5-8

Ganze dieses Gebäudes im Innern mit den Gewöl­ben in ununterbrochener Communication steht, so ist dasselbe auch mit diesem besonder« Gebäude der Fall. Da wir nun, wenigstens dem Vorhergehen­den gemäß, gezwungen sind, den verständigen Se- leniten einige Civilisation zuzugestehen, so müssen wir wohl auch bey ihnen religiöse Bildung vermu- then. Unser sternähnliches Gebilde scheint also eine Art Tempel, und, weil er sternförmig angelegt ist, vielleicht dem Steendienste geweiht zu seyn; mag dieses um so wahrscheinlicher folgen, als man dort, wegen Reinheit der Luft, am Hellen Tage die Sterne leicht sehen kann.

10. Im Süden dieses Kunstgebäudes, und gleich dabey am südlichen lezten Wallznge, so wie im Westen, außen an den zwey großen Hügeln, befin­det sich jedesmal ein, mit einer tief eingesenkten Centralfläche versehe- ner Ringwall. Alle diese natürli­chen Gegenstände zeichnen sich theils durch ein zufälliges Verändcrtseyn, theils durch periodische Veränderun-

*) Die vor den Mond scheinbar hingeheftete Erde aber halten die Seleniten gewiß für eine von Gott ihnen erschaffene Uhr, von welcher Hevel Folgendes sagt: 8«Ie- nit«, in terra ajque maeulos et quidem multo plures et grandiores, quam nos in luna possunt numcrare CSele- nographia p. 257.)

Primus fructus motus Macularum terrae, facit ad cognoscendum diuturnum spatium 24 horarum.

Auf die Frage, wie die Seleniten sich in die Zeit- eintheilung ihrer langen Nächte finden, sagt Hevel: Ad hoc respondco, quod durationejn noctis, ex pha- sihus terrenis illis quoddam modo liceat colligere. (p. 3 oo.)

Secundus fructus motus Maeularum terrenarum, est cognitio longitudinis locorum. (p. 3 oj.)

In Ansehung andrer Epochen sagt er: Selenit« (sive sint, sive non sint) hahent sua Aequiqoctia et Solstitia. (p. 295.)

Selenit* hahent suas Eclipses terrae et solir." (p. 296.)

gen aus, und deuten damit auf Wir­kungen der Willkühr.

Sollte sich dereinst die Veräuderungsart die­ser Gegenstände näher bestimmen lassen, so dürfte es wahrscheinlich werden, daß des erster», eine halbe Meile im Durchmesser haltende, gegen den Voll­mond fast schwarzgrau werdende, Centralsiäche von den Seleniten als ein windstiller Erholungsplatz und Garten benuzt, der benachbarte, fast unkenntlich gemachte Ringwall dem Gebäude einverleibr wurde, und daß im leztern Verrichtungen geschehen, welche die Entwickelung von Rauch oder Dampf zur Folge haben.

In Ansehung des leztern Umstandes ist es doch sonderbar, daß ich, als ich zum erstenmale bey Sonnen-Untergang dieses architektonische Werk.'er­blickte, an mehrern Stellen über demselben körper­liche Gestalten sah, welche den Domkuppeln sehr ähnlich schienen, und daß ich hievon später nicht das Allergeringste mehr aufspüren tonnte. Soll­ten nicht auch diese vermeintlichen Domdächer nur bloßer Skatich oder Dampf gewesen seyn?

Wir werden später auf Erscheinungen kom­men, die dieses oben Gesagte eher bestätigen, als widerlegen dürften; woraus es dringend wahrschein­lich wird, daß die Mondoberfläche auch gegenwär­tig von verständigen Einwohnern noch bewohnt ist.

(Die Fortsetzung folgt.)

Anmerkung. Wir haben Herrn Gruithuyseu fast überall selbst reden lassen. Ob er uns Wahrheit oder Dichtung gegeben, kann nicht lange zweifelhaft bleiben. Wir haben der trefflichen Beobachter zu viele, die ihn controlliren, und seine Aussagen bestätigen oder wider­legen werden. Jener Erzbischof sah in demselben Ge­genstand zwey Kirckthürme, in welchem eine Dame zwey Geliebte, die einander entgegen eilten, wahrnahm. Zulezt hatten sie beyde falsch gesehen, als das Spinnen­gewebe im Tubus entdeckt ward. Am Ende ist verstän­dig phantasiren doch besser, als gar nichts wissen.

Bey läge: Inhalts-Anzeige vom Monat Mai.

Verlegt von der I. G. Cotta'schen Buchhandlung. Verantwortlicher Redakteur C. C. Andre.