Ganzen aus, das in den vielgenannten Worten Cuviers une seule dent ma, pour ainsi dire, tout annonce seinen drastischen Aus­druck findet. Meyer hält es für unmöglich, mit Gewissheit auf dem Wege der Analogie aus einem Theil, so wesentlich er auch sei, auf andere Theile, sowie auf das ganze Thier zu schliessen. Er hält es dagegen für möglich, dass Thiere, welche in einem oder mehreren Theilen die grösste Aehnlichkeit besitzen, in andern die überraschendste Unähnlichkeit an den Tag legen können, dass somit die Analogie einzelner Theile keineswegs auch die Analogie des Ganzen bedinge. Nach den misslichen Erfahrungen, welche Kaup und Meyer kurz vorher mit der Restauration des Unterkiefers von Dinotherium gemacht hatten, lässt sich die Abneigung gegen Analogieschlüsse leicht begreifen. Dennoch dürfte hier Meyer mit der gänzlichen Ableugnung des Cuvierschen Gesetzes etwas über das Ziel hinausgeschossen haben. Die Abbildungen sind, wie in fast allen spätern Schriften, von Meyers eigener Hand, ausserordentlich treu und plastisch, aber etwas zu sehr mit Schatten überladen, ein Fehler der vom Recensenten im neuen Jahrbuch für Mineralogie (Bronn) hervorgehoben und vom Autor später sorgfältig vermieden wurde.

Nicht unerwähnt dürfen Meyers Arbeiten über fossile Krebse bleiben, die stets neben denen über Wirbelthiere hergingen. Er beschränkte sich auf