Nro. 157.

H e s p e r u s.

Donnerstag, i. Juli 1324.

Augsburg, z 3 . Juni.

Staatspapiere, besonders Wiener Bankactien.

(Verglichen Nr. 144. u. 156.)

Die Aufsatze wegen des nur allzusehr ausge­dehnten Verkehrs in Staatspapieren habe ich mit Vergnügen gelesen. Der erstere rührt, wie man mit mehr als Wahrscheinlichkeit vermuthet, von ei­nem sehr angesehenen, hiesigen Wechselhause her,, welches schon seit Jahren sich hauptsächlich damit beschäftigt, von kleinen Staatspapier-Spekulanten Prämien zu nehmen, und solchen dagegen die Wahl zu lassen, nach Verlauf von 3 , 6 oder noch mehr Monaten Staatspapiere zu einem bestimmten Preis entweder zu übernehmen oder zu liefern. So lange nun die Sraatspapiere weder beträchtlich steigen noch beträchtlich fallenoder auch, wenn tzerKurs, der Staatspapiere, die man zu übernehmen hat, bey Lieferungszeit höher steht, als der bedungene Kurs, so daß der Prämienzahler keine Convenienz dabey findet, solche zu liefern; oder wenn im umgekehrten Falle die Sraatspapiere, die man zw liefern hat, zur Ablieferungszeit niedriger stehen, als der be­dungene Kurs, so daß der Prämienzahler durch die Uebernahme Verlust erleiden würde: so sind diese Prämien reiner Gewinn. Auf diese Werse hat eben dieß Wecvselhaus, indem es, wie man versichert, früher als andere, Kenntniß von demzweyten Roth­schild scheu Anlehen hatte, welchem in der zwcy- ten Halste des Jayrs 1820 ein furchtbares Fallen sammtlicher Staatspapiere folgte, sehr große Sum, men Rothschildscher Loose, theils gegen Prä­mien, theils zu fixen Preisen, selbst erst bis Ende Dccember zu liefern verkauft, und weil inzwischen diese Loose um 20 oder auch noch mehr Procente gewichen waren, mehrere hunderttausend Gulden dabey gewonnen. In- den ersten Monaten dieses

Jahrs, wo noch die W i e n e r Bank-Actien zu 960 si., wo nicht noch niedriger, zu haben waren, scheint dieses Haus die Idee aufgefaßt zu haben, daß diese Actien, welche ursprünglich kaum 400 fl. ko­steten, und Ende Decembers 1820 noch » 53 o 55 o zu haben waren, noch niedriger gehen dürften. Es verkaufte demnach theils gegen Prämien bis Ende Decembers, theils zu fixen Preisen auf Lie­ferung sehr große Summen, man will sagen 5 ooo Stück wo nicht gav weit mehr. Da nun die Actien inzwischen auf ii 5 p, ja sogar bis 1200 gestiegen waren, und wenn das Gesetz im Betreff der französischen Rente durchgegangen wäre, noch weit höher gestiegen seyn würden; so wurde es durch einen sehr großen Verlust bedroht, welchen es wahr­scheinlich durch gedachten Aufsatz so viel wie mög- lich 4U vermin dern juchte, indem es die Ununter­richteten glauben machte, daß jene Actien seiner Ieit, und auch dieses erst nach Verlauf vieler Jahre, mit höchstens 700 800 fl. heimbezahlt werden würden. Dieses ist aber nicht an dem. Die Bank-Actien - Einlage bestand bekanntlich aus 100 ff. in 20gern, welche den flüssigen Bankfond bilderen, und aus ivoofl. in W. W., welche damals nur circa 25 § standen, und von der Staats-Regie­rung außer Circulation gebracht und verbrannt wer­den sollten; dagegen sie der Bank für die gleiche Summe Obligationen ausstellte, welche sie zu 2§g in 20gern verzinst, und davon alljährlich eine be­stimmte Summe zum Kurs von 200 fl. einlöst, wie Sie aus den einliegenden Bankstaruten das Nähere ersehen. In dieser Hinsicht möchten nun zwar wohl die Bank-Actien bey Ablauf des Bank-Privilegiums nicht viel über 700800 fl. per Actie in der Vertheilung sich verwehrten. Durch das ausschließliche Vorrecht aber, daß die Bank Banknoten ausgeben darf, geht ihr ein weit grö-