lichkeit desselben für die Wissenschaft zur Seite. — Schon die zahlreich gedruckten und in verschiedenen W erken zerstreuten, und die noch zahlreicheren, nur handschriftlich i.n den Bibliotheken und Archiven des In- und Auslandes auf bewahrten (zum Theil schon der Vermoderung entgegeng’ehenden) althochdeutschen Glossen erfordern eine lexikographische Zusammenstellung'. Aber auch die bereits erschienenen und noch herauszu-" gebenden althochdeutschen Sprachdenkmäler in zusammenhängender Bede machen ein althochdeutsches Wörterbuch für alle .Leser derselben nothwendig. — Eben so bedürfen die Lehrer, die die Jugend in der deutschen Sprache unterrichten, eines althochdeutschen Wörterbuchs, das sie über die Bedeutung, Form, Biegung, Bildung, Ableitung, Zusammensetzung unserer Wörter ein richtiges, auf den ursprünglichen Bau und Geist und Sinn unserer Sprache gegründetes Ur- tlieil fallen lasse; noch unentbehrlicher aber wird ein solches Werk für diejenigen Gelehrten, die unsere Sprache (nicht allein unsere Hochdeutsche, sondern auch alle zum deutschen Sprachstamm gehörigen, theils ausgestorbenen (wie z. B. das Angelsächsische ist), theils noch lebenden Dialekte) zum Gegenstände ihrer grammatischen und etymologischen Untersuchungen machen. Ja alle Sprachforscher des Griechischen und Lateinischen können bei dem höheren Standpunkt, auf den das Sprachstudium durch Bopp, Böckh, Grimm, v. Humboldt, Lobek, Rask gebracht worden ist, der Aufschlüsse, die der althochdeutsche Sprachschatz der vergleichenden Sprachwissenschaft darbietet, nicht entbehren; auf welche Abwege selbst ausgezeichnete Philologen bei ihren Untersuchungen über griechische und lateinische Wörter und Formen aus Unkunde des Althochdeutschen gerathen sind, habe ich in den Jahrb. f. wiss. Rrit. 1830 Ar. 48. JuroL einige Beispiele anschaulich zu machen gesucht. Gleich unerlässlich ist auch die nur durch ein althochdeutsches Wörterbuch zu erzielende Kenntniss der ursprünglichen Form unserer Wörter liir die Nachweisung des Zusammenhangs unserer und der indischen Sprache, wie ich gleichfalls in der angeführten Schrift durch einig'e Beispiele erläutert habe. Aber auch der Geschichtsforscher und Rechtsgelehrte hat ein althochdeutsches Wörterbuch bis jetzt schmerzlich vermisst. — Ich begnüge mich mit dieser kurzen Hinweisung auf die literarische Wichtigkeit des althochdeutschen Sprachschatzes, weil die Unentbehrlichkeit desselben in der gelehrten Welt hinlänglich erkannt nnd anerkannt ist; Grimms Worte in der Vorrede zur lsten Ausgabe seiner Grammatik (1819) „ein umfassendes Glossar des althochdeutschen Spracli- vorraths gehört zu unseren dringendsten Bedürfnissen“ 1 waren es ja eben, die mich zuerst zur Bearbeitung eines solchen Werkes aulforderten und begeisterten, und seitdem ist in Litteraturzeitungen und anderen wissenschaftlichen Schriften von vielen Seiten her das Verlangen nach dem Erscheinen dieses meines W erkes auf eben so entschiedene, als mich aufmunternde Weise ausgesprochen worden.
Damit nun dieses althochdeutsche Wörterbuch allen hier angeführten Interessen zu entsprechen im Stande sey, sind nicht nur die ältesten Wörter der hochdeutschen Sprache, auch notnina proprio ,, die von den frühesten Zeiten an, aus denen uns deutsche Wörter (bei griechischen und römischen Schriftstellern, aus alten Gesetzen, Urkunden etc.) aulbewahrt sind, bis zum
12ten Jahrhundert Vorkommen, unmittelbar aus den handschriftlichen Quellen, vollständig, mit diplomatischer Treue, in allen nach den verschiedenen Quellen verschiedenen Formen, darin aufgenommen, und, um da» ganze Gebilde unserer Sprache in ihren Wurzeln und Wortbildungen überblicken zu lassen, überall, wo es tliunlich war, nach den historisch nachweisbaren und durch das Sanskrit, Griechische, Lateinische, Gothi- sche, Altpreussische, Nordische, Angelsächsische, Altniederdeutsche bestätigten Wurzeln geordnet, und mit den ihnen entsprechenden Ausdrücken in den eben genannten Schwestersprachen verglichen, sondern es ist auch überall, wo es möglich war, die ursprüngliche Bedeutung erklärt, das lateinische Wort, dem das altdeutsche Wort zur Uebersetzung dient, beigesetzt, oder, w r o das Wort unerklärt bleiben musste, wörtlich die Stelle und der Zusammenhang, worin das deutsche Wort vorkommt, angeführt, jede Verschiedenheit des Gebrauchs und der Anwendung eines Worts angegeben, jedes Nomen und Verbum, in allen seinen Flexionen, und zwar auch in allen verschiedenen Formen derselben, aufgestellt, und Wortbildungslehre und Syntax bei der Abhandlung jedes Worts vollständig berücksichtigt; dabei ist jedes W^ort, jede Form, jede Flexion reichlich, ja bisweilen erschöpfend belegt, und uin für unsere heutigen Wörter ihre ursprüngliche Form und Bedeutung leicht und bequem auffinden zu lassen, am Ende des Werks ein alphabetisches Verzeichnis aller neudeutschen Wörter, die in dem Werke erklärt sind, nebst Angabe der Blattseite, auf der diese Erklärung steht, beigefügt.
Mit Einschluss einer dreijährigen Reise, auf der ich (unterstützt von d. R. Preuss. Minister des Unterrichts H. Frei - herrn v. Altenstein undderK. Akademie der W issenschaften zu Berlin, und vielfach gefördert durch die in meiner Diutiska genannten Gelehrten und Staatsmänner), um zu den ältesten deutschen Sprachdenkmälern, ohne welche die Lösung meiner Aufgabe nicht möglich war, zu gelangen, die Archive, Bibliotheken und Klöster Deutschlands, Frankreichs, Italiens und der Schweiz durchsucht habe, bin ich nun bereits 12 Jahre mit der Bearbeitung dieses Werkes beschäftigt, und seit einem Jahre schon hätte ich den Druck desselben beginnen lassen können. Allein, mit wie vollem und freudigem Beifall auch sowohl die Wichtigkeit als der Werth meiner Arbeit von denjenigen, die sie näher kennen, — und darunter sind Männer, wie Benecke, Bopp, Böckh, Grimm, v. Humboldt, — anerkannt worden ist, und wie viele gelehrte Stimmen, nicht nur in allen Recensionen meines Werks über die althochdeutschen Präpositionen und meiner Herausgabe der Diutiska und des otfridi- schen Gedichts: Krist, sondern auch bei anderen Gelegenheiten, selbst in der allg. Preuss. Staatszeitung (1830, Nr. 303) auf die Erscheinung meines althochdeutschen Sprachschatzes das gelehrte, und das gesammte gebildete Publikum aufmerksam gemacht haben, so ist doch leider die in einem vorjährigen Aufsatze des Morgenblatts (Nr. 9), ich weiss nicht von wem, ausgesprochene ßesorgniss: Leider dürfen wir sobald das althochdeutsche Wörterbuch von GrafF nicht erwarten. So grossartig auch die Vorarbeiten sind, — so sehr endlich durch dieses Werk, für das jeder Deutsche Interesse nehmen muss, einem sehr fühlbaren, driik- kenden Mangel abgeholfen würde, so möchte in der jetzigen Zeit sich gleichwohl nicht leicht ein Verleger